«Der Umgang mit der Vulva sollte normal werden»: St.Gallerin beschäftigt sich künstlerisch mit dem weiblichen Geschlechtsorgan

Einstehen für die Frauen, einstehen für die sozial schlechter Gestellten: Arion Gastpar engagiert sich auf vielfältige Weise. Am internationalen Tag der Frau lädt die St.Gallerin zu einem zeichnerischen Rundgang durch die Lokremise. 

Roger Berhalter
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«Frauen und Kinder auf der Flucht sind besonders verletzbar», sagt Arion Gastpar.

«Frauen und Kinder auf der Flucht sind besonders verletzbar», sagt Arion Gastpar.

Bild: Benjamin Manser

Ginge es nach ihr, würde in jeder Küche das Bild einer Vulva hängen. «Der Umgang mit der Vulva sollte normal werden. Sie sollte nicht nur im sexualisierten Zusammenhang vorkommen», sagt Arion Gastpar.

Die St.Gallerin beschäftigt sich künstlerisch mit dem weiblichen Geschlechtsorgan. Einmal nahm sie Gipsabdrücke verschiedener Vulven, einmal machte sie Abgüsse aus Latex. Die 30-Jährige zeigt auf eine Stickerei auf ihrer Jacke: Mit der Nähmaschine hat sie die Form einer Vulva auf den Stoff gestickt.

Banden gegen Rechts und Spenden für Flüchtlinge

Im vergangenen Jahr hat Arion Gastpar selber dafür gesorgt, dass in der einen oder anderen Küche Vulven hingen. Vor dem Frauenstreik im Juni legte das Kulturmagazin «Saiten» dem Heft ein Plakat bei, das Vulven in stilisierter Form zeigte. Eine grafische Arbeit von Gastpar, die gemeinsam mit dem queer-feministischen Kollektiv «Die Leiden der jungen Bertha» entstanden war.

Einstehen für sich selber, einstehen für die Frauen, einstehen für die sozial schlechter Gestellten: Das ist der umtriebigen St.Gallerin wichtig. Sie gehört zwar keiner Partei an, engagiert sich aber politisch. «Bildet Banden gegen Rechts» steht auf dem weissen Button auf ihrer Brust.

Mit Gleichgesinnten aus St.Gallen und Basel hat sie die Hilfsorganisation «aid hoc» gegründet, um Flüchtlingen in Nordgriechenland zu helfen. In jener Region also, die jetzt wieder im Fokus der Weltöffentlichkeit steht. Auch Arion Gastpar – ihr Vorname ist griechisch – hat dort schon Flüchtlingscamps besucht und Hilfsgüter verteilt:

«Die Situation vor Ort ist schlimm. Wir planen zur Zeit eine neue Kampagne mit der ‹Aktion solidarisches St.Gallen›, um Spenden zu sammeln.»

In einem Durchgangszentrum in Zürich ist Gastpar gerade dabei, gestalterische Workshops für asylsuchende Frauen aufzugleisen. Zusammen mit dem Jugendrotkreuz versucht sie herauszufinden, welche Bedürfnisse diese Frauen haben. «Frauen und Kinder auf der Flucht gelten als besonders verletzbar.»

Workshops im Textilmuseum

Bald wird die St.Gallerin nicht mehr nach Zürich pendeln. In ein paar Monaten endet ihre Zeit an der Zürcher Hochschule der Künste, wo sie ästhetische Bildung und Soziokultur studiert. Und dann? «Dann ist wieder einmal Lohnarbeit fällig», sagt die gelernte Bibliothekarin. Welchen Berufsweg sie einschlagen wird, weiss sie noch nicht.

Bei zwei St.Galler Museen hat sie aber schon den Fuss in die Tür gesetzt. Im Textilmuseum wird sie ab Mai Führungen und Workshops anbieten, und am Sonntag lädt sie im Auftrag des Kunstmuseums alle Interessierten ein, zeichnend durch die Lokremise zu spazieren. Eine Aktion zum internationalen Tag der Frau.

Gastpar nimmt einen Schluck aus ihrer Kaffeetasse. In Kolumbien habe sie sich einmal eine Kaffeebohne auf den Unterarm tätowieren lassen wollen. Lachend sagt sie: «Es wurde dann aber eine Schildkröte draus.»

8.3., 15 Uhr: Führung durch die Kunstzone der Lokremise (Ausstellung von Siobhán Hapaska),
anschliessend zeichnerischer Rundgang mit Arion Gastpar.

FREIWILLIGENARBEIT: Frisches Gemüse für Flüchtlinge

Beeindruckt von der Situation Asylsuchender in Griechenland, gründen junge St. Galler einen Hilfsverein. Dieser versorgt Flüchtlinge mit dem Nötigsten – und will verhindern, dass ihr Schicksal vergessen geht.
Adrian Lemmenmeier