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Der Tod? Ist in dieser Oper nur ein dummer Pantoffelheld

Regisseurin Tatjana Gürbaca inszeniert in Zürich Ligetis «Le Grand Macabre» als Kinderspiel und musste bei der Premiere unverhofft selber mitspielen. Auch sonst läuft einiges aus dem Ruder.
Anna Kardos
Oper Zürich - Le Grand Macabre - 2018/19© Herwig Brammer

Oper Zürich - Le Grand Macabre - 2018/19
© Herwig Brammer

Schwefelgrünes Licht, ein Haufen Frotteepantoffeln – hingeschleudert im Volkszorn – und mitten drin der Tod. Das muss die Hölle sein. Oder zumindest der Weltuntergang. Ist es aber nicht. Sehr zum Leidwesen des Todes, der über dräuenden Bassklängen gerade eine sich weigernde Erde beschwört, doch bitte unterzugehen. Wo sich die Erde aber weigert unterzugehen, ist der Tod bloss ein kleines Würmchen. Dumm gelaufen, das Ganze.

Er macht die Weltgeschichte zum Kalauer

Aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Davon handelt dieser grandiose Opernwitz von György Ligeti. Und wo ein Witz ist, da ist auch Menschliches, allzu Menschliches. Das wusste der Komponist, als er 1978 in seiner Oper die Weltgeschichte zum Kalauer machte – und unter anderem die Gestapo zu Gepopo.

Auf exakt dieser Achse spielerischer Unschuld ist die Inszenierung von Tatjana Gürbaca in Zürich angesiedelt. Bei ihr tragen die Figuren kindliche Züge – und dazu Pudelmützen, sowie auch mal einen pinken Homedress mit Orchideen-Print im Schritt. An diesem Abend trägt ihn allerdings die Regisseurin selbst.

Regisseurin selbst steht und tänzelt auf der Bühne

Denn wo bei Ligeti Weltuntergang draufsteht, ist auch Weltuntergang drin. Jedenfalls in Opern-Währung gerechnet, in der eine vergrippte Protagonistin (Judith Schmid) am Vortag der Premiere durchaus als Weltuntergang figuriert. Das Opernhaus hat es zwar geschafft, als Ersatz Sarah Alexandra Hudarew aus Guadeloupe einzufliegen. Spielen musste aber jemand, der die Inszenierung kennt. Bloss, wer?

So kam es, dass die 45-jährige Regisseurin an der Premiere mitsamt ihren Sängern auf der Bühne steht. Ach was, steht! Trippelt, tänzelt, sadismelt (sofern das die korrekte Verbform für schnuckligen Sadismus ist), dass es ein Vergnügen ist. Offenbar ein Vergnügen auch für die Sänger, die mit vollem Körper- und Stimmeinsatz ins Spiel einfallen. Allen voran Leigh Melrose, der als Nekrotzar den Abend auch alleine geschmissen hätte, so umwerfend gibt und singt er seinen Part: mal à la Freddie Mercury, mal sonor im tiefen Baritonregister.

Aber auch das übrige Ensemble sorgt dafür, dass für einmal nicht aus Spiel Ernst wird. Sondern umgekehrt: aus Ernst Spiel. Allerdings ein Spiel voller schillernder Andeutungen. Ähnlich jener in der Musik, welche die Hot Spots der Musikgeschichte von «Königin der Nacht» bis Cancan streift und dabei erst noch als Stimmungsmacher wirkt. Auch dank Dirigent Tito Ceccherini und der Philharmonia Zürich.

Sopranglanz und ein grosses Liebespaar

Sie lassen die hier eingesetzten Autohupen auch mal swingen und fassen die oft repetitiven Klänge in grosse Bögen. Genauso schön gelingt das dem kantablen Liebespaar Amando (Sinéad O’Kelly) und Amanda (Alina Adamski). Auch die eingesprungene Sarah Alexandra Hudarew als Mescalina vereint Sopranglanz mit stimmlicher Präsenz.

Und doch scheinen es die Gesangspartien in sich zu haben. Vielleicht deshalb verlegt sich Alexander Kaimbacher als sympathischer Piet auf durchgehendes Fortissimo. Oder Eir Inderhaug , David Hansen und Jens Larsen auf schiere Spielfreude, hinter der der Aspekt der Musik ein wenig verblasst. Möglich, dass Ligeti genau das beabsichtigt. Nicht zufällig hat der Komponist sein Werk «Anti-Anti-Oper» genannt. Und als solche vermag sie in Zürich einen Abend lang die grossen Menschheitsfragen souverän durch den Kakao zu ziehen

Aufführungen noch bis 2. März Opernhaus Zürich

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