Der St.Galler Verein Megliodia möchte zum Zehnjährigen so festen wie die Fürsten von früher

Eine Konzertreihe zum zehnjährigen Bestehen des Vereins Megliodia verbindet klassische Musik mit üppigem Essen und historischem Tanz.

Roger Berhalter
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Blockflötistin Annina Stahlberger und Cellist Gerhard Oetiker in ihrem Musikatelier im St.Galler Museumsquartier.

Blockflötistin Annina Stahlberger und Cellist Gerhard Oetiker in ihrem Musikatelier im St.Galler Museumsquartier.

Bild: Michel Canonica

Die Idee kam der Blockflötistin Annina Stahlberger, als sie ein Buch über eine Fürstenhochzeit im 16. Jahrhundert las. «Darin war eine Menüabfolge beschrieben, die gar nicht mehr aufhören wollte», erinnert sich die 43-Jährige. Die grossen Feste der Renaissance und des Barocks dauerten oft wochenlang, es gab Bankette mit 300 verschiedenen Speisen, manchmal entstiegen den riesigen Pasteten sogar Musiker mit Instrumenten.

Von dieser üppigen Welt des Essens, der Tänze und der Musik haben sich Annina Stahlberger und der Cellist Gerhard Oetiker zu einer Konzertreihe inspirieren lassen. Die fünfteilige Serie, die heute Abend in der Militärkantine startet, verbindet Chorgesang mit Buffet, Trinklieder mit Chäschüechli und Musikproben mit Wildkräutern.

Musizieren mit über 200 Beteiligten

Seit zehn Jahren ermöglicht der Verein Megliodia Kindern und Jugendlichen (aber auch Erwachsenen) solche besonderen Konzerterlebnisse. Stahlberger und Oetiker sind aber schon viel länger in der Musikvermittlung tätig. «Besondere Konzertprojekte lagen uns schon immer am Herzen, hatten aber im Rahmen der Musikschulen oft keinen Platz», sagt Stahlberger. Also gründeten die beiden 2009 den Verein Megliodia, um solche Projekte zu finanzieren.

Trinklieder, Chäschüechli und ein Ball

Ein musikalisches Menü und ein kulinarisches Büffet werden heute und morgen in der Militärkantine geboten. Mit diesen zwei (fast ausverkauften) Anlässen startet der Verein Megliodia seine «Tanz- und Tafelmusik»-Reihe zum Zehn-Jahre-Jubiläum. Deftig gehts am 7. März im Restaurant National weiter. Dort werden alte englische Trinklieder gesungen und Chäschüechli verdrückt.

Am 25. April geben Profimusikerinnen und -musiker sowie Schauspieler Matthias Albold im Historischen und Völkerkundemuseum einen Einblick in die verschwenderischen Feste des Barocks. Auch an den Musiktagen für Tiefe Streicher im Schloss Wartegg im Juli dreht sich alles ums Kochen. So können die Teilnehmer im Park auf Wildkräutersuche gehen. Am 21. November schliesslich feiert Megliodia in der Offenen Kirche eine Ballnacht mit historischen Tänzen. Infos und Reservationsmöglichkeiten sind hier erhältlich.

Der Schritt hat sich gelohnt. In den vergangenen zehn Jahren konnten Stahlberger und Oetiker drei Konzertreihen veranstalten. Die Stadt St.Gallen würdigte die Arbeit des Vereins 2014 mit einem Förderpreis, und 2016 erhielt Megliodia den mit 60000 Franken dotierten Lily-Waeckerlin-Preis für Jugend und Musik. Dank dieses Beitrags konnten Stahlberger und Oetiker mit der Primarschule Spelterini ein mehrmonatiges Musikprojekt mit über 200 Beteiligten durchführen.

Sorgfältiges und präzises Arbeiten

Zu Megliodia gehören auch die Musiktage für Tiefe Streicher im Schloss Wartegg in Rorschacherberg. Gerhard Oetiker organisiert sie jeden Sommer, seit bald 20 Jahren. Eine Mischung aus Musik- und Zeltlager: Tagsüber proben die Kinder und Jugendlichen unter professioneller Leitung, übernachtet wird in Zelten im Park. Und dank Verpflegung aus der Schlossküche dürfen sich die jungen Musiker ein bisschen wie Fürsten fühlen. «Acht- und Achtzehnjährige spielen im Lager zusammen», sagt Oetiker. «Es ist schön zu ­sehen, dass das funktioniert.»

Die Megliodia-Projekte sollen laut Stahlberger «sinnvoll und lustvoll» sein, doch lege sie Wert auf Sorgfalt und präzises Erarbeiten der Stücke: «Wir fordern die Kinder und trauen ihnen etwas zu. Dadurch fühlen sie sich ernstgenommen.»

Musikpreis geht nach St. Gallen

Der Verein Megliodia erhält 60 000 Franken für ein Projekt, das er mit der St. Galler Primarschule Spelterini realisiert.