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Landesstreik 1918: Der Unternehmer Zürn denkt sozial

Rorschach ist neben St.Gallen und St. Gallen und Rapperswil einer der Brennpunkte des Streiks im Kanton. Das Theaterprojekt «1918.ch» zeigt das mit dem Textilunternehmer Franz Zürn.
Rolf App
Soldaten bewachen während des Generalstreiks 1918 hinter verschlossenen Gittertürendas Bundeshaus in Bern. (Bild: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV RIA/Str)

Soldaten bewachen während des Generalstreiks 1918 hinter verschlossenen Gittertürendas Bundeshaus in Bern. (Bild: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV RIA/Str)

Der Historiker Max Lemmenmeier kennt die Geschichte des Landesstreiks gut. Er hat sie für eine im September erscheinende Publikation vertieft bearbeitet. Deshalb wirkt er nun als fachlicher Berater mit an einem jener kleinen Stücke, in denen Gruppen aus zwanzig Kantonen das Hauptspektakel zum Landesstreik in der alten Hauptwerkstätte Olten um regionale und thematische Facetten erweitern.

Regie führt Nelly Bütikofer, spielen wird Matthias Flückiger. «Sechs Minuten darf unser Auftritt dauern», erklärt Lemmenmeier. «Das ist nicht sehr lang. Das heisst: Wir mussten uns auf eine einzige Episode beschränken.»

700 Demonstrierende ziehen von Betrieb zu Betrieb

Aus langen Diskussionen hat sich herausgeschält: Es soll ein Ein-Personen-Stück sein, ergänzt um Videoprojektionen.

«Wir haben zuerst erwogen, die Geschichte als Rap zu präsentieren, das hat sich aber als schwierig er­wiesen.»

Einer wird deshalb am 22., 23. und 24. September beim St. Galler Gastspiel vorne stehen, und zwar als der Textilunternehmer Franz Zürn aus Rorschach. Sein Monolog ist zwar frei erfunden, aber sein Inhalt ist historisch gesichert.

Die Stadt am See ist neben St. Gallen und Rapperswil einer der Brennpunkte des Streiks im Kanton von 1918. Am Dienstagmorgen, dem 12. November, gehen in Rorschach Streikende in Scharen auf die Strasse. Ein imposanter Demonstrationszug von 700 Personen zieht von Betrieb zu Betrieb und erzwingt deren Schliessung. Was dabei geschieht, hat später das Bezirksamt minutiös untersucht, weshalb man auch so gut Bescheid weiss. «Acht Demonstrierende wurden wegen Nötigung an­geklagt, vier davon freigesprochen», erklärt der Historiker Lemmenmeier.

Franz Zürn ist mit Stickerei reich geworden

Viel passiert ist nicht. Mit der Feldmühle AG beugt sich Rorschachs wichtigster Industrie­betrieb und stellt den Betrieb ein. Beim Stickereigeschäft Zürn ergibt sich eine kuriose Situation. Denn, sagt Lemmenmeier, «Zürn hatte kurz zuvor den Acht-Stunden-Tag eingeführt und damit eine Kernforderung des Landesstreiks bereits erfüllt. Ausserdem hatte er die Teuerungszulagen ­erhöht und war dafür von der ­sozialdemokratischen «Volksstimme» ausdrücklich gelobt worden.» Franz Zürn spürt die soziale Unrast.

Aber Zürn kann es sich auch leisten, denn sein Unternehmen floriert. Wovon nicht zuletzt seine imposante Villa zeugt, in der ­heute eine Computerfirma ihren Sitz hat. Zürn beschäftigt fast ausschliesslich Frauen, eine von ­ihnen sagt, sie sei zufrieden mit dem Arbeitgeber. Dieser Arbeitgeber überlässt nun die Entscheidung seinen Arbeiterinnen. Die haben zwar Bedenken wegen des Lohnverlusts. Aber sie beugen sich doch dem Druck und schliessen sich dem landesweiten Streik an.

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