Der Widnauer Filmemacher Lasse Linder: «Ohne Filmförderung ginge es nicht»

Sein mehrfach ausgezeichneter Kurzfilm ist zum ersten Mal in St.Gallen zu sehen – im Rahmen der Preisverleihung der kantonalen Filmförderung im Kinok.

David Grob
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Lasse Linder, Regisseur des Kurzfilms «Nachts sind alle Katzen grau», in den Reihen des Zürcher Kinos Kosmos.

Lasse Linder, Regisseur des Kurzfilms «Nachts sind alle Katzen grau», in den Reihen des Zürcher Kinos Kosmos.

Bild: Hanspeter Schiess

Der Weg zum fertigen Film ist lang. Und er führt immer auch über Fördergelder. «Ohne die Unterstützung der Filmförderung ginge es nicht», sagt Lasse Linder, 25, Filmemacher aus dem Rheintal, wohnhaft in Zürich. Heute Abend tritt er als Gast bei der Preisverleihung des Treatment-Wettbewerbs im Studiokino Kinok auf, mit dem die Filmförderung des Kantons St.Gallen originelle und vielversprechende Drehbuchvorlagen – sogenannte Treatments – mit 15000 Franken (siehe Kasten) unterstützt. Lasse Linder ist aber kein Preisträger, sondern zeigt seinen Kurzfilm «Nachts sind alle Katzen grau», der eingeschlagen hat in der Filmszene. Und doch ist die Preisverleihung für Linder auch eine Plattform.

Linder, schmaler Oberlippenbart, Hornbrille, das gemusterte Retro-Hemd modisch in die Hochwasserhose gesteckt, sitzt im Restaurant des Zürcher Kinos Kosmos. Es ist 9 Uhr morgens, er bestellt einen kleinen Marktsalat und einen Ingwertee. Er fühle sich etwas grippig, ­verrät er, und wolle fit werden. Morgen Donnerstag, nach der Preisverleihung im Kinok, reist Linder nach Serbien. Ans «Kustendorf», ein internationales Film- und Musikfestival des serbischen Regisseurs Emir Kusturica. Der Grund: «Nachts sind alle Katzen grau» läuft im Wettbewerbsprogramm.

Preisverleihung

Zum zweiten Mal führt die Filmförderung des Kantons St. Gallen den Treatment-Wettbewerb durch. Damit sollen Drehbuchvorlagen – sogenannte Treatments – unterstützt werden. Die Vorgabe: Themen, die ein bedeutendes st.-gallisches Thema behandeln oder im Kanton spielen. Am 15.1.20, um 19 Uhr, werden im «Kinok» die vier Preisträger bekannt gegeben. (dar)

Ein Mann, zwei Katzen und die Einsamkeit

Der 18-minütige Dokumentarfilm ist Linders Abschlussarbeit seines Filmstudiums an der Hochschule Luzern (HSLU). Darin porträtiert er einen 48-jährigen Bregenzer, dessen zwei Katzen und seine Einsamkeit. In langen Einstellungen. Statisch. Entlarvend. Wie in den Filmen seiner Vorbilder: des Österreichers Ulrich Seidl oder des Schweden Ruben Östlund. Und Linders Film warf hohe Wellen. Wurde am Filmfestival in Locarno mit einer speziellen Würdigung durch die Jury aus der Masse an Filmen herausgehoben. Es folgte eine globale Festivaltour. Toronto, St.Petersburg, Uppsala, Winterthur. Italien, Brasilien, Estland. Linder und sein Film gewannen Jurypreise und Publikumsauszeichnungen. 15 Festivals, sechs Auszeichnungen bislang.

Meistens reiste Linder mit seinem Film mit. Denn ein Festival ist immer auch Werbeplattform. Partys folgen auf Apéros, Man trinkt, tauscht sich aus, netzwerkt. Networking – für Linder eine lästige Pflicht. «Ich mag dieses Rumschäkern nicht.» Er versuche gute Gespräche zu führen. «Angetrunken wird es einfacher.» Er lernte so aber auch verschiedene Schweizer Produzentinnen und Produzenten kennen, denen er nun sein Dossier schicken will.

Dramen und Grotesken im Bünzligarten

Denn Linder sucht eine Produktionsfirma für seinen ersten langen Film, ebenfalls ein Dokumentarfilm. Mit realen Protagonisten in ihrem gewohnten Umfeld. Linder erklärt seine Idee. Schauplatz soll der kleinbürgerliche Garten sein – «politisches Sinnbild für Eigentum und Grenzen», wie Linder sagt. Er möchte mit seinem Film das Groteske und die kleinbürgerlichen Dramen aufzeigen. Beobachtend, still. Nun sucht er Geldgeber und eine Produktionsfirma. «Ich habe keine Erfahrungen mit Langfilmen.»

Für Linder ist die Preisverleihung eine weitere Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. An mögliche Fördergelder zu kommen. «Man verbindet meinen Namen dann mit einem Gesicht», sagt Linder, der sein neues Projekt auch der Filmförderung St.Gallen vorstellen möchte. Nicht zuletzt sichern Fördergelder einem Filmemacher auch schlicht das Überleben. «Man kann sich einen kleinen Lohn auszahlen und vom Filmemachen leben.» Dies wäre sein Ziel. Derzeit bezahlt Linder seine Rechnungen mit Gelegenheitsarbeit. Hier ein Schnittauftrag für SRF. Da ein kurzfristiger Einsatz als Beleuchter auf einem Filmset.