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Ausstellung im Akku Emmen: Dialog über Raum- und Zeitgrenzen hinweg

Im Akku Emmen begegnen sich unter dem Titel «Ein eigenes Zimmer» zwei Künstlerinnen unterschiedlicher Generationen: Irma Ineichen und Maude Léonard-Contant treten gemeinsam und doch je eigenständig in einer stimmungsvoll komponierten Doppelschau auf.
Deborah Keller
Irma Ineichen: Zimmer mit Stiege zum Estrich (2010). (Bilder: PD)

Irma Ineichen: Zimmer mit Stiege zum Estrich (2010). (Bilder: PD)

Platzfragen sind immer entscheidende Fragen – sei es etwa in der globalen Flüchtlingspolitik oder in der privaten Beziehung. Auch für die Kreativität ist der zur Entfaltung verfügbare Raum essenziell, ein Umstand, den die grosse, britische Autorin Virginia Woolf vor knapp 100 Jahren auf den Punkt brachte: Sie hielt fest, dass es in den damaligen sozialen Rollenmustern für eine Frau unmöglich war, als Schriftstellerin erfolgreich zu sein, weil ihr als wichtigste Grundlage ein eigenes Zimmer – also ein Rückzugsort – genauso verwehrt blieb wie eigenes Geld.

«A Room of One’s Own», zu Deutsch «Ein eigenes Zimmer», wurde in den 1960er-/70er-Jahren zu einem zentralen Text für die Frauenbewegung. Heute nun ist sein deutscher Titel namensgebend geworden für eine Doppelausstellung im Akku Emmen.

Symbolhaft aufgeladene Bild- und Formensprache

Ein feministische Motivation stand aber keineswegs am Anfang dieses Projekts, das die in Luzern gut bekannte Irma Ineichen (*1929) und die in Basel ansässige, gebürtige Kanadierin Maude Léonard-Contant (*1979) vereint. Vielmehr liess sich Kuratorin Lena Friedli von der Feststellung leiten, dass bei den zwei Künstlerinnen aus so unterschiedlichen Generationen einiges korrespondiert: Beide übersetzen physisch Vorhandenes oder Erlebtes in eine symbolhaft aufgeladene Bild- und Formensprache – wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise.

Zudem sind die Gemälde von Ineichen und die Gouachen und Objekte von Léonard-Contant in ähnlichen «Farbräumen» angesiedelt. Dass die Künstlerinnen seit einer Zusammenarbeit bei Edizioni Periferia 2015 befreundet sind, war ein weiteres gutes Omen für die geplante Doppelschau, die – wie schnell klar war – dialogisch aufgebaut sein und doch jedes Œuvre eigenständig präsentieren sollte. Der Essay-Titel von Virginia Woolf, die beide Künstlerinnen sehr schätzen, schien diese Ausgangslage passend zu fassen.

Und wie stellt sich «Ein eigenes Zimmer» nun dem Publikum dar? Als wohlkomponierte, atmosphärische «Landschaft». Die Weite des Ausstellungsraums ist durch mehrere, schmal hochformatige Stellwände rhythmisiert, die vom Treppenaufgang her gesehen je ein Gemälde mit immer ähnlichem Interieur-Motiv zeigen: Eine offene Tür oder ein Raumdurchgang, der rechts am Bildrand anstösst, während an der Wand links davon eine quadratische Malerei angedeutet ist.

Der Werkzyklus stammt mehrheitlich aus den Jahren 2017/18 und ist unverkennbar Irma Ineichen zuzuordnen, in deren Schaffen das Interieur seit den 1950er-Jahren einen zentralen Stellenwert hat. Ihre fast durchweg menschenleeren Räume sind gemalte Erinnerungsbilder, die mit ihrem melancholisch introspektiven Charakter die existenzielle Dimension von Räumlichkeit anklingen lassen. Nicht minder nachdenklich zeigt sich Ineichen in ihren stilisiert ruhigen Seelandschaften, von denen eine Auswahl die lange Rückwand im Akku einnimmt.

Kleine Wandskulpturen

Das bildnerische und skulpturale Schaffen von Maude Léonard-Contant ist von zwei Elementen geprägt: der Befragung von effektiven und sinnbildlichen Materialeigenheiten und der Auseinandersetzung mit Sprachsystemen und Zeichen – auch eine Art Material. Sie übersetzt Symbole aus der Wettervorhersage in kleine Wandskulpturen, die zusammen mit Ineichens Landschaften einen harmonischen, visuellen Klang erzeugen.

Maude Léonard-Contant: ohne Titel.

Maude Léonard-Contant: ohne Titel.

Am Ende der Halle angelangt, offenbart sich der Sinn der Stellwände: Ihre Rückseiten sind mit zartfarbenem Leinentuch bespannt, auf dem je eine kleine Gouache von Léonard-Contant hängt. Der Raum wird von dieser Position aus gesehen nun also von ihr dominiert, die zudem mit Skulpturen am Eingang und einer betörend vieldeutigen Installation im Kabinettraum ihr feinsinniges Gespür für Stofflichkeiten und Formen beweist.

Die Ausstellung als Ganzes macht Freude mit ihren sinnlich rätselhaften und doch vertraut anmutenden Bildwelten, und auch wegen des genialen räumlichen Kniffs, mit dem die zwei Positionen einander gegenübergestellt werden. Man würde sich wünschen, dass ein solches Miteinander bei gleichzeitiger Selbstentfaltung auch in anderen – globalen und privaten – Platzfragen greift.

«Irma Ineichen und Maude Léonard-Contant: Ein eigenes Zimmer», Ausstellung bis 8. Juli 2018.

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