Der Türöffner zum Französischen

Arno Renggli
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René Goscinny (1926–1977). (Bild: Getty Images/1974)

René Goscinny (1926–1977). (Bild: Getty Images/1974)

Goscinny Bekanntlich hat Französisch bei den meisten Schülerinnen und Schülern gegenüber dem Englischen einen schweren Stand. Das war schon damals so, als ich noch zur Schule ging, als es noch kein englischlastiges Internet gab, aber schon tolle Hollywoodfilme und viel englischsprachige Popmusik. Das war alles viel cooler als das Frankofone, zu dem wir kulturell kaum einen Bezug hatten.

Doch dann entdeckte ich den «kleinen Nick», oder eben «Le petit Nicholas», geschrieben von René Goscinny, kongenial illustriert von Sempé. Ich gebe zu, ich las die Abenteuer des einfallsreichen Lausbuben zuerst auf Deutsch. Aber dann fiel es mir mal auf Französisch in die Hände. Und ich war begeistert.

Trotz einer guten Übersetzung kommt der subversive Humor der Storys im Original auf noch filigran-elegantere Weise zum Tragen. Vermeintlich sind es Kindergeschichten, doch in ihnen spiegelt sich eine Erwachsenenwelt, die aus Kindersicht nur zu oft als absurd entlarvt wird. Gerade Papa und Mama von Nick versuchen stets, den Schein zu wahren. Und sind fast immer heillos überfordert.

Und dann gibt es wunderbare Nebenfiguren wie etwa den streitsüchtigen Nachbarn Bleder (original «Blédurt») oder den Hilfslehrer mit Spitznamen Hühnerbrüh («Le bouillon»). Dank René Goscinny, dem wir ja auch noch den Asterix verdanken (hier lohnt sich die Originallektüre ebenfalls!), lernte ich die französische Sprache lieben. Vor allem ihren Charme und ihren Witz.

Arno Renggli