Des deutschen Kaisers Wilhelm II. letzte Bleibe

Am Ende war der Kaiser ein Holzfäller.

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Kaiser Wilhelm II., 1859–1941. (Bild: ap)

Kaiser Wilhelm II., 1859–1941. (Bild: ap)

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte der letzte deutsche Kaiser hauptsächlich damit, Rosen zu züchten, Bäume zu fällen und Holz zu hacken. Schon im ersten Jahr nachdem Kaiser Wilhelm II. nach Ende des Ersten Weltkrieges 1918 von Königin Wilhelmina in den Niederlanden Asyl erhalten hatte, soll Kaiser Wilhelm auf seinem Landsitz Haus Doorn bei Utrecht in seinem 35 Hektar grossen Wald rund 11 000 Bäume gefällt, zersägt und zerhackt haben, heisst es.

Wilhelms Altersruhesitz

Das Schloss Haus Doorn war der Altersruhesitz des Kaisers, der vom belgischen Kurort Spa kommend in das im Ersten Weltkrieg neutrale Holland geflüchtet war, weil er in eine deutsche Republik nicht zurückkehren mochte – und weil ihn die Sieger des Ersten Weltkrieges als Kriegsverbrecher vor Gericht stellen wollten.

Nach seinem Tod 1941 wurde Wilhelm II. im Schloss Haus Doorn in einem Mausoleum beigesetzt. Das Haus wurde zu einem Museum, das einiges zu bieten hat. Denn der letzte deutsche Kaiser liess grosse Teile seines Privatbesitzes per Zug in die Niederlande bringen. 59 Güterwagen voll mit Möbeln, Kunstwerken, Geschirr und Gemälden, einer Bibliothek von 7000 Büchern und vieles mehr fanden so ihren Weg aus den 70 Schlössern, die Kaiser Wilhelm einst in Deutschland besessen hatte, in die Niederlande.

Diese kaiserlichen Gegenstände ziehen denn auch viele Besucher an, besonders aus Deutschland. Mehr als 25 000 Menschen kommen jährlich, um mit eigenen Augen zu sehen, wie der letzte deutsche Kaiser residierte.

Dem Museum droht das Aus

Nun droht dem Altersruhesitz von Kaiser Wilhelm II. und dem Museum Haus Doorn im kommenden Jahr das Aus, weil die Haager Regierung die Subventionen rigoros zusammenstreichen will. Anstatt wie bisher 400 000 Euro soll die Museumsverwaltung von Haus Doorn künftig jährlich nur noch maximal 200 000 vom holländischen Staat erhalten. Das Museum sei aus kulturhistorischer Sicht der Niederlande nicht erhaltungswürdig und stelle kein originär niederländisches Kulturerbe dar.

«Mit 200 000 Euro können wir wahrscheinlich das Schloss und die sich darin befindliche Sammlung erhalten, aber Haus Doorn nicht mehr als Museum für das Publikum öffnen und betreiben», stellt Museumsdirektor Herman Sietsma fest, der mit seinen 130 ehrenamtlichen Mitarbeitern die Schliessung fürchtet.

Doch nun wächst die Kritik an den Kürzungsplänen der Haager Regierung im Kultursektor. «Haus Doorn verkörpert eine essenzielle Periode in unserer nationalen Geschichte – nämlich die Periode der Neutralität im Ersten Weltkrieg. Deshalb hat doch Wilhelm II. die Niederlande als Ort seines Asyls gewählt», stellt der Kulturhistoriker Thomas van der Dunk in einem Kommentar in der Zeitung «de Volkskrant» fest.

Vier Imperien gingen unter

«Ausserdem: Wilhelm II. symbolisiert die pompöse Monarchie zum Ende des 19. Jahrhunderts und deren Untergang. Vier Imperien gingen unter, das der Hohenzollern, das der Habsburger, das der Romanovs sowie das Ottomanische Reich der Sultane. Es ist doch schon etwas Besonders, dass man in Haus Doorn noch heute sehen kann, wie ein ehemaliger Kaiser seine letzten Lebensjahre vorwiegend als Holzfäller zubrachte.»

Doch die neue Staatssekretärin für Kunst und Kultur, die Sozialdemokratin Jet Bussemaker, will hart bleiben. «Wir müssen den Kunst- und Kultursektor wachrütteln», lautet ihr Motto. Ausser Haus Doorn werden 2013 voraussichtlich weitere wichtige niederländische Museum ihre Türen für das Publikum schliessen müssen, darunter das sehenswerte Geldmuseum in Utrecht und das 651 Jahre alte Schloss Loevestein bei Gorinchem. Helmut Hetzel

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