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Die Architektur der Mohnkapseln

In echt blüht der Mohn vor seinem Haus bei Florenz. Auf der Leinwand sind Tobias Buchers Pflanzen in der Macelleria d'Arte zu sehen. In den Mohnkapseln sieht der Künstler alle Elemente klassischer Architektur vereint.
Roger Berhalter
Pflanzen-Porträts: Künstler Tobias Bucher beobachtet genau, wie sich die Form des Mohns entwickelt. (Bild: Urs Bucher)

Pflanzen-Porträts: Künstler Tobias Bucher beobachtet genau, wie sich die Form des Mohns entwickelt. (Bild: Urs Bucher)

Das Motiv wiederholt sich. Immer wieder eine Mohnkapsel auf einem dünnen Stiel. Mal in Braun- und Gelbtönen gemalt, mal grau und schwarz vor weissem Hintergrund. «Diese hier wirkt fast wie eine gotische Kathedrale», sagt Tobias Bucher und zeigt auf eine angeschnittene Kapsel, die ihr Inneres freigibt. Fast wie in einem alten Biologiebuch. Am Mohn faszinieren Bucher die Bezüge zur Architektur. Er sieht die Mohnkapsel nicht nur als Pflanze, sondern auch als Säule, auf der eine Sphäre thront. So finde er in der Mohnpflanze alle Elemente klassischer Architektur vereint, sagt Bucher, der in der Toscana aufgewachsen und in Trogen die Kantonsschule besucht hat.

Tagtäglich vor Augen

In der Macelleria d'Arte stellt der 44jährige Künstler mehrere Mohnbilder einander gegenüber. Kapsel um Kapsel hat er «porträtiert», einige davon hat er auch aus seiner toskanischen Heimat nach St. Gallen mitgebracht. Dort, vor seinem Haus, hat Bucher kürzlich ein grosses Mohnfeld gepflanzt, hatte die Blumen also monatelang täglich vor Augen. Bald begann er sich auch als Künstler für den Mohn zu interessieren und beobachtete, wie sich dessen Form entwickelte. Von der auffälligen roten Blüte zur grünen, prallen, saftigen Kapsel, dann allmählich vertrocknend und verhärtend, bis nur noch ein verdorrter, vom Regen geschwärzter Rest übrig bleibt. Das Mohnfeld verwandelte sich vom violett-roten Teppich zu einem trostlosen Flecken Erde. «Die schwarzen Kapseln mit ihren Kratern erinnern mich an eine Mondlandschaft», sagt Bucher.

Gerade Linien als Kontrast

In der Macelleria d'Arte gesellt sich zu den Mohnbildern auch ein Gemälde des Florenzer Bahnhofs. Tobias Bucher hat sich vom Perron inspirieren lassen, von dem aus er jeweils den Cisalpino Richtung Schweiz nimmt. Im perspektivisch gemalten Bild betont er Linien, Geraden und Kunstlicht und schafft einen grossen Kontrast zu den organischen Formen des Mohns. Bucher stellt die pflanzliche der menschlichen Architektur gegenüber. Einige Bilder der Ausstellung fallen auch aus dem Rahmen, wie der grün-gelbe Kürbis oder die gelben Ringelblumen. Ein bewusster Bruch mit den strengen Formen der Mohnbilder. Bucher: «Ich möchte nicht allzu wissenschaftlich wirken.»

Bis Ende Januar in der Macelleria d'Arte (Gartenstrasse 11), jeweils Di–Sa, 15–19 Uhr

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