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Der streitbare Wortschöpfer

«Ich bin nicht da, um anderen ein Beispiel zu geben, ich will mich nur selber ermahnen, mir selber die Bilder geben. Wenn ich zum Beispiel einen Tag nicht gelesen habe, schreibe ich: », bekannte der Schriftsteller Peter Handke in einem Interview. Morgen feiert der Österreicher, der bei Klagenfurt aufgewachsen ist, seinen 70. Geburtstag.
«Die Angst des Tormanns beim Elfmeter» (1979) zählt zu seinen ersten grossen Erfolgen: Schriftsteller Peter Handke wird 70. (Bild: apa)

«Die Angst des Tormanns beim Elfmeter» (1979) zählt zu seinen ersten grossen Erfolgen: Schriftsteller Peter Handke wird 70. (Bild: apa)

«Ich bin nicht da, um anderen ein Beispiel zu geben, ich will mich nur selber ermahnen, mir selber die Bilder geben. Wenn ich zum Beispiel einen Tag nicht gelesen habe, schreibe ich: <Tag ohne Lesen, und das ist wie eine Sünde>», bekannte der Schriftsteller Peter Handke in einem Interview. Morgen feiert der Österreicher, der bei Klagenfurt aufgewachsen ist, seinen 70. Geburtstag.

Peter Handke schwimmt gerne gegen den Strom. In seinen spektakulären öffentlichen Auftritten hat er stets und bewusst polarisiert. Als junger Mann brüskierte er 1966 die arrivierte deutschsprachige Literatengilde der Gruppe 47 mit Grass und Böll auf ihrer Jahrestagung in Princeton und attestierte der Nachkriegsliteratur eine «Beschreibungsimpotenz».

Nur wenige Monate nach diesem Schmähauftritt war Handkes Status als Rebell des Literaturbetriebs endgültig gesichert – nach der von Claus Peymann inszenierten Uraufführung des Theaterstücks «Publikumsbeschimpfung» in Frankfurt.

Lange Zeit Star der Literaturszene

Eine ganze Generation Gymnasiasten und Studenten wurde mit Handke-Büchern wie «Die Angst des Tormanns beim Elfmeter» (1970), «Wunschloses Unglück» (1972) oder «Der kurze Brief zum langen Anschied» (1972) literarisch sozialisiert. In den Siebzigerjahren war aus dem «enfant terrible» eine Art Popstar der Literaturszene geworden, der stets prominente Frauen an seiner Seite hatte: die Schauspielerinnen Libgart Schwarz und Sophie Semin (mit denen er jeweils eine Tochter hat), Jeanne Moreau und Katja Flint.

«Der grösste Erfolg war ganz einfach der, dass ich schreiben konnte und publiziert wurde. Sich die Zeit zu nehmen, sie fruchten zu lassen, das ist schon ein Erfolg», beschrieb Handke in einem Interview rückblickend seine Anfangsjahre. Mit der Zeit wurde seine Lesegemeinde aber stetig kleiner, weil sich der seit Anfang der Neunzigerjahre im Pariser Vorort Chaville lebende Autor literarisch immer stärker von der Aussenwelt verabschiedete («Ich habe immer die Einbildung, dass ich Literatur verkörpere») und sich in seinen Werken als selbstbespiegelnder Narziss präsentierte («Nachmittag eines Schriftstellers», «Versuch über die Müdigkeit» ).

Der zur Egozentrik neigende Handke pflegte sein Image des «enfant terrible» über die Jahrzehnte nach Kräften. Er gefiel sich als eine Art ewig jugendlicher Rebell. Aufsehen erregte er durch seine (kaum nachvollziehbare) Nähe zum serbischen Diktator Slobodan Milosevic, die 1996 mit seinem Buch «Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina» begann, 2005 mit einem opulenten Aufsatz in der Zeitschrift «Literaturen» untermauert wurde und im März 2006 mit seiner Rolle als Redner auf der Beerdigung des Diktators ihren Höhepunkt fand. Wenige Monate später verzichtete er wegen der öffentlichen Kritik an seiner Person auf den ihm zugesprochenen Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf.

Die Rolle des Aussenseiters

Peter Handke, der jüngst mit dem mit 15 000 Euro dotierten Grossen Kunstpreis des Landes Salzburg ausgezeichnet wurde, hat auch in den meisten seiner Bücher die Rolle des Aussenseiters wortgewaltig kultiviert; er war nie ein Erzähler im konventionellen Sinn, sondern ein reflektierender Suchender und Beobachter, der das Medium Sprache als Heiligtum pflegt und auf diese Weise (trotz aller Vorbehalte) die deutschsprachige Literatur und auch die Bühnenwelt um eine singuläre Stimme bereichert hat. Peter Mohr

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