«Der wahre König ist Dean Martin»

Michael Bublé erzählt von seiner eifersüchtigen Frau, seiner neuen CD «Nobody But Me» und seiner Stimmbandoperation.

Reinhold Hönle
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Michael Bublé Sänger (Bild: AP)

Michael Bublé Sänger (Bild: AP)

Der Titelsong Ihrer neuen CD ist ein Lied über die Eifersucht. Welche Rolle spielt diese in Ihrer Ehe?

Meine Frau ist ohne Zweifel eifersüchtiger als ich. Als Südamerikanerin hat sie einfach so etwas Heissblütiges. Luisana sagt immer: «Ich vertraue dir, aber ich vertraue den Frauen nicht!» Wenn ich erwidere, «Babe, ich bin verheiratet, ich trage einen Ring», kontert sie: «Weisst du, als ich jung war, hätte mich das nicht aufgehalten…» Zum Glück haben wir keine solchen Probleme. Die Songidee kam auch nicht von mir, sondern von meinem Trompeter Bryan Lipps.

Was bedeutet Ihnen die wunderschöne Ballade «On An Evening In Roma»?

Sie ist meinem grossen Idol Dean Martin gewidmet. Ich mochte seine Persönlichkeit, seine Stimme, seine natürliche Leichtigkeit sowie seine Begabung als Redner und Geschichtenerzähler. Es gab deshalb schon auf allen früheren Alben eine Hommage an ihn, darunter «Sway», «All I Do Is Dream Of You» und «You're Nobody ?Til Somebody Loves You».

Dean Martin liebe ich mehr als jeden anderen Sänger. Seine Tochter Deana erzählte mir, Elvis wäre oft auf seinem Fahrrad vorbeigekommen. Als sie sieben Jahre alt war, kam ihr Vater dazu und fragte, ob sie wisse, wer Elvis sei. Sie verneinte. «Natürlich weisst du das», sagte er. «Das ist der King!» Der schaute sie an und sagte: «Vielleicht nennen mich die Leute den «King», aber der wahre König ist dein Dad!»

Und Sie sind einer der Prinzen?

Nein, den Titel verdienen Michael Jackson und Prince. Ich bin wohl der Wäscherei-Junge!

Wie sind Sie an die Coverversion von «On An Evening In Roma» herangegangen?

Ich habe Christopher Walden engagiert, einen sehr guten jungen deutschen Arrangeur, der schon früher für mich arbeitete. Als wir über das Konzept sprachen, sagte ich, dass ich will, dass sich die Leute, die den Song im Auto hören, in eine Gondel, ein kleines Schiff versetzt fühlen – in so eine ultraromatische, kitschige, süsse, römische Stimmung…

Haben Sie mit Ihrer Frau solche Abende in Rom erlebt?

Allerdings, unsere beiden Kinder wurden dort gezeugt! 2012 drehte Luisana in Rom einen Film und als wir wieder zu Hause waren, merkte sie, dass sie mit unserem ersten Sohn Noah schwanger war. Als wir dort zweieinhalb Jahre später Urlaub machten, resultierte daraus Elias.

Wie kam es zu Ihrer ersten Zusammenarbeit mit einem Hip-Hop-Musiker?

Ich betrachte Hip-Hop als natürliche Weiterentwicklung des Jazz. Gerade heute, als ich im Fitnesscenter war, hörte ich Musik des jungen Louis Armstrong, wie der auf seiner Trompete improvisierte. Genau das macht auch Black Thought von The Roots. Er nutzt eine Vielzahl komplexer Noten und Rhythmusschemata, um seine Geschichte zu erzählen. Ich fand das absolut perfekt für den Song «Nobody But Me».

Was liegt Ihnen mehr am Herzen, Ihre Popsongs oder der Big Band Jazz?

Das ist eine einfache Entscheidung. Wenn man mich auf eine einsame Insel schicken würde und ich müsste mich für nur einen Stil entscheiden, wäre es ganz klar Jazz. Ich liebe das Great American Songbook, dessen Musikalität, die Melodien, den lyrischen Inhalt, die Romantik, die wunderbaren Sänger, das musikalische Können der Instrumentalisten, die sich nicht hinter Maschinen verstecken müssen. Ich benutze auch kein Autotune, bei dem der Song aus 100 Schnipseln zusammengefügt wird. Was man hört, ist einzig und allein, wie ich den Song singe.

Weshalb mussten Sie sich einer Stimmbandoperation unterziehen?

Ich habe gerne Parties gefeiert. Manchmal habe ich mir dabei auch erlaubt, ein wenig über die Stränge zu schlagen. Aber dann habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Für meinen Körper war das ein Schock. Die Umstellung hat sich auch an den Stimmbändern manifestiert. «Wollen Sie mir sagen, es wäre besser gewesen, weiter zu rauchen?», fragte ich meinen Arzt. «Nein, überhaupt nicht», beruhigte er mich, «denn sonst hätten Sie Krebs kriegen und daran sterben können.»

Michael Bublé: «Nobody But Me» (Warner Music), ab 21. Oktober im Handel.