Fall Gurlitt
Desaster bei der Gurlitt-Forschung: Neue Task Force bald im Einsatz

Ende Jahr läuft das Mandat der aktuellen Gurlitt-TaskForce aus. Resultate gibt es wenige, dafür viel Kritik - es ist die Rede von einer «Blamage». Entsprechend soll ab Janur 2016 eine neue Arbeitsgruppe eingesetzt werden.

Sabine Altorfer
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Die Geschichte der unter Raubkunstverdacht stehenden Sammlung von Cornelius Gurlitt (1932-2014) kommt in Berlin auf die Bühne (Archiv).

Die Geschichte der unter Raubkunstverdacht stehenden Sammlung von Cornelius Gurlitt (1932-2014) kommt in Berlin auf die Bühne (Archiv).

/EPA/BARBARA GINDL

Der Titel in der «Süddeutschen Zeitung» von gestern ist deutlich: «Die Blamage» titelt das renommierte Blatt. Nach zwei Jahren habe die Gurlitt-TaskForce «fast nichts gefunden».

Und nach Ablauf des Mandats Ende 2015 «versandet die Aufklärung des grössten deutschen Raubkunstskandals». Nur vier der 1500 Werke aus dem Gurlitt-Erbe hat die Taskforce als Raubkunst identifiziert.

Je ein Werk von Matisse, Beckmann, Spitzweg und zuletzt noch Camille Pissaros «La Seine vue de Pont neuf» von 1902.

Gestern Mittwoch musste die Vorsitzende der Task-Force, Ingeborg Berggreen-Merkel, vor dem bayrischen Landtag Rechenschaft ablegen. Die Politiker befürchten, dass der Freistaat im Fall Gurlitt wieder eine schlechte Falle macht.

Angefangen hat das bayrische Desaster mit der Staatsanwaltschaft Augsburg, die Cornelius Gurlitt wegen Steuerhinterziehung im Visier hatte und seine Sammlung ohne Information an mögliche legale Vorbesitzer unter Verschluss hielt.

Danach wurde restlose Aufklärung versprochen. Doch eben: Alles ging schleppend, so schleppend, dass nun Mitarbeiter der Task-Force anonym gegenüber der «Süddeutschen» Vorwürfe erheben: In jedem Auktionshaus könne man Provenienzen innert einiger Tage klären, bei der Task-Force aber dominiere Bürokratie die Forschung.

Ab 2016 soll die Arbeit der Task-Force vom neu geschaffenen Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste Magdeburg fortgesetzt werden. Doch dort sei noch gar nichts bereit, weiss die «Süddeutsche».

Kunstmuseum Bern im Umbruch

Unverständlich für die Fachleute ist auch warum Berggreen-Merkel jeden Kontakt mit der Familie gescheut und nur beim Nachlassverwalter Informationen eingeholt habe.

Wobei anzumerken ist, dass die Familie in einem weiteren Rechtsstreit Partei ist: Gurlitts Cousine hat das Testament zugunsten des Kunstmuseums Bern angefochten. Aber auch dieses Urteil lässt auf sich warten – mindestens noch bis Januar.

Konstanz trotz internem Umbruch signalisiert derweil das Kunstmuseum Bern: Direktor Mathias Frehner ist ab März 2016 nicht mehr Direktor.

Aber er bleibt auch nach der (administrativen) Fusion von Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee für den Fall Gurlitt zuständig.

Den neuen «Superdirektor» der vereinigten Flaggschiffe soll eine Findungskommission bis März 2016 nennen.

Ob der zukünftige Direktor die Gurlitt-Sammlung einst als erster präsentieren kann, ist aber offen.

Die deutsche Kultusministerin Monika Grütters möchte die schlagzeilenträchtige Schau bereits 2016 – in Bonn, nicht in Bern.

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