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Die Gleichzeitigkeit guter Ideen

Das Zeughaus Teufen zeigt die produktive Atmosphäre im Teufen der 1960er-Jahre und beschwört Parallelen zu Andy Warhols Factory. Die Ausstellung «Factory Teufen» vermittelt das mit ihrem Labor-Charakter anschaulich. Zudem ist sie durch zeitgenössische Arbeiten reizvoll mit der Gegenwart verschränkt.
Kristin Schmidt
Die Ausstellung «Factory Teufen» verschränkt geschickt die Zeiten. (Bild: Michel Canonica)

Die Ausstellung «Factory Teufen» verschränkt geschickt die Zeiten. (Bild: Michel Canonica)

TEUFEN. Co-Creation, Co-Working spaces und Communities sind heutzutage in aller Munde. Gemeinsam denken, erfinden und entwickeln bringt alle Beteiligten weiter. Neu sind aber nur die Anglizismen. Kreative haben das Potenzial enger Zusammenarbeit schon früher erkannt und genutzt. Andy Warhol beispielsweise wäre ohne seine Gefolgschaft wohl nie zum Weltstar der Pop Art aufgestiegen. Über fünfzig Jahre ist es her, dass Warhol die Factory gründete und dort kreative Köpfe versammelte. Und mit ihnen einen Abstecher nach Teufen unternahm? Am Goldibach eine Dépendance gründete?

Grafiker, Fotografen, Künstler

«Factory Teufen» nennt Museumsdirektor und Kurator Ueli Vogt seine aktuelle Ausstellung im Zeughaus Teufen und verweist damit auf die Gleichzeitigkeit guter Ideen. Denn die Teufener hatten Nachhilfe aus New York gar nicht nötig. Sie kamen von selbst darauf sich zusammenzutun, um Grosses zu verwirklichen.

Grafiker Kurt Büchel und seine Frau Ada hatten 1963 die ehemalige Textilfärberei am Goldibach bezogen. Ein Jahr später gewann Büchel gemeinsam mit Remi Nüesch einen Gestaltungswettbewerb für die Expo 1964. So wurde die Textilfärberei erneut zur Produktionsstätte und zog Grafiker, Fotografen und Kunstschaffende aufs Land. Hier waren sie in der Lage, konzentriert und am richtigen Ort zu arbeiten: Sie gestalteten die Abteilung «Gesteigerte Produktivität» im Sektor «Feld und Wald». Hans Schweizer wirkte mit, Jost Blöchlinger, Amelia Magro, Jules Kaeser und andere.

«Factory Teufen» vermittelt anschaulich die kreative Atmosphäre und die damalige Art zu arbeiten, da sich die Ausstellung als Labor präsentiert. Originalfotografien hängen nicht an der Wand, sondern werden in der Horizontale gezeigt, nur durch Glasplatten geschützt. Publikationen dürfen in die Hand genommen und studiert werden, sogar das originale «Werk»-Heft aus dem Jahre 1964. Stempel liegen bereit und Papier. Ausgestellte Grundrisse sind ebenso aufschlussreich wie die unkonventionelle Korrespondenz vom Chefarchitekten der Expo an die Teufener.

Bogen mit Schweizer und Keller

Über all dem klopft und klingt es. Die Arbeit von damals scheint ins Heute herüberzutönen. Die Klänge begleiten Filmsequenzen. Sie entstammen einer dreiviertelstündigen Dokumentation aus den Sechzigern. Die Künstlerin Katrin Keller hat aus diesem Film jene Sekunden extrahiert, in denen die Akteure bei der Arbeit zu sehen sind, und interpretiert deren Tun mit elektronischer Musik. Ausserdem hat sie Tätigkeiten in Monotypien übertragen. Reihen, spachteln, stochern, hämmern, stempeln, rollen oder wischen zeichnen sich schwarz auf weissem Papier ab.

Zeitgenössische künstlerische Beiträge verschränken die Ausstellungen im Zeughaus Teufen immer wieder aufs Neue mit der Gegenwart. Aktuell gelingt dies neben der Arbeit von Katrin Keller auch mit Werken von Hans Schweizer. Seine grossformatigen Zeichnungen aus der jüngsten Zeit hängen auf grossen MDF-Wänden. Gegenüber auf einem warmen Ockerton sind Grubenmann-Veduten aus den Jahren 1961 und 1962 zu sehen – ebenfalls von Hans Schweizer. Und sogar Werke aus früheren Ausstellungen fügen sich nahtlos ein: So findet das auf den Schwarzweiss-Aufnahmen abgebildete, grosse Expo-Relief seinen Widerhall in Felix Stickels Karte des Appenzeller Landes. Er zeichnete sie 2013 für die zweite grosse Wechselausstellung im Zeughaus Teufen an die Wand. Mit jeder Schau wird die Geschichte aktiv weitergeschrieben – das Zeughaus Teufen ist längst selbst eine «Factory».

Bis 12.6., Zeughaus Teufen; nächste Führung: So, 24.4., 14 Uhr

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