Comic: Die Ausserrhoder Bärin kämpft fürs Frauenstimmrecht

Seit 30 Jahren haben auch die Ausserrhoderinnen ihr Stimm- und Wahlrecht. Ein Comic erzählt die Geschichte dazu und vergisst eine wichtige Protagonistin.

Christina Genova
Drucken
Teilen
Partystimmung anlässlich von 30 Jahren Frauenstimmrecht: Lika Nüssli und Dario Forlin zeigen die Ausserrhoderinnen und Ausserrhoder in Festlaune.

Partystimmung anlässlich von 30 Jahren Frauenstimmrecht: Lika Nüssli und Dario Forlin zeigen die Ausserrhoderinnen und Ausserrhoder in Festlaune.

(Bild: PD)

Appenzell Ausserrhoden war der zweitletzte Kanton, der das Frauenstimmrecht einführte. 30 Jahre ist das her, ausserdem wurde vor 20 Jahren die Fachstelle für die Gleichstellung von Mann und Frau eröffnet. Grund genug, zeitgemäss in Form eines Comics Rückschau zu halten. Die Illustratoren und Künstler Dario Forlin und Lika Nüssli haben den Band «Es braucht Mut» gezeichnet und an jeder Zeichnung immer zu zweit gearbeitet – total gleichberechtigt also.

Auf den ersten vier Doppelseiten lässt man witzig die Geschichte der Gleichstellung im Zeitraffer Revue passieren: Die Steinzeitfrau jagt mit Kind an der Brust, auf dem Rütli schwören drei Frauen. Erwähnung finden auch Jeanne D’Arc, die Suffragetten oder Iris von Roten, Autorin von «Frauen im Laufgitter».

Stein und Pfütze führen durch die Geschichte

Ostkultur - Comic "Es braucht Mut" von Lika Nüssli und Dario Forlin

Ostkultur - Comic "Es braucht Mut" von Lika Nüssli und Dario Forlin

Dann geht es nach Ausserrhoden, wo der Trogner Künstler H.R. Fricker sich ab 1981 mit seiner Kunstfigur Ida Schläpfer für das Frauenstimmrecht einsetzt. Er macht sogar den Bären auf dem Ausserrhoder Kantonswappen zur Bärin. An der Landsgemeinde von 1989 klappt es endlich.

Dass die Frauen 1991 auch in Appenzell Ausserrhoden streiken, gefällt nicht allen.

Dass die Frauen 1991 auch in Appenzell Ausserrhoden streiken, gefällt nicht allen.

Auf den restlichen fast fünfzig Seiten geht es vor allem um den langen und mühseligen Weg bis zu Einrichtung einer kantonalen Fachstelle für Gleichberechtigung. Zähe Sitzungen, Widerstände in der Verwaltung und die Arbeit der drei bisherigen Stelleninhaberinnen werden textlastig beschrieben. Das ist langweilig und wird die Schülerinnen und Schüler der Ausserrhoder Oberstufen, die den Comic als Lehrmittel zur Gleichstellung von Mann und Frau erhalten, garantiert nicht für das Thema erwärmen.

Ein Stein und eine Pfütze führen durch die Geschichte, als Identifikationsfiguren für Teenager sind sie untauglich. Völlig unverständlich ist jedoch, dass in diesem Comic Elisabeth Pletscher, die grosse Vorkämpferin für das Ausserrhoder Frauenstimmrecht, keinerlei Erwähnung findet.

Lika Nüssli, Dario Forlin: Es braucht Mut. Appenzeller Verlag, 76 S., Fr. 25.–

Lika Nüssli bringt Pariser Brunnen zum Fliessen

Im Nextex stellen sechs Kunstschaffende aus, die in den letzten Jahren in Paris einen Atelieraufenthalt verbringen durften. Im August zurückgekehrt ist Lika Nüssli. Sie erzählt von ihren Erfahrungen.
Christina Genova