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Derwische, Hexen und Demonstranten

Rupa & The April Fishes ziehen auf dem Kulturfestival St. Gallen alle Register ihrer multinationalen Biographie. Englisch, Französisch und Spanisch besingt sie den Menschen im Spannungsfeld zwischen Liebe, Leid und grosser Politik. Und bedankt sich ausdrücklich bei Edward Snowden.
Valeria Heintges
Rupa von Rupa & The April Fishes auf dem Kulturfestival St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Rupa von Rupa & The April Fishes auf dem Kulturfestival St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. Rupa Marya war Kind in Indien, Jugendliche in Frankreich und Medizinstudentin in Amerika. Um sich das Studium zu finanzieren, begann sie Musik zu machen. Heute, drei Alben und viele Konzerte später, sind Rupa & The April Fishes so bekannt, dass die Freunde guter Weltmusik am Mittwochabend locker den Innenhof des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen füllen konnten.

Rupa ist immer noch Ärztin und Sängerin. Vielleicht bringt sie wegen dieser doppelten Belastung – dreifachen, wenn man den Säugling mitzählt, den der Vater hinterm CD-Verkaufstisch spazierentrug – weder ein gigantisches Bühnenkonzept noch eine ausgefeilte Lichtregie für ihre Liveauftritte mit.

Im kurzen Kleid mit Notenlinienmuster und roten Herzen darauf tritt Rupa Marya auf, nimmt eine ihrer Gitarren – wahlweise elektrisch oder nicht – und singt: «I'm on my way». Diese Zeile aus «Build», dem Titelsong ihres aktuellen Albums, gibt sie mit dieser Mischung aus Energie, Sensibilität, Selbstvertrauen und Zartheit, die sie auszeichnet. Rupas Stimme wechselt zwischen gehaucht und wunderbar verrucht – und allen Nuancen dazwischen.

Der rasende, sterbende Narr

Die April Fishes, die «poissons d'avril», sind die französische Variante des Aprilscherzes. Der Witz ihres Namens zieht sich durch das ganze Programm: «Soy payaso», ich bin ein Narr, ein Possenreisser, erinnert an Klezmer. Der Rhythmus kommt immer schneller, bricht dann abrupt ab, schleppt sich, erstirbt fast. Dann rappelt er sich wieder auf, wird schneller und schneller, bis er wie ein wildgewordener Derwisch herumrast, nur um danach endgültig zusammenzubrechen.

In Stücken wie diesen zeigt sich, wie gekonnt die Musiker zusammenspielen, wie sie sich gegenseitig Raum geben, für jazzartige Soli von Aaron Kierbel am Schlagzeug, Sofa Shokrai an den Keyboards und vor allem Misha Khalikulov am Cello und Mario Alberto Silva an der Trompete. Zusammen mixen sie die Musikstile wie die Hexen die Kräuter in der Küche: In beinahe jedem Lied ein Rhythmenwechsel, Texte in Französisch, Englisch, Spanisch. Französischer Chanson ist zu erkennen, spanischer Flamenco, auch mal ein Mambo oder Mariachi-Gebläse. Dazu Indierock und Punk, Reggae, ein bisschen Zigeunermusik und die leicht quäkenden Klänge der indischen Duduk-Flöte.

Purismus und Politik

Doch all die Gute-Laune-Musik sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Rupa & The April Fishes dezidierte politische Meinungen äussern. Das Album «Este Mundo» widmet sich dem Schicksal von Migranten, «Build» arbeitet mit Tonaufnahmen von Demonstrationen in Athen, Kairo und Palästina. Und bei jedem Auftritt der Tour lässt Rupa Marya das Publikum «Thank you Edward Snowden» rufen, weil der sich gegen die NSA gewehrt habe. Purismus und Politik statt grosser Gesten und Gerätschaften – das Publikum genoss diese Entscheidung offensichtlich.

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