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Die Behinderung entsteht im Kopf

Gunnar Dresslers Komödie «Ziemlich beste Freunde» im Casinotheater Winterthur ist beste Unterhaltung – und zur selben Zeit ein Stück, das zum Nachdenken darüber anregt, was der Mensch ist.
Rolf App
Da hat der Rollstuhl nichts mehr zu suchen: Hanspeter Müller-Drossaart als Philippe und das Theater Hora. (Bild: Casino Theater/Caro Gammenthaler)

Da hat der Rollstuhl nichts mehr zu suchen: Hanspeter Müller-Drossaart als Philippe und das Theater Hora. (Bild: Casino Theater/Caro Gammenthaler)

Schon bevor es losgeht, sitzen sie vorne, am Bühnenrand. Schauen aufmerksam zu, wie das Publikum hereinströmt ins Casinotheater Winterthur, einer gähnt zwischendurch. Dann verschwinden die sechs Schauspieler vom Theater Hora wieder, machen Platz für Hanspeter Müller-Drossaart, Daniel Schröder und Ulrike Beerbaum.

Ein besonderer Glanz

Doch am Ende werden diese sechs dem Abend seinen besonderen Glanz verliehen haben. Die Spiellust und, vor allem, die ursprüngliche Lebensfreude von Samuel Bickit, Sebastian Dalloz, Lucas Maurer, Serafin Michel, Silas Obertüfer und Simon Stuber werden die Menschen im Saal auf besondere Weise berühren und das Thema von «Ziemlich beste Freunde», den Umgang mit Behinderung, auf eine ganz eigene Art akzentuieren. Bickit und seine Freunde sind geistig behindert, Hanspeter Müller-Drossaart ist es in seiner Rolle als Philippe körperlich. Er ist steinreich, aber seit einem Unfall mit dem Gleitschirm an den Rollstuhl gefesselt.

Driss ekelt sich

Beinahe schon hat er die Freude an einem Leben verloren, dessen aufregendster Teil darin besteht, seiner Assistentin Magalie (Ulrike Beerbaum) geschraubte Briefe an eine Brieffreundin zu diktieren, von der Philippe nicht einmal weiss, wie sie aussieht. «Fragen Sie sie mal, wie viel sie wiegt», rät Driss (Daniel Schröder), den Philippe anstelle eines weit besser qualifizierten Bewerbers (Jonas Gruber) als neuen Pfleger eingestellt hat. Driss war vorher arbeitslos, er hat sich nur beworben, weil er eine Bescheinigung fürs Arbeitsamt braucht.

Jetzt macht er Magalie schöne Augen, ekelt sich vor der Arbeit und mischt Philippes Alltag auf. Das fängt mit einem Geburtstag an, der mit Hilfe des Theaters Hora in eine wilde Party mündet, und dreht dann immer wildere Spiralen. Am Ende ist Philippe dann bereit, seine Brieffreundin kennenzulernen, und jenen Teil seiner Behinderung hinter sich zu lassen, den er im Kopf hatte.

Matthias Kaschigs Regie konzentriert sich zu Beginn ganz auf das Dreieck Philippe-Driss-Magalie. Geschickt reduziert er jene Szenen, die man aus dem Film «Intouchables» kennt, der dem Stück zugrunde liegt, und setzt auf die grosse Stärke des Theaters: seine Unmittelbarkeit.

Glücksgriff Daniel Schröder

Gelingen kann das nur mit guten Schauspielern, und da hat Matthias Kaschig mit Daniel Schröder als Pfleger Driss einen Glücksgriff getan. Während Hanspeter Müller-Drossaart virtuos mit seiner Mimik spielt, Ulrike Beerbaum mal die verführerische Magalie, mal eine blasierte Galeristin mimt, erfüllt Daniel Schröder mit grosser Energie die Szene. Und bekommt mit den sechs Schauspielern vom Theater Hora wundervoll verspielte Partner.

Weitere Vorstellungen von «Ziemlich beste Freunde» in Casinotheater Winterthur bis 17. September.

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