Die Geige tänzelt

HÖRBAR KLASSIK Louis Spohr war einer der grossen Geiger in der frühen Romantik. Natürlich hat er auch als Komponist sein Leibinstrument gebührend berücksichtigt. Aber er wollte nicht einseitig sein – die Bezeichnung «Grand Duo» weist dem Klavier eine ebenbürtige Rolle zu.

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HÖRBAR KLASSIK

Louis Spohr war einer der grossen Geiger in der frühen Romantik. Natürlich hat er auch als Komponist sein Leibinstrument gebührend berücksichtigt. Aber er wollte nicht einseitig sein – die Bezeichnung «Grand Duo» weist dem Klavier eine ebenbürtige Rolle zu. Somit logisch, wenn ein ausgewiesener Violinist das Klavier betätigt: Kolja Lessing. Dazu der «echte» Geiger Ingolf Turban, ein Künstler, der das Virtuose mit dem Gefühlvollen und Witzigen verquickt. Letzteres kann er, neben dem Grand Duo Concertant, vor allem in den Sechs Salonstücken demonstrieren. Alte und neue Tänze als attraktiver (tönender) Blumenstrauss.

Spohr: Werke für Violine/Klavier. Ingolf Turban, Kolja Lessing. cpo 777 492

Die Geige schwärmt

In seinem (einzigen) Violinkonzert wollte Max Reger die Linie von Beethoven und Brahms weiterführen, allerdings in spätromantischer Üppigkeit. Reger war ein Unmässiger, sein Werk dauert rund eine Stunde. Keine geringe Herausforderung für den Solisten, der Schwede Ulf Wallin stellt sich ihr beherzt. Er sucht das permanente Schwärmen zu gliedern und zu akzentuieren. Im langsamen Mittelsatz unterstreicht er die melancholische Gestik, das Finale lässt er zu munterem Musikantentum auflaufen, wie es sich der Komponist wünschte: «…da geht's recht fidel drin zu».

Reger: Violinkonzert. Ulf Wallin, Münchner Rundfunkorchester, Ulf Schirmer. cpo 777 736

Die Geige spricht

Unter den Streichinstrumenten soll das Cello der menschlichen Stimme am nächsten stehen. Isabelle Faust indessen (assistiert von Pianistin Ewa Kupiec) plädiert für die Violine. Das demonstriert die Deutsche an klug ausgewählten Stücken. Besonders frappant tritt die Sprachähnlichkeit beim originellsten Beitrag hervor, der Violinsonate von Janacek. Ähnlich «beredt» wirkt die Partita von Witold Lutoslawski. Für Karol Szymanowski dagegen ging es um die Befreiung: in «Mythen» beschwor er den impressionistischen Zauber des Mittelmeers.

Violinwerke von Janacek, Szyma- nowski, Lutoslawski. Isabelle Faust, Ewa Kupiec. Harmonia Mundi 1951793

Mario Gerteis

Bild: Federli Patrick

Bild: Federli Patrick

Bild: Federli Patrick

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