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Chinesischer Kinofilm: Die Frau des Gangsters

Jia Zhang-Ke erzählt in «Ash Is Purest White» eine im Mafiamilieu spielende Liebesgeschichte. Er schildert dabei mit dem Blick des sorgfältigen Chronisten auch die Veränderungen im aktuellen China.
Irene Genhart
Der Gangster Bin und seine Beschützerin Qiao. (Bild: Filmcoopi)

Der Gangster Bin und seine Beschützerin Qiao. (Bild: Filmcoopi)

Ein Kulturzentrum im nordwestchinesischen Datong. Die Show verspricht Wunder, in den Hinterzimmern wird Mahjong gespielt. Es sind fast nur Männer da. Mitten unter ihnen: Qiao, die Geliebte des lokalen Gangsterbosses Bin. Sie streift durch die Räume, beobachtet das Treiben, die Kamera folgt ihr. Bin sitzt beim Spiel. Er schlichtet einen Streit unter seinen Anhängern; die Jiang-Hu sind eine mafiaartige Geheimgesellschaft. «Leute wie wir», sagt Bin, «töten oder werden gekillt.» «Ich bin aber keine Jiang-Hu», antwortet Qiao.

Dokumentarmaterial fliesst in den Film

Sie stammt aus der Arbeiterklasse, man schreibt das Jahr 2001. Dem Titel und den Spielfilmszenen vorangestellt hat Jia Zhang-Ke dokumentarische Aufnahmen von Menschen in einem Bus, die er vor 18 Jahren mit einer Videokamera gedreht hat. Zwei Jahre nach den Ereignissen auf dem Tian’anmen-Platz brodelt es auch in der Provinz. Doch die Proteste verhallen, Qiao zieht den Stecker des Mikrofons, durch das ihr Vater zum Protest aufruft. Die sich mit Fabrikschliessungen ankündigenden Umwälzungen treffen allerdings nicht nur die Arbeiter. Eines Abends wird Bin auf offener Strasse angegriffen, später im Auto von einer Motorradgang verfolgt.

Nach dem Gefängnis sucht Qiao wieder ihren Gangster

Mit drei Schüssen in die Luft rettet Qiao ihm das Leben. Weil sie sich weigert, den Namen des Waffenbesitzers bekannt zu geben, muss sie fünf Jahre ins Gefängnis. Jia erzählt in grossen Zeitsprüngen, mit vielen Ellipsen. Der Fokus seiner Erzählung liegt oft nicht auf dem Erwarteten. So setzt der zweite Teil des dreiaktigen Dramas erst nach Qiaos Haftentlassung ein und begleitet sie auf der Suche nach Bin. Sie reist, einst gemeinsam gefasste Zukunftspläne im Kopf, ins Staudammgebiet des Jangtsekiang. Wieder schreibt sich die fiktive Story ins Reale, verwendet Jia hier doch dokumentarisches Material, das er während der Dreharbeiten zu «Still Life» (2006) schoss; Markierungen in der Landschaft zeigen, was das Wasser dereinst verbergen wird.

Ein Wiedersehen endet enttäuschend

Qiao findet Bin schliesslich. Nicht, dass er sich nie gemeldet hat oder eine neue Freundin hat, trifft sie, sondern, dass er nicht mehr weiss, mit welcher Hand sie damals schoss. Sie lässt Bin stehen. Bricht wieder auf, lässt sich während einer endlosen Zugfahrt auf einen Hochstapler ein, den sie wieder sitzen lässt; in einer der magischsten Szenen des Films steht Qiao in tiefdunkler Nacht in einer gespenstisch leeren Stadt, derweil über dem Himmel Lichter blitzen.

China ist in der seelenlosen Gegenwart angekommen

Auch von Ufos ist die Rede in diesem Film, der im letzten Teil Qiao und Bin im Heute zeigt. Bin ist gezeichnet von einem Schlaganfall, Qiao, aus Loyalität bei ihrem Mann geblieben, betreibt ein Lokal. China, von Kameramann Eric Gautier oft aus der Luft fotografiert, ist in der Gegenwart angekommen: Ein riesiges Land, durch das Hochgeschwindigkeitszüge donnern – und in dem diese wunderschöne Lovestory wenig mehr als eine kleine Notiz ist.

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