Die beiden St.Galler Mirko Kircher und Moritz Tobler sind die einzigen Ostschweizer an der Jungkunst

Als Künstlerduo Sonicdream zeigen sie ab heute an der Ausstellung Jungkunst in Winterthur ihre eigenwilligen Performances.

Judith Schuck
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Moritz Tobler und Mirko Kircher von Sonicdream. (Bild: PD)

Moritz Tobler und Mirko Kircher von Sonicdream. (Bild: PD)

Vor einer grossen weissen Leinwand liegt ein quadratischer schwarzer Teppich ausgebreitet. Er grenzt die Fläche für das Künstlerduo Sonicdream ab. Ein Sitzkissen vor einem Mischpult, rechts davon ein alter Bürostuhl. Auf dem Kissen macht es sich Moritz Tobler im Schneidersitz bequem, vom Stuhl aus betrachtet Mirko Kirchner die leere Leinwand. Hier, in der Halle 53 auf dem Sulzer-Areal, werden die beiden St.Galler gleich mit ihrer Performance starten.

Seit drei Jahren im Duo

Mirko Kirchner und Moritz Tobler (im Schneidersitz) in Aktion. Bild: PD

Mirko Kirchner und Moritz Tobler (im Schneidersitz) in Aktion. Bild: PD

Sonicdream sind die einzigen Ostschweizer Künstler, die es dieses Jahr auf die Jungkunst geschafft haben. Vor drei Jahren starteten sie ihre Zusammenarbeit als Duo. Dass sie dieses Jahr in Winterthur vertreten sind, finden sie grossartig. Das sei bisher eindeutig ihr grösster Auftritt. «Der Raum ist das perfekte Setting», sagt Kirchner, der bei Sonicdream für das Visuelle zuständig ist. Die alte Fabrikhalle im Sulzer-Areal versetze einen zurück in die Zeit, als hier noch Industriearbeiter am Werk waren. Soundkünstler Moritz Tobler ist begeistert von der Interaktion zwischen Musik und Raum:

«Während der Performance höre ich, wie die Handwerker hämmern, klopfen und kratzen. Man kann sich um Jahre zurückbeamen.»

Jungkunst erreicht nationalen Bekanntheitsgrad

Von heute Donnerstag bis Sonntag findet die Ausstellung Jungkunst in Winterthur zum 13. Mal statt. Von über 220 Bewerbungen hat sich die 40-köpfige Jury für 40 Kunstschaffende entschieden. Dass dieses Jahr besonders die Westschweiz vertreten ist, erklärt Kuratorin Karin Baumhoff damit, dass sich das viertägige Kunstfestival zu einem nationalen Event entwickelt habe. «Diesen Bekanntheitsgrad hat sich die Jungkunst über die Jahre erst erarbeitet.»
Auf der anderen Seite seien die Kunsthochschulen in der Romandie stark. «Vor allem Malerei und Performancekunst sind in der Schweiz im Kommen.» Dies spiegelt sich in den ausgestellten Werken wider. Auch mit dem Mix von Medien und Materialien beschäftigen sich die jungen Künstler. So möchte beispielsweise der Winterthurer Luca Harlacher in seinen Assemblagen aufzeigen, wie man mit Reizüberflutung umgehen kann. (jsu)
www.jungkunst.ch

In diese Atmosphäre tauchen bald auch die Zuschauer ein. Kirchner und Tobler erzeugen die Musik gemeinsam, denn hinter der Leinwand ist ein Kontaktmikrofon angebracht. Die Geräusche, die Kirchner mit Grafit und Kohle auf dem rauen Leinen erzeugt, verarbeitet ­Tobler am Mischpult. Sind die Töne sanft und meditativ, malt Kirchner mit wenig Kraft und grossen, ausschweifenden Bewegungen. Wird Tobler lauter und stakkatohaft, kritzelt Kirchner mit hohem Energieeinsatz tiefschwarze Zacken auf die ­Fläche.

Beeinflussen, was im Moment entsteht

Die beiden arbeiten hoch konzentriert und beeinflussen gegenseitig, was im Moment entsteht. «Die Dramaturgie basiert extrem darauf, was ich von Mirko bekomme und was er von mir bekommt», sagt Tobler. Ihre Performance sei ein Dialog zwischen Malerei und Musik.