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Stürmische Premiere:
Die Clowns blieben im Regen stehen

Zu sehen gab es am Samstag leider nur die Hälfte des clownesken Theaterstücks «Foottit und Chocolat». Ein Sturm beendete die Konstanzer Premiere vorzeitig. Der erste Teil des Stücks macht Lust auf den zweiten. Berührend gehen Zirkus und Theater Hand in Hand.
Martin Preisser
Nach ihrem Auftritt im Zirkus werden Chocolat (Ramsès Alfa) und Foottit (Olli Hauenstein) in einem Variété engagiert. Die Szene spielt im zweiten Teil, der morgen erstmals gezeigt wird. (Bild: Bjørn Jansen/Theater Konstanz)

Nach ihrem Auftritt im Zirkus werden Chocolat (Ramsès Alfa) und Foottit (Olli Hauenstein) in einem Variété engagiert. Die Szene spielt im zweiten Teil, der morgen erstmals gezeigt wird. (Bild: Bjørn Jansen/Theater Konstanz)

Theater ist auch die Kunst des Improvisierens. Dass der zweite Teil der Premiere von «Foottit und Chocolat» buchstäblich ins Wasser fiel? Der Thurgauer Clown Olli Hauenstein, eine der beiden Hauptfiguren, nimmt es gelassen und ohne Traurigkeit. Statt «Foottit» zu Ende zu spielen, hat das Ensemble des Theaters Konstanz mit Gummistiefeln und in einer Manege mit vielen Pfützen das treu ausharrende Premierenpublikum mit Sketches und Livemusik unterhalten, bis dann definitiv abgesagt werden musste.

«Der Premierenkorken hat trotzdem geknallt, geschäumt hat es dann halt wegen des schweren Sturms», bringt es Olli Hauenstein in ein schönes Bild. «Der erste Premierendruck ist jetzt weg, und morgen bei der zweiten Premiere bekommen wir den Korken natürlich nicht wieder auf die Flasche. Aber wir werden alle wieder kräftig schütteln, damit es richtig schäumt.»

Spontanes Ersatzprogramm bis zum Abbruch

Das spontane Ersatzprogramm mit Songs von Anne Simmering, mit Zirkuseinlagen und einem Tanz von Olli Hauenstein mit seinem togoischen Clownpartner Ramsès Alfa habe die Theatercrew zusammengeschweisst, sagt der «weisse» Clown und freut sich an dem unerwarteten Bild einer ganz unerwarteten Premiere: «Alle Akteure waren zusammen plötzlich in der Manege, das bleibt mir als eine ganz schöne Erinnerung an einen sehr stürmischen Theaterabend.»

Wie der Rezensent war auch ein Teil der Premierengäste vom Geschehen nach der Pause abgeschnitten. Fast eine Dreiviertelstunde. Zu gefährlich wäre der Weg vom Pausenfestzelt zurück zum Zirkuszelt gewesen. Sonnenschirme, Stühle, Tische flogen umher, die Wind blies teilweise orkanartig.

«Beerdigungen arten ja manchmal zu einem unerwartet fröhlichen Fest aus», beschreibt Olli Hauenstein das Premierenfeeling in der Theatercrew. Wer jedenfalls den ersten Teil von «Foottit und Chocolat» gesehen hat, möchte für die zweite Hälfte unbedingt nochmals ins Zirkuszelt auf der Konstanzer Klein-Venedig-Wiese. Der Reiz dieser wahren Geschichte um den ersten schwarzen Clown Chocolat liegt in der sich gegenseitig befruchtenden Spannung von Zirkus- und Theateratmosphäre. Man sitzt gerne im Zelt, lässt sich amüsieren, und gleichzeitig läuft da in der Manege eine berührende und oft auch traurige Geschichte um Rassismus und Ausbeutung, um Erfolg und Scheitern, um Liebe und Tod.

Der «Neger» als exotische Attraktion

Man schmunzelt über den dummen schwarzen August und denkt doch unentwegt an das heutige Afrika und die Menschen, die von dort flüchten. Der «Neger» muss immer wieder auf- und abladen, er bekommt die Tritte in den Hintern. Der «Wilde aus dem Busch» wird vorgeführt, als exotische Attraktion. Der Konstanzer Theaterintendant Christoph Nix hat das Stück für die Bühne, besser: für die Manege eingerichtet und nutzt dabei auch die Infrastruktur des «echten» Zirkus. Über vierzig Jahre kennt er die Zirkusfamilie Bügler, die sich mit ihrem Zirkus Salto Mortale auf der Wiese am See mit dem Theatersommerprogramm im Zelt abwechselt.

Ein Kamel tritt auf, Schauspielerin Jana Alexia Rödiger führt auf einem Pferd Kunststückchen vor, und die Clowns im Zirkus werden die Clowns im Theater. Ramsès Alfa aus Togo als Chocolat ist sehr präsent, sein Partner Olli Hauenstein souverän als Foottit mit einer alten und vielen neuen Clown-Nummern, darunter eine amüsante, aber anspruchsvolle Stierkampfeinlage.

Mit dem Leichenzug fängt die Geschichte an

Wenn Olli in der Geschichte, die vor über hundert Jahren spielt, klagt, man lache heute über andere Sachen als früher, dann klingt das auch recht aktuell. Und ganz verspielt und poetisch geht das, wenn Olli seinem Partner beibringt, was es heisst, verdutzt zu schauen. Der Abend, der das Lachen über Zirkusclowns und die beschwingte Atmosphäre in der Manage mit «richtigem», auch tragischem Theater lustvoll, spielerisch und oft berührend verbindet, startet mit dem Trauerzug. Dass der Sarg von Chocolat vom Wagen fällt, ist ein starker Einstieg und führt mitten in die Handlung.

Die Konstanzer Theatercrew freut sich nach dem Sturm, nach dem alle im Regen standen, auf die zweite Premiere. Olli Hauenstein braucht bis dahin ein neues Textbuch, das alte hat der Regen unleserlich gemacht. Den «Korken» will er wieder knallen lassen, nach dem tollen Start der ersten Hälfte vielleicht mit weniger Lampenfieber, wie er sagt.

Hinweis

Nächste Aufführung: Di 18.6., 20 Uhr, Klein Venedig, Konstanz. Weitere 12 Aufführungen bis 27. Juli. www.theaterkonstanz.de

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