Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die Bilderbauerin - Häuser zu malen, ist ihre Passion

El Frauenfelder malt kraftvolle, kantige Behausungen. Der Kunstverein Frauenfeld zeigt jetzt Werke der Künstlerin, die 2015 den Manor-Kunstpreis des Kantons Zürich gewonnen hat.
Dieter Langhart
El Frauenfelder richtet ihre Ausstellung «gedacht» im Kunstverein Frauenfeld ein. (Bild: Andrea Stalder)

El Frauenfelder richtet ihre Ausstellung «gedacht» im Kunstverein Frauenfeld ein. (Bild: Andrea Stalder)

Riesige Leinwände liegen ausgebreitet am Boden des Bernerhauses, daneben Stapel kleiner Bilder. Das Legen und Auslegen ist für die Künstlerin El Frauenfelder entscheidend. «Ich suche den Kontakt zu meinen Bildern, ich muss ihre Position verschieben können, bevor ich sie hänge.» Sie wird sie nur an die Wand pinnen, ohne Keil und Rahmen, denn dies würde ihre Bilder einengen.

«Es sind Häuser, auch wenn sie oft keine Fenster haben», sagt sie fast entschuldigend. Häuser hier, Häuser da. Grosse und winzige; ausgearbeitete und schemenhafte; vollständige und nur angerissene. Kantig die Dächer und Wände, überlappend manche Umrisse, aber stets betont. «Ich will keine Zentralperspektive», sagt die Künstlerin. «Ich will Bewegung statt Fixiertheit.»

«Wir konstruieren unsere eigenen Bilder»

«Meine Bilder haben viel mit Sehgewohnheiten zu tun», sagt El Frauenfelder. «Man konstruiert sich Bilder», sagt sie. Oder: «Das Haus ist ein psychologisches Konstrukt.» Wer sich ihre Bilder ansieht, ist gezwungen, sie zu sich sprechen zu lassen und sein eigenes Sehen in Frage zu stellen. Ist dies hier ein Dach? Ist dies ein wirkliches Haus oder nur ein vorgestelltes? Stimmt die Perspektive? Reicht jener Zaun etwa bis ins Haus hinein? Ist dieser Streifen ein Stück Maler- oder Isolierband oder ist er nur gemalt? Nie hat der Betrachter die Gewissheit darüber, was die Künstlerin darstellt, und das zwingt ihn, sich mit dem auseinanderzusetzen, was er sieht.

Hülle, Hohlkörper, Daheim

Freigeist statt Architektin: Wenn El Frauenfelder malt und spachtelt, baut sie Häuser. Sie spricht von einem «Körpergefühl von vorgestellten Räumen», verneint das Statische ihrer Häuser, die sich je nach Standort des Betrachters verändern. Was bedeutet ihr das Haus? «Hülle, Hohlkörper, Daheim.» Sie sagt, ein offener Raum sei ohne Haus nicht möglich, «beide bedingen sich». Sie träume oft von Häusern. Ist sie ein visueller Mensch? «Ich erinnere mich an vieles nicht», sagt sie. Sie ist in Zürich aufgewachsen und lebt und arbeitet in einem Riegelhaus im zürcherischen Ossingen.

Die Künstlerin setzt ihre Häuser in eine mehr oder minder erkennbare Umgebung und schafft so Behausungen in einem Raum, der über das Bild hinaus reicht. «Es gibt keinen ununterbrochenen Raum», sagt sie. «El Frauenfelder würde Bilder als lebendige Informationsträger beschreiben, die zu uns sprechen», schrieb Philipp Meier 2015 in der NZZ, als sie den Manor-Kunstpreis des Kantons Zürich erhalten hatte. «Ihre Kunst ist etwas, das auf keinen Fall leichtfertig gefallen will.»

Ein Körpergefühl, das nicht greifbar ist

Kantig und sperrig statt bieder oder anbiedernd ist El Frauenfelders Kunst. Auch im Gespräch ringt sie mit ihr, mag sich nicht festlegen lassen. «Oft ist das Gegenteil da», sagt sie etwa.

Dies hat auch mit den Farben zu tun, die sie auf die meist braune Leinwand aufträgt. Wiederkehrend ist ein rostiges Rot und ein Luftblau, in dem sich der Himmel spiegelt; bisweilen blitzt ein giftiges Gelb hervor. Sehr haptisch wirken El Frauenfelders Bilder, eine Art Körpergefühl wohnt in ihnen, obwohl es «nicht greifbar» sei, sagt sie. Auffallend ist ihr Interesse am Material, an der Materialität, an unterschiedlicher Dicke des Auftrags. «Mich würden auch Objekte reizen», sagt sie.

"Ich bin mit dem Indianerland aufgewachsen"

Manchmal taucht sie in ein grosses Bild ein, zoomt in den Mikrobereich, spielt mit der Grösse und macht ein kleines Bild daraus. Oft rezykliert sie bestehende Bilder, fotografiert sie, plottet sie aus und übermalt sie weiter. Und sie besucht vertraute Orte immer wieder. Einer ist South Dakota. «Ich bin mit dem Indianerland aufgewachsen, habe alles darüber gelesen.» Dieses Indianerland wäre für sie «die normale Welt».

Vernissage: Sa, 9.2., 17.30 Uhr, Bankplatz 5. Bis 10.3. Sa 10–12 und 14–17, So 14–17 Uhr

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.