Die 14. «Arthur»-Kunstaktion hat sich das «Bädli» Hemberg ausgesucht: Zu sehen ist ein verspieltes Kunst-Sammelsurium.

Die Kunsthallen Toggenburg rufen mit ihrem neuen Projekt die «Freie Republik Bad Hemberg» aus. Fünfzig Kunstschaffende bespielen einen idyllischen, aber auch ein wenig düsteren Ort.

Martin Preisser
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Ein bisschen Rotlicht-Feeling: Inszeniertes Gasthauszimmer (Duo Linda Wunderlin und Dario Zeo)

Ein bisschen Rotlicht-Feeling: Inszeniertes Gasthauszimmer (Duo Linda Wunderlin und Dario Zeo)

Bild: Martin Preisser

Ganz leicht zu finden ist diese «Freie Republik» nicht. Man fährt durch Hemberg Richtung Nesslau bis zu einem Wohnwagen, dann geht's rechts hinüber zum alten Gasthaus Bad, das im Moment einen Pächter sucht. Im «Bädli» sind jetzt recht wild und ein wenig anarchisch neben- und miteinander 27 Kunstprojekte zu sehen, mit dem breit interpretierbaren Thema Freiheit. Fünfzig Kunstschaffende (auch aus den Sparten Musik und Theater) haben sich eine «Aufenthaltsgenehmigung» für die Freie Republik Bad Hemberg verschafft, Kunst (von nicht immer einheitlicher Qualität) mitgebracht oder dort entwickelt, in die Landschaft eingefügt oder das Gasthaus «Bädli» bespielt.

Vorne der «Süsswolkenhain» von Isabel Rohner, dahinter Manuela Langers benutzbares «Neubad»

Vorne der «Süsswolkenhain» von Isabel Rohner, dahinter Manuela Langers benutzbares «Neubad»

Bild: Martin Preisser

1931 gab es dort einen Doppelmord. Das Gelände wirkt ein wenig düster, aber wiederum genauso idyllisch. Niederschwellig soll der Zugang zu Kunst sein, auch für Wanderer, die hier vorbeikommen. So die Idee der Kunsthallen Toggenburg. Ein hübscher Übersichtsplan ist nicht digital, sondern liebevoll, fast kinderbuchmässig gemalt. Kunstschaffende aus der Region, aus dem Inland, aber auch bis von Berlin sind gekommen, wohnen teilweise im «Bädli» und haben sich auch vom Ort inspirieren lassen. Da kann man an Isabel Rohners «Süsswolkenhain» vorbeistapfen hoch zu Manuela Langers «Neubad», eine wirklich benutzbare Installation mit der letzten Zinkbadewanne des Bades Hemberg, aufgestellt auf der Lade eines Aebi TP-1000-Fahrzeugs. Historie des Ortes und die Ruhezonen-Idylle finden in dieser humorvollen Arbeit zusammen.

Hier kann man eigene Wünsche verbrennen

Das Wasser kommt aus dem Teich oberhalb des «Bädli». Auch er, der früher eine Sägerei mit Energie versorgte, wird bespielt: Mit poetischen Bojen von Doris Naef, oder dem schwimmend erhobenen Stinkefinger von Hans Thomann. «Knackiger und Co.» haben, wieder unten beim Gasthaus, einen Ofen gebaut. Frisches Knäckebrot für die Besucher wird da gebacken. Daneben eine Anordnung skurriler «wissenschaftlicher» Geräte, Versuchsanordnungen und Fantasiemaschinen. Die Wiler Künstlergruppe Ohm 41 hat da ihre Ideen zusammengetragen. Das weisse Vorzelt wirkt wie eine Corona-Teststation. Und in einem Ofen kann man gar seine eigenen Wünsche verbrennen.

«La Rencontre» des Künstlerduos Last (Nico Lazúla und Ruedi Staub).

«La Rencontre» des Künstlerduos Last (Nico Lazúla und Ruedi Staub).

Bild· Martin Preisser

Bekanntere Ostschweizer Namen wie Andy Guhl, Peter Dew oder Elisabeth Nembrini sind vertreten. Letztere hat die Fahnen der Freien Republik entworfen, mit den gleichen Sujets der Tapete des grossen Gasthaussaales. Dort sieht man, wo einer der Toten des Doppelmordes lag. Das Thurgauer «Theater Jetzt!» inszeniert diese düstere Geschichte im «Bädli». Ein wenig Abseits vom Tatort hat das Künstlerduo Last (Nico Lazúla und Ruedi Staub) ein Treffen der Delegierten der Freien Republik nachgestellt. Sieben Stoffpuppen, von engagiert bis gelangweilt, nehmen an der Sitzung teil.

Die neue 14. Kunstaktion (im Rahmen der Reihe «Arthur») lohnt einen Besuch des speziellen Ortes Bad Hemberg. Man darf umherschweifen und sich mal hier, mal dort, von der recht locker geordneten, nicht immer stringent zusammenhängenden, doch lustvollen und überraschenden Sammlung von Gegenwartskunst verführen lassen. Ein spezielles Musik- und Theaterprogramm lockt zusätzlich.

Bis 26.9., Bad Hemberg. lnfos: www.kunsthallen-toggenburg.ch