Die frei schaffenden Künstler erhalten in St.Gallen ein gemeinsames Dach

Ein «Haus der freien Szene» soll den freischaffenden Künstlern in der Stadt St.Gallen eine Heimat bieten. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Roger Berhalter
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(Illustration: Jana Breder)

(Illustration: Jana Breder)

Warum braucht es ein «Haus der freien Szene», wie es das neue Kulturkonzept der Stadt vorsieht?

Insbesondere Tanz- und Theatergruppen seien darauf angewiesen, sagt Kristin Schmidt von der städtischen Kulturförderung. «Sie finden in der Stadt nur wenig geeignete Aufführungsorte vor, die zudem nicht für Proben gebucht werden können, nur knappe Zeitfenster zur Verfügung stellen oder hohe Miet- und Technikkosten verrechnen.» Manche schweizweit tätigen Tanz- und Theatergruppen hätten St.Gallen deswegen vom Tourplan gestrichen. «Die Stadt verliert damit mehr und mehr an Ausstrahlungskraft.»

Welche Bedürfnisse soll das Haus abdecken?

Es soll ein Haus mit Probe- und Aufführungsräumen sein. Beispielsweise sollen Tanzensembles und Theatergruppen dort ihre Stücke einstudieren können. Mit geeigneten Räumen soll die Stadt wieder attraktiver für Koproduktionen, Kooperationen und Auftritte von hiesigen und auswärtigen Gruppen werden.

Welche Sparten finden dort Platz?

Insbesondere Tanz, Theater und Literatur, zudem ist gemäss städtischer Kulturförderung denkbar, dass im Haus Kulturvermittlung stattfindet und weitere Sparten einbezogen werden, «zum Beispiel mit Ausstellungsräumen oder Auftrittsmöglichkeiten für traditionell arbeitende Gruppen, Chöre und Musikformationen». Man wolle zum jetzigen Zeitpunkt möglichst keine Sparteneinschränkung vorgeben.

Wo wird das Haus stehen?

Ein Standort steht noch nicht fest.

Ist ein Neubau geplant?

Das Haus hat derzeit noch «einen hohen Abstraktionsgrad», wie Stadtpräsident Thomas Scheitlin sagt. Ein Neubau sei ebenso denkbar wie die Umnutzung eines bestehenden Gebäudes. Die Bezeichnung «Haus der freien Szene» ist nur ein Arbeitstitel.

Ersetzt das Haus jene Ateliers und Proberäume, welche die Stadt schon jetzt günstig vermietet?

Nein. Die bestehenden Ateliers und Proberäume, beispielsweise in der Reithalle, bleiben. Das «Haus der freien Szene» ist ein zusätzliches Angebot.

Wer wird die Leitung übernehmen?

Das ist noch offen, die konkrete Organisationsform und Trägerschaft sind noch nicht definiert. Gemäss dem neuen Kulturkonzept der Stadt soll das Haus aber professionell geführt sein.

Was wird das Haus kosten?

Auch das ist noch offen. Vorerst möchte der Stadtrat gemäss Kulturkonzept 20000 Franken zur Verfügung stellen, um ein separates Konzept für das Haus zu erarbeiten. Am nächsten Dienstag wird das Kulturkonzept im Stadtparlament diskutiert.

«Werkhaus 45», italienisches Konsulat, Lattich, Kino Rex: Waren die kulturellen Zwischennutzungen der vergangenen Jahre ein Testlauf für das «Haus der freien Szene»?

Nein, aber sie haben laut Kristin Schmidt gezeigt, was möglich ist. Sie erwähnt als positives Beispiel die Halle im Lattich-Quartier am Güterbahnhof. 2017 diente sie, unter professioneller Leitung, als Produktions- und Aufführungsort für die Tanz- und Theaterszene. «Hochkarätige Kompanien wurden für Gastspiele eingeladen. Gruppen konnten Stücke über mehrere Tage entwickeln und proben.»

Wie sieht der Zeitplan aus?

Bis das «Haus der freien Szene» eröffnet, wird es noch Jahre dauern. Die Grundlagen sollen bis 2021 geklärt sein, bis 2022 soll ein Konzept vorliegen.

www.stadtsg.ch/kulturkonzept

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