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Der ultimative Duft der Lust

Was finden wir erotisch, was stimuliert unsere Phantasie und unsere Sinne? Eine Ausstellung in Winterthur geht diesen Fragen in Kunst und Design nach. Eine der Hauptrolle in unserem Liebesleben kommt aber den Düften zu.
Katja Fischer De Santi
Das Bedürfnis des Menschen, sich zu parfümieren, um für das andere Geschlecht attraktiver zu wirken, ist uralt. (Bild: getty)

Das Bedürfnis des Menschen, sich zu parfümieren, um für das andere Geschlecht attraktiver zu wirken, ist uralt. (Bild: getty)

Er will sie gefunden haben, die Zauberformel, der Duft der Düfte, der verführt, allen gefällt, alles gefallen macht. Molecules 01 hat der Berliner Parfumeur Geza Schön seine Kreation getauft. Was passt, das Parfum besteht aus einem einzigen Duftstoff, dem synthetischen Iso E Super. Eine Nachahmung der menschlichen Pheromone. Lockstoffe also, die sich auf jeder Haut anders entfalten, deren Wirkung man sich aber scheinbar nicht entziehen kann. Obwohl es Molecules 01 nur in ausgewählten Läden gibt, und obwohl Chemiker und Wissenschafter längst belegt haben, dass auch Iso E Super kein Wunderelixier ist, wurde Geza Schön damit berühmt und reich.

Der kürzeste Weg ins Gehirn

Die Suche nach neuen, verführerischen Düften hält eine Milliardenindustrie am Leben. Nur folgerichtig, dass die aktuelle Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur, die sich der wundersamen Formen der Erotik in Mode, Design und Kunst annimmt (siehe Kasten), auch von Düften und Parfums handelt.

Denn, wenn sich Menschen verlieben, führen meist die Düfte unsichtbare Regie. Der Weg durch die Nase, ist der kürzeste Weg ins Gehirn, zu unseren Erinnerungen und zu unserer Lust. Doch warum riecht Leder verführerisch, was haben Ambra oder Moschus an sich, dass sie in keinem «erotischen» Parfum fehlen? Diese Fragen beantwortet in der kleinen Sonderschau «Der Duft der Materialien» Andreas Wilhelm, seines Zeichens Parfumeur in Zürich und Dubai.

Gesund und sexuell aktiv

Bereits unsere Vorfahren hätten versucht gut zu riechen, erzählt der Duftexperte. Denn wer gut riecht, signalisiert, dass er gesund, stark und sexuell aktiv ist. Um etwas von der Stärke und Wildheit der Tiere auf sich zu übertragen, rieben sich wohl schon Steinzeitmenschen mit den Gerüchen ihrer Beute ein.

Wenig verwunderlich, dass die als besonders «erotisch» bekannten Duftstoffe wie Ambra tierischen Ursprungs sind. Ambra etwa ist das zähflüssige, erbrochene Magensekret des Pottwals. Frisch riecht die Ambra äusserst unangenehm. «Erst durch jahrzehntelanges Treiben im Meer entstehe Ambrox, das riechende Prinzip der Ambra», erklärt Wilhelm.

Auch Moschus, ein Duft der in der Parfumerie wegen seiner menschlich-animalischen Komponente und leicht aphrodisischer Wirkung beliebt ist, ist tierischen Ursprungs. Früher wurde er aus der Geschlechtsdrüse des Moschushirsches gewonnen. Heute sind diese Hirsche geschützt, und der Duft wird synthetisch hergestellt.

Der Geruch von Kondomen

Für Andreas Wilhelm ist es bezeichnend, dass viele Düfte, welche mit Erotik und Sinnlichkeit spielen, auch eine beissende, unangenehme Komponente enthalten. So werde etwa der etwas strenge Moschus, der nicht bei allen Leuten gut ankomme, in vielen Parfums als sogenannter «Hook» (Haken) verwendet, der die Duftkreation erst interessant mache.

Neuartige solche «Hooks» sind Latexnoten. «Diese werden in der Parfumerie gerne verwendet, um ein wenig zu schockieren», erklärt Wilhelm. Zuerst kaum wahrnehmbar, erinnere ihre süssliche Note allmählich an Kondome. «Ein sehr direkter Bezug zu Sex, zu finden etwa bei <French Kiss> von Guerlain.»

Lockmittel und Botenstoff

Dass das, was wir erotisch anziehend finden, nicht unbedingt gut duften muss, wissen Wissenschafter schon lange. Der Essenz der Erotik am nächsten kommt unser Schweiss, unser Körpergeruch. Er fungiert als Lockmittel und vermittelt unserem Gegenüber olfaktorisch diverse Informationen. Sogar ob man jemanden schön findet oder nicht, lässt sich an seinem Körpergeruch erschnüffeln. Eine deutsche Forscherin liess männliche Probanden an T-Shirts riechen, welche verschiedene Frauen vier Nächte getragen hatten. Praktisch ohne Ausnahme fanden die Männer den Duft jenes T-Shirts am verlockendsten, welches der von ihnen als am attraktivsten eingestuften Frau der Testreihe gehörte.

Umgekehrt funktionierte der Test übrigens nicht. Frauen empfinden den männlichen Körpergeruch schnell als beissend oder gar «urinartig» und können keine eindeutige Zuordnung zwischen Duft und Attraktivität herstellen.

Für andere, nicht für sich selbst

Je nach Kulturkreis sind die Vorlieben für Düfte aber wieder anders gelagert, dies erfährt man auch in der Düfte-Ausstellung. So parfümiert man sich im Orient für die anderen und nicht wie in Europa für sich selber. «Was vor allem mit den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen zusammenhängt. Bei 30 Grad am Schatten entwickeln sich schlechte Gerüche rasend schnell, das Bedürfnis diese zu überdecken, ist daher viel grösser als in kälteren Breitengraden», erklärt der Duftexperte.

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