Die Alt-Punker und ihre Liebe zur Ostschweiz

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Konzerte Die Toten Hosen sind ein Phänomen. Nicht nur ,dass da eine Gruppe über Fünfzigjähriger aus Düsseldorf seit 30 Jahren «gegen das Establishment» lärmt. Dank Festzelthits wie «Eisgekühlter Bommerlunder» und «Tage wie diese» verdienen sie dabei auch richtig gut.

«Die Toten Hosen sind eine der erfolgreichsten Rockbands im deutschsprachigen Raum», sagt Christoph Huber, Programmchef des Open Air St. Gallen. Die Hosen sind auch ein Garant für volle Hallen. 2012 sei ­jedes ihrer Konzert ausverkauft gewesen, sagt Huber. Kein Wunder hat er sie für diesen Sommer ganz zuoberst auf die Programmliste des Open Air St. Gallen gesetzt. Zum zweiten Mal seit 2012 sind Die Hosen damit die Headliner im Sittertobel. 2009 sorgten sie bereits in Jonschwil für Furore und eine zertrampelte Wiese. 2013 waren sie die erste Band, welche in der damaligen AFG-Arena ein Konzert bestritt – selbstredend wieder vor ausverkauften 27000 Rängen. Kurz: Keine andere internationale Band war in den letzten Jahren wohl so oft in der Ostschweiz zu Gast wie Die Hosen. «Die Toten Hosen sind authentisch, nicht abgehoben und unglaublich nahe und verbunden mit ihren Fans», sagt Huber. Das kommt nicht nur hier im Osten gut an. Obwohl seit Jahren in der Champions League des Stadionrocks angekommen, haben sich die fünf Düsseldorfer den Charme einer Punk-Band, die in der Dorfbeiz die Meute auf den versifften Tischen tanzen lässt, erhalten können.

Champagner-Punk und Fussballgesänge

«Konzerte der Toten Hosen sind vor allem Volksfeste. Keiner anderen Band gelingt der Spagat zwischen Altbier-Proletentum und Champagner-Punk, zwischen Fussballgesängen im Rockgewand und Punkrock-Hymnen so gekonnt wie den fünf ewigen Jungs», schrieb ein Musikkritiker dieser Zeitung nach ihrem Konzert 2009 in Jonschwil. «Sie haben es in ihrer Bandgeschichte geschafft, Generationen von Musikliebhabern zu verbinden und immer wieder Nachwuchs für ihre Fanbasis zu rekrutieren», sagt Christoph Huber.

Dass die Zeiten, als Campino & Co. im Proberaum Besuch vom Bundesgrenzschutz bekamen und Punkrock eine Irritation für die Gesellschaft war, längst vorbei sind, scheint weder die Band noch die Fans zu stören. «Wir sind Teil des Establishments, jeder Bürgermeister begrüsst uns und hält uns sein goldenes Buch unter die Nase», sagt Campino. Auch, dass ihre Hits heute an Hochzeiten und Wahlkampfveranstaltungen laufen, stört die einstigen Rebellen nicht (mehr).

Dass die Ostschweizer dereinst genug von den Hosen haben könnten und die fünf plötzlich vor leeren Rängen spielen, glaubt Huber nicht. Für ihn sei aber schon wichtig gewesen, dass die Band diesen Sommer ein neues Album ins Sittertobel mitbringt. Auch wenn die Fans vor allem gerne die alten Klassiker hören, braucht es auch neues Material. Auf «Laune der Natur» liefern Die Hosen dies reichlich und mit «Unter den Wolken» auch wieder ein Hit zum Mitsingen.

Katja Fischer De Santi

katja.fischer@tagblatt.ch