Der Star des argentinischen Kinos

Im Kinok Lokremise sind in diesem und im nächsten Monat Filme mit dem argentinischen Schauspieler Ricardo Darin zu sehen. Die Reihe umfasst neun Filme der letzten zehn Jahre. Darunter als Vorpremiere sein neuster Film «Carancho».

Geri Krebs
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Er muss auch einstecken: Ricardo Darin im neuen Thriller «Carancho». (Bild: pd/Xenix)

Er muss auch einstecken: Ricardo Darin im neuen Thriller «Carancho». (Bild: pd/Xenix)

Bekannt wurde Ricardo Darin in der Schweiz durch die Tragikomödie «El hijo de la novia» von Juan José Campanella. Er kam Anfang 2003 in hiesige Kinos und avancierte zu einem der erfolgreichsten argentinischen Filme überhaupt. Die Rolle eines gehetzten Restaurantbesitzers schien dem 1957 in Buenos Aires geborenen Schauspieler auf den Leib geschneidert. Von einer gescheiterten Ehe, einer aufsässigen halbwüchsigen Tochter, einer fordernden Geliebten und einer an Alzheimer leidenden Mutter wird der Wirt so auf Trab gehalten, dass er schliesslich mit einem Herzinfarkt im Spital landet.

Ständig unter Strom

In dieser Figur, die auf den ersten Blick alle Zutaten für ein veritables Drama in sich trägt, konnte Ricardo Darin exemplarisch sein Können entfalten. Er spielte hier mit einer Schnoddrigkeit, mit einem stets von neuem aufblitzenden Sarkasmus und war nie um eine ironische Bemerkung verlegen. Obwohl er damit auch Verzweiflung zu verstecken suchte, war alles fern von jeglicher melodramatischen Schwere.

Die Rasanz exzellenter Dialoge, das freche Grinsen in den unpassendsten Momenten, das ständige Unter-Strom-Stehen hatte Darin bereits in einem Film zuvor kultiviert. Er entstand ein Jahr vor Campanellas 2002 beinahe mit Oscar-Weihen gekröntem Streich, kam aber erst Mitte 2003 in hiesige Kinos. Die Rede ist von der Gaunerkomödie «Nueve Reinas», dem Erstling des 2006 viel zu früh verstorbenen Fabián Bielinsky. Darin spielt den älteren von zwei Betrügern, die einen Coup planen und dabei dauernd versuchen, sich gegenseitig auszutricksen. Als Zuschauer kapituliert man am Ende beinahe und konstatiert, hier wohl selber an der Nase herumgeführt worden zu sein.

Einsam, undurchschaubar

Dieser Rest von Rätselhaftigkeit war es wohl, der Fabian Bielinsky bewog, auch seinen nächsten und letzten Film «El aura» (2004) mit Ricardo Darin zu besetzen. Es ist einer der erstaunlichsten Filme des neueren argentinischen Kinos. Hier geht Darin in einem elegischen Geschehen auf, wenn er als epileptischer Tierpräparator die Wälder Patagoniens durchstreift und unverhofft einen Coup zu landen glaubt. Diese Figur des einsamen, undurchschaubaren Mannes, der sich in ein Geschehen verstrickt, das er selber nicht ganz versteht, verkörperte Ricardo Darin 2009 virtuos in einem weiteren Film Juan José Campanellas, den man kaum vorzustellen braucht: «El secreto de sus ojos» war Oscar-Gewinner 2010, erfolgreichster einheimischer Film in Argentinien seit vier Jahrzehnten und erfolgreichster argentinischer Film in der Schweiz seit den 1990er-Jahren. Wenn «El secreto de sus ojos» als Mix aus Liebesromanze, Politdrama und Thriller sich kaum kategorisieren lässt, so ist Ricardo Darin im neuesten Film der Reihe, «Carancho» von Pablo Trapero, ganz im Thriller-Element. In dem ein wenig an Scorseses «Taxi Driver» erinnernden Film steht Darin in der Rolle eines kleinen, in mafiose Machenschaften verstrickten Anwalts am Ende ziemlich übel zugerichtet da – das freche Grinsen und die sarkastischen Sprüche hat er auch hier nicht verlernt.

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