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Theater: Der Teufel in der Churer Altstadt

Das Festival Origen traut sich was: Es macht aus dem Roman «Meister und Margarita» des russischen Autors Michail Bulgakow eine italienische Volkskomödie für laue Abende. Das Experiment gelingt.
Valeria Heintges
Die Akteure setzen punktgenau Mimik, Gestik und Akrobatik ein. (Bild: Alice Das Neves)

Die Akteure setzen punktgenau Mimik, Gestik und Akrobatik ein. (Bild: Alice Das Neves)

518 Seiten hat Michail Bulgakows Roman «Meister und Margarita» in der deutschen Übersetzung von Alexander Nitzberg. Es ist ein Meisterwerk, eine hochpolitische Gesellschaftssatire, ähnlich komplex wie Goethes «Faust», an das es sich deutlich anlehnt. Ein Drama um den Teufel, der als Magier Woland nach Moskau kommt, den Literaturclub aufmischt und Margaritas Seele kauft.

Und dieser Roman soll als Sommertheater, als italienische Commedia des Origen Festival Cultural gespielt werden, auf einer kleinen Bühne und anderthalb Stunden dauern? Soll das ein Witz sein?

Nein, ein Witz nicht. Aber eine Komödie schon. Und ein Spiel mit Motiven des Romans. Aber doch: Was die drei Akteure, alle mit clowneskem Teatro-Dimitri-Hintergrund, und ihr Musiker da zur Premiere auf den Churer Platz Arcas vor den roten Samtvorhang zaubern, das hat viel mit Bulgakow zu tun, mit Humor und Groteske, mit Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung.

Da ist etwa die Critica Latunskaja, eine arrogante Literaturkritikerin, die hochnäsig im Pelz daherstolziert, an ihrer Brille nestelt – und die Autoren kuschen. Vor allem Iwan Nikolaevic, der ihre Gunst erreicht hat. Sie diskutieren über Zensur und über Jesus Christus und den Teufel.

Munter wechseln sie die Sprachen

Der sitzt im Publikum, mit langem Haar, dicker Wange und kaputtem Auge, gentlemanlike schwingt er seinen Stock. Er ist ein Satan in mehrerlei Gestalt, wird daher von zwei Schauspielern gespielt. Er hat seine Assistenten dabei, eine Nackte mit wallendem, grünem Haar, einen mit karierter Weste und einen dicken Kater.

Die Nackte spricht Hochdeutsch, der Kater meist Französisch, der mit der karierten Weste Deutsch mit italienischem Akzent. Und der schmierige Theaterdirektor parliert Italienisch.

Der stetige Sprachenwechsel steigert die Absurdität der Figuren und Situationen. (Bild: Alice Das Neves)

Der stetige Sprachenwechsel steigert die Absurdität der Figuren und Situationen.
(Bild: Alice Das Neves)

Dieser Abend ist ein babylonischer, ein Wechsel von Deutsch, Französisch, Italienisch und ein wenig Rätoromanisch, das der Musiker Antonio Ghezzani spricht, etwa wenn er als Gewichtheber im Varieté glänzt.

Das passt, weil es die Absurdität der Figuren und Situationen steigert, ist aber auch schade, weil zwar Sprachunkundige den Handlungsbogen verstehen, aber Sprachwitz verloren geht, der selbst noch in dieser Radikalfassung vorhanden ist.

Das hätte auch der Monthy-Python-Truppe gefallen

Die drei Akteure geben dabei alles; Heike Möhlen als gestrenge Kritikerin, verführerische Hexe Hella oder naiv-forsche Margherita. Fabrizio Pestilli, der als Regisseur verantwortlich zeichnet, ist ein traumwandlerisch-verrückter Maestro im Spitzen-Nachthemd, ein tänzelnder Korovev und ein hochkorrupter, aber lebensfroher Theater-Direttore Varenucha.

David Labanca gibt als Behemoth seinem Kater Zucker, schnurrt und faucht und maunzt, und ist als aalglatter Dramaturgo Ivan Nikolaevic, der dem Wahnsinn anheimfällt, kaum mehr wiederzuerkennen.

Eine bitterböse Gehirnoperation mit drastischer Komik. (Bild: Alice Das Neves)

Eine bitterböse Gehirnoperation mit drastischer Komik. (Bild: Alice Das Neves)

Die Akteure setzen punktgenau Mimik, Gestik und Akrobatik ein, wechseln zwischen Wortszenen und kräftiger Komik hin und her, die in einer bitterbösen Gehirnoperation so drastisch wird, dass sie auch der Monty-Python-Truppe gefallen hätte.

Diese Drastik ist ganz bei Bulgakow. Er weiss, welche Folgen Gehirnwäschen im stalinistischen Russland haben. Sicherlich, die Origen-Fassung streicht den Pilatus-Roman im Roman komplett. Der Meister schreibt keinen vielschichtigen Pilatus-Roman, sondern ein Jesus-Musical, Margherita ist bei Bulgakow nicht annähernd so naiv-dümmlich und die Liebesgeschichte viel weniger süsslich. Aber eine Sommer-Commedia ist auch keine Slawistik-Vorlesung.

Daten der Tournee von «Meister und Margarita» auf origen.ch

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