Die Angst vor der «Verweiblichung»

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Christiane Florin: Der Weiberaufstand. Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen. Kösel, 176 S., Fr. 26.50

Um das heisse Eisen Frauenordination ist es in den vergangenen Jahren verdächtig still geworden in der katholischen Kirche. Nicht etwa, weil sich Frauen dem vorläufig letzten Wort in dieser Frage durch Papst Johannes Paul II. einsichtig gebeugt hätten, wendet Christiane Florin ein. Vielmehr sei der einstige Kampfgeist einer allgemeinen Gleichgültigkeit gegenüber der Amtskirche gewichen, nicht nur unter Frauen. Umso lauter erhebt die Radiojournalistin Florin, bis 2015 Leiterin der Beilage «Christ und Welt» bei der Wochenzeitung «Die Zeit», das Wort. Ihr Ton erinnert an die streitbare Uta Ranke-Heinemann in den 80er- und 90er-Jahren, was nicht immer der Sache dient. Verständlich wird die Polemik ihrer Streitschrift aber, wenn sie den gängigen Argumenten gegen die Weihe von Frauen auf den Zahn fühlt. Dass Frauen «etwas Wunderbares» seien, hört sich dabei wie blanker Hohn an. Nicht wunschgemäss wunderbar streut die Autorin noch einmal Salz in die Wunde. Ihr Buch versteht sie als «Lockerungsübung, die zu einer grundsätzlich neuen Haltung führt: Im Zweifel für die Ausgeschlossenen.»

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Thomas Frings: Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein. Herder, 176 S., Fr. 24.–

Wenn die Kirche nicht im Dorf bleibt

So sicher wie das Amen in der Kirche ist sie nicht mehr: die Zukunft vieler katholischer Pfarrgemeinden in Deutschland. Die Zahl an Gottesdienstbesuchern und an aktiven Mitgliedern geht zurück; immer weniger Seelsorger betreuen immer grössere Einheiten, so genannte «pastorale Räume» – doch mutige Schritte nach vorn bleiben aus; mit Beharrungsvermögen und Zweckoptimismus wurstelt man sich durch. Für Thomas Frings, drei Jahrzehnte lang Pfarrer in Münster und Umgebung, war im Februar 2016 die Schmerzgrenze erreicht. Er zog sich aus dem Dienst zurück ins Kloster und veröffentlichte das viel diskutierte Thesenpapier «Kurskorrektur». Den Spagat zwischen Anspruchsdenken an das «Serviceunternehmen Kirche» und wachsender Fremdheit mit ihrer Botschaft und ihren Riten beschreibt er hier noch einmal anschaulich. Zugleich plädiert er für neue, zeitgemässe Organisationsmodelle.

Bettina Kugler

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