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Mehr als bloss Oscar würdig: Die berühmt starke Frau hinter dem Manne

Glenn Close spielt in «The Wife» mit viel Verve die Gattin eines frisch erkorenen Nobelpreisträgers der Literatur. Das ist mehr als bloss Oscar würdig.
Irene Genhart

Hinter jedem erfolgreichen Mann stehe eine starke Frau, hat man früher bisweilen gesagt. Der Spruch war allerdings alles andere als despektierlich gemeint. Genauso eine starke Frau hinter ihrem erfolgreichen Mann spielt Glenn Close in Björn Runges «The Wife». Nachdem Joseph und Joan Castleman zum Filmanfang anno 1992 im ländlichen Connecticut von einem Anruf aus Stockholm aus dem morgendlichen Schlummer gerissen werden, hopsen sie ausgelassen wie Kinder zusammen auf ihrem Ehebett herum: So einen Nobelpreis erhält man schliesslich nicht alle Tage und Joseph oder eben Joe, der die letzten Jahre einen Bestseller nach dem anderen herausbrachte, hat diesen ja auch durchaus verdient.

Sie hat das Sagen

Man solle mit dieser Hopserei nun vielleicht besser aufhören, sagt Joan nach ein paar Minuten. Schliesslich gehört man nicht mehr zu den Jüngsten und hat heute wohl auch noch einiges zu erwarten, wofür man mit Vorteilen anständig angezogen ist. Innert wenigen Sekunden wird damit geklärt, wer bei den Castlemans grundsätzlich das Sagen hat; Joe ist es nicht. In der Folge – «The Wife» beruht auf dem gleichnamigen Roman von Meg Wollitzer – erleben Joan und Joe was in ähnlicher Situation allen blüht. Den ersten Gratulationen aus engstem Bekanntenkreis und der Familie folgen erste Ehrbezeugungen der lokalen Obrigkeit sowie überschwängliche Lobeshymnen der lokalen Presse. Und eh man sich versieht, sitzt man auf dem Weg zur Preisverleihung im Flieger.

Sohn David, seinerseits auf Literatenpfaden wandelnd, begleitet die Eltern. Mit an Bord ist zudem Nathaniel Bone, seines Zeichens Journalist und brennend daran interessiert Joe Castlemans Biografie zu schreiben. Sowohl die von Max Iron gespielte Rolle des vom Vater sträflich ignorierten Sohnes, sowie die des von Christian Slater süffisant lästig gespielten Journalisten, sind nicht sonderlich dankbar. Aber es sind wichtige Puzzleteile für die sich nun auf dem Hintergrund der zum Brimborium verkommenden Preisverleihung entladenden Eskalation zwischen dem anfänglich so glücklichen Ehepaar; dessen Geschichte – Joan war in den 1960ern Joes Studentin und abgöttisch in ihren Professor verschossen – im Laufe des Films in Rückblenden geschickt eingebaut wird.

Fokus auf Gesten und Gesichtsregungen

Regisseur Runge erzählt packend und präzis, wobei er den Fokus oft auf kleine Gesten und winzige Gesichtsregungen lenkt, und Kommendes nicht selten in dissonanten Zwischentönen sich ankündigen lässt. Joe wird in seinen jungen Jahren von Harry Lloyd, als Erwachsener von Jonathan Price gespielt, die junge Joan von Annie Starke. Im Zentrum des Geschehens aber steht die Ehefrau, gespielt von Starkes leiblicher Mutter, Glenn Close.

Die heute 72-jährige Schauspielerin, in jungen Jahren als moderne «femme fatale» bezeichnet, hat im Laufe ihrer langen und vielfältigen Karriere – erinnert sei nur an ihre Auftritte in «Dangerous Liaisons» – manche Frauenfigur unvergesslich werden lassen. Ihre grösste, weil subtilste Rolle aber spielt Close vielleicht tatsächlich in «The Wife», der sich immer mehr zum Porträt einer unerträglichen Beziehung entwickelt, deren Fatalität sich weniger in der Unterdrückung der Frau, als vielmehr einer gemeinsamen Lebenslüge gründet.

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