Die erfundene Königin

Bibel wie Koran erzählen von ihr, Hollywood hat sie im Film verewigt. Nun legt das Antikenmuseum Basel dar, was es mit der Königin von Saba auf sich hat.

Rolf App
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@tagblatt.ch

In King Vidors monumentalem Hollywoodfilm aus dem Jahr 1959 spielt die Königin von Saba eine prominente Rolle. Gina Lollobrigida spielt eine selbstbewusste Frau, an ihrer Seite Yul Brynners Salomo. «Teure Schnulze aus vorchristlicher Zeit», urteilt das Heyne-Filmlexikon. Und fügt bei: Mit der Bibel habe das nicht mehr viel zu tun.

Man darf daran zweifeln, ob sie gelebt hat

Das macht nichts. Denn die Bibel erzählt zwar von dieser «Königin des Südens», und auch im Koran taucht sie auf. Aber ob sie tatsächlich gelebt hat, daran darf sehr gezweifelt werden. Ein Königtum von Saba ist im heutigen Jemen erst 300 Jahre nach der biblischen Überlieferung gesichert. Seine Herrscher waren ausschliesslich Männer. Gleichwohl – oder gerade deshalb – entfaltet die rätselhafte Königin ihre Anziehungskraft über die Jahrhunderte, symbolisiert je nach ideologischer Agenda Weisheit, Tugend, Dämonie, Emanzipation, Erotik.

Deshalb erstaunt nicht, dass das Antikenmuseum Basel «Mythos und Realität im Reich der Königin von Saba» eine kleine Ausstellung widmet. Die Begleitpublikation erzählt von einem Teil Arabiens, dessen Reichtum die Phantasie eine Zeit beschäftigt, deren Kenntnis der Realität noch sehr lückenhaft ist. Ein Produkt dieser Phantasie ist die legendäre Königin gewesen, die schon in Bibel und Koran zwei ganz unterschiedliche Figuren abgibt.

Im Koran ist sie im Bund mit Dämonen

Im Alten Testament stellt der Besuch der Königin von Saba in Jerusalem einen Teil der Inszenierung von König Salomo als idealem Herrscher dar. Sie hat von seiner Weisheit und seinem Gott gehört, jetzt will sie ihn erproben und bringt auch Gewürze, Gold und Edelsteine mit. Sie sagt Salomo «alles, was sie auf dem Herzen hatte. Und Salomo erklärte ihr alles; es war dem König nichts verborgen, dass er es ihr nicht erklärt hätte».

Der Koran sieht sie düsterer: Die Königin von Saba soll mit dem Teufel im Bunde sein. Salomo verfügt über magische Kräfte, er kann mit den Tieren reden. Ein Wiedehopf macht ihn auf die ferne Königin aufmerksam. Er schreibt ihr einen Brief und fordert sie auf, in Ergebenheit (vor Allah) vor ihn zu treten. Er will wissen, ob sie haarige und behufte Beine hat, wie es ihm die Dämonen einreden. Als sie eintrifft, prüft er sie, indem er sie über den spiegelnden Palastboden laufen lässt. Und siehe da: Sie hat zwar behaarte, aber durchaus menschliche Beine. Salomo schenkt ihr eine Paste – die erste Enthaarungscrème der Geschichte. Dann schickt er sie zurück.

Weihrauch und Myrrhe sind hoch begehrt

Südarabien liegt in den Tropen, das Bergland ist fruchtbar, der Talgrund wird systematisch bewässert. Die wohlriechenden Harze – Weihrauch und Myrrhe – sind im Westen hoch begehrt. Die Menschen parfümieren sich, und sie brauchen sie für ihre Kulte. Daraus den grösstmöglichen Gewinn zu schlagen, das wird zum starken Antrieb für die Bildung von Königreichen – von denen jenes von Saba immer mächtiger wird. «Arabia Felix» nennen die Römer den Landstrich: Glückliches Arabien.

Antikenmuseum Basel, bis 2. Juli www.antikenmuseumbasel.ch