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Fabian Alder: Der Weinfelder in Wien

Theaterregisseur Fabian Alder («Blade Runner») kehrt nach Frauenfeld zurück und sagt, warum er Komödien über alles mag.
Dieter Langhart
Fabian Alder und Giuseppe Spina beim Bühnenbau in der Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld. (Bild: Dieter Langhart)

Fabian Alder und Giuseppe Spina beim Bühnenbau in der Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld. (Bild: Dieter Langhart)

Seine Wirkbiografie ist lang: In gar manchem deutschsprachigen Theater hat der Weinfelder Fabian Alder schon inszeniert, meist als freier Regisseur. Inzwischen ist der 38-Jährige in Wien gelandet – und fühlt sich da pudelwohl. Nach der Endzeit-Parodie «Blade Runner» (2016) inszeniert er in der Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld eine irische Komödie: Synges «Held der westlichen Welt».

Zu Theatermitgründer und Schauspieler Giuseppe Spina hat er gesagt: «Lies das mal.» Und Spina las mit Begeisterung. «Ein ganz schräges Stück mit schönen Liebesszenen und poetischen Bildern», sagt Fabian Alder während einer Probenpause, «amüsant und traurig.» Er freut sich, ein «volkstheatraliges» Stück mit vielen Darstellern und Livemusik zu inszenieren, und hat seinen Arbeitsschwerpunkt vorübergehend von Wien in den Thurgau verlegt. Der in Weinfelden Aufgewachsene sieht so seine Familie häufiger. Sommers reist er oft heim, auch wenn er da kaum mehr jemanden kennt. Alder sagt, er lebe gern in Wien, gehe oft ins Theater. «Die Stadt macht frei, aber auch einsamer.»

«Gescheite Unterhaltung mit Oops-Effekt»

Warum mag Fabian Alder solche Stücke? «Ich liebe Volkstheater mit einem Anspruch. Es entleert die Zuschauer nicht, es belehrt sie nicht – aber sie müssen merken, was es mit ihnen persönlich zu tun hat.» Er bezeichnet das als «gescheite Unterhaltung mit Oops-Effekt». Alder hat Peter Hacks’ Übersetzung für Bert Brechts Inszenierung am Schiffbauerdamm bearbeitet und «die recht schräge Kunstsprache» an Schweizer Verhältnisse angepasst. Warum? Damit die Tonalität, die Stimmung des Stücks, das im gälischen Westen Irlands spielt, weiterhin nach Provinz klingt, aber anders als die «Horváth’sche Reibung aus Künstlichkeit und Dialekt». Das Stück werde zum Glück nicht häufig inszeniert, das sei gut für ihn.

«Mir verleidet es, wenn wir ­erzogen werden sollen.»

Und was, wenn solch ein Stoff um einen angeblichen Vatermord durchfällt? In Alders Augen sagt eine Kritik häufig mehr über den Kritiker und gängige Moden, künstlerische wie gesellschaftliche, als über die Inszenierung. Alder will nicht die Zuschauer erziehen und schon gar nicht aktuelle politische ­Debatten verkrampft bedienen. «Mir verleidet es, wenn wir ­erzogen werden sollen. Man braucht etwas zum Thema Islam – alle spielen ‹Nathan›. Es gibt die neue Rechte in Europa – rasch holen sie ‹Biedermann› hervor und machen aus den Brandstiftern AfD-Anhänger.»

Seine Prämissen? Fabian Alder gibt keine voreiligen Antworten, die Hände begleiten seine Gedanken: «Ich will unterhaltsam sein, kunstvoll und sinnlich – und gescheit, ohne zu nerven.» Braucht es Kritiker? Er denkt wieder nach. «Ich glaube schon. Rezeption ist in jeder Kunstsparte wichtig.» Sammelt er Kritiken? «Nein!»

Was ist das Schönste an ­seiner Arbeit? «Die Unmittelbarkeit: Wir sehen etwas nur ­einmal, dann verschwindet es ­wieder. Dieser Austausch von Energie zwischen Bühne und Publikum.» Wie arbeitet Regisseur Alder? «Nicht basisdemokratisch und nicht diktatorisch.» Er lässt die Spieler, darunter vier Laien, viel ausprobieren. Dazu passt auch einer seiner Sätze: «Ich folge keinem Lebensplan, ich habe ein schönes Leben.»

Der Held der westlichen Welt
Premiere: Fr, 15.11., 20 Uhr, Theaterwerkstatt Gleis 5, Frauenfeld
Weitere Vorstellungen bis 8.12.
Infos und Reservation auf www.theaterwerkstatt.ch

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