Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die Fäden einer meisterhaften Trilogie

Wie war das mit diesem seltsamen Spitznamen? Wieso war ein bis zur Pingeligkeit reinlicher und genauer Mann wie Edward Feathers in der Riege der elitären Kronanwälte und Richter ausgerechnet als «Old Filth» bekannt geworden? Nein, es ging nicht um Schmutz.
Bernadette Conrad
Jane Gardam: Letzte Freunde, Hanser 2016, 237 S., Fr. 31.90

Jane Gardam: Letzte Freunde, Hanser 2016, 237 S., Fr. 31.90

Wie war das mit diesem seltsamen Spitznamen? Wieso war ein bis zur Pingeligkeit reinlicher und genauer Mann wie Edward Feathers in der Riege der elitären Kronanwälte und Richter ausgerechnet als «Old Filth» bekannt geworden? Nein, es ging nicht um Schmutz. Das aus den Anfangsbuchstaben von «Failed in London, tried Hongkong» zusammengesetzte Wort verwies auf Feathers Karriere in Hongkong. Diese Glanzzeit – die eigene und die der Kronkolonie – ist lange vorbei, als Jane Gardams Trilogie einsetzt. Deren erster Band war dem tiefen Blick in die gesamte Lebensstrecke des «untadeligen Manns» gewidmet gewesen – von den vielen harten Schnitten in seinem Leben, das als «Raj Waise» in Malaysia begonnen, über mysteriöse Pflegeeltern in ein englisches Internat geführt hatte; von den vielen Jahrzehnten seines erwachsenen Lebens mit Betty, die er – als die Trilogie einsetzt – überlebt hat. Betty, von deren Perspektive der zweite Band erzählt, war nicht wirklich «eine treue Frau», wie der Titel suggeriert. Oder doch?

Es ist Jane Gardams hohe Kunst, diese beiden Menschen nicht nur zu beleuchten, indem sie sie aus der Sicht des jeweils anderen anschaut. Lesend teilt man die Sicht und Erfahrungen etlicher Weggenossen der beiden; tatsächlich gelingt es Gardam, in verknappter, äusserst dichter Sprache ein Maximum an widersprüchlicher Komplexität dieser Menschen zu fassen. Und dann ist da der Dritte im Bunde: Terry Veneering, der andere Staranwalt in Hongkong und Edwards innig gehasster Feind und Konkurrent. Terry, den Betty liebte. Was hat es auf sich mit dieser geheimen Liebe?

Zum Glück gibt es den jetzt erschienenen dritten Band: «Letzte Freunde», der in jenes Dorf in Dorset blendet, in das sich – unfreiwillig, unwissentlich – die lebenslangen Widersacher Feathers und Veneering für den Lebensabend zurückgezogen hatten. Nun sind beide tot, und in einer Art grotesken Abschiedsbild treffen sich mit der uralten Dulcie und dem nur wenig jüngeren Fiscal-Smith die beiden letzten der alten Garde hier wieder. Das Dorf scheint dem verrückten Llareggub aus Dylan Thomas «Unter dem Milchwald» zum Verwechseln ähnlich. Aber dann geht es zum eigentlichen Schauplatz des Bandes: dem Dorf Herringfleet im englischen Nordosten, wo Terry Veneering eine bitterarme Kindheit erlebte. Fiscal-Smith weiss um dies Geheimnis von Veneerings Herkunft. Im letzten Band verknüpfen sich die Fäden, die Gardam über zwei Bände hinweg gesponnen hatte.

Längst gibt es einen Kult um die «Old Filth»-Romane und ihre heute 87jährige Autorin. Gardam, die bei uns erst mit dem «Untadeligen Mann» bekannt wurde, hat sechzehn Romane geschrieben. In ihrer meisterhaften Trilogie zeigt sie auf, mit welch unglaublich stilistischer Leichtigkeit grosse psychologische Tiefe erzählt werden kann.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.