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Der Schweizer Bild-Revolutionär Robert Frank ist tot

Er kam aus der Schweiz und wurde mit "The Americans" weltberühmt: Robert Frank, einer der weltweit wichtigsten Fotografen ist 94-jährig gestorben.
Sabine Altorfer
Robert Frank (AP Photo/ 28. Januar 2016)

Robert Frank (AP Photo/ 28. Januar 2016)

Ohne Robert Frank wäre die Fotografie heute anders. Kein Foto-Spezialist, der das nicht schon mal gesagt hat. Kommt dazu, dass die Filmwissenschafter den gleichen Robert Frank auch als Mit-Erfinder des Independent Films für sich reklamieren. Ganz schön viel. Und vor allem las und hörte man das schon zu Lebzeiten des Künstlers.

So viel Lob wäre einem anderen wohl in den Kopf gestiegen. Doch wenn man Robert Frank etwas nicht attestieren konnte, dann waren es Starallüren. Unabhängig, vielleicht etwas widerborstig gegen Vereinnahmung, aber vor allem sehr herzlich wirkte er. Er liess sich gerne etwas feiern, aber noch lieber erzählte er von seiner Arbeit und seinen Reisen in einer herrlichen Mischung aus Züritütsch und Amerikanisch, aus Witz und Ernst – und gerne mit etwas Umwegen.

Ursprünge in der Schweiz

Wege und Umwege prägten auch seine Biografie. Robert Frank, 1924 geboren, wuchs in Zürich auf, arbeitete von 1941 bis 1947 in Fotografenateliers in Zürich und in der Westschweiz. Das Schweizer Bürgerrecht bekam der Sohn eines deutschen Juden und einer Baslerin allerdings erst nach zwei Anläufen 1945. 1947 wagte Frank den Sprung in die USA, mit einem einzigen Album seiner wichtigsten Fotos im Gepäck. Bei «Harper’s Bazar» glaubte man an sein Talent, er bekam eine Foto-Assistentenstelle. Eine Reihe von glücklichen Zufällen und Begegnungen nannte Frank selber sein Leben. Doch man spürte bei seinen Erzählungen auch, harte Arbeit und Durchhaltevermögen, Engagement und innere Überzeugung waren für ihn zentral.

In den 1950er-Jahren war Frank als Fotoreporter unterwegs. In Peru, London oder Wales – mit dem Ziel die Reportagen in Zeitschriften wie «Life» oder Vogue» oder später in Buchform zu publizieren. Er arbeitete tagebuchartig: «Mein Umgang mit der Kamera war völlig locker. Ich machte einfach nur, was ich gut fand.»

Die entscheidende Reise

1955 kam die entscheidende zweijährige Reise durch die USA – dank eines Guggenheim-Stipendiums, wie Frank stets betonte. Über 20 000 Negative brachte er zurück, nur 250 publizierte in «The Amercans». Das Buch gilt als die Geburtsstunde einer neuen ungeschminkten Reportage-Fotografie. Beiläufig, nichtinszeniert, zeigt es den ehrlichen, amerikanischen Alltag.

Eines der berühmten Bilder aus «The Americans»: Trolley – New Orleans, 1956.(© Robert Frank/ Fotostiftung Schweiz, Winterthur und Bundesamt für Kultur, Bern)

Eines der berühmten Bilder aus «The Americans»: Trolley – New Orleans, 1956.(© Robert Frank/ Fotostiftung Schweiz, Winterthur und Bundesamt für Kultur, Bern)

Frank galt vielen als Nestbeschmutzer. Seine Verteidigung: «Kritik kann von Liebe kommen». Und: «Meine Sympathien gelten immer denjenigen Menschen, die schwächer sind.»

Wilder Beatnik

Die Beat-Generation, allen voran Kultautor Jack Kerouac, liebten Franks Bilder. In ihrem Kreis wurde er auch zum Filmer: Er drehte wild, spontan und subjektiv und gegen alle Konventionen. 1959 entstand als erstes «Pull My Daisy» mit Freunden als Schauspieler in einer Privatwohnung. Im autobiografischen «Home Improvements» von 1985 kommentiert, flucht, erzählt er gar in die Tonspur und Kamera.

Der Zeit voraus war er ab den 1970er-Jahren auch mit seinen Polaroid-Wort-Collagen. Warum und wie er Fotos von Landschaften, Räumen und Menschen zu Collagen kombinierte, Worte einkratzte, ist kaum schlüssig zu interpretieren. Spürbar ist eine verzweifelt anmutende Suche nach dem Wesen der Bilder. Diese drängenden, expressiven, den Gesetzen der Ästhetik widersprechenden Arbeiten fordern heraus. Es mag dieses Sperrige sein, das diesen berührenden Arbeiten den grossen Durchbruch verwehrte.

Anerkennung auch in der Schweiz

Nicht verwehrt blieb Robert Frank die Anerkennung hierzulande. Allerdings dauerte es etwas, bis die Schweiz ihren berühmten Sohn wirklich ehrte und man seine Bedeutung über die Fachkreise hinaus wahrnahm. Immerhin gab es 1976 im Kunsthaus Zürich eine erste, wichtige Ausstellung. Noch in einer Zeit als Fotografie nicht überall auch als Kunst anerkannt wurde. Aber spätestens 2005 als ihm das Fotomuseum Winterthur – zum 81. Geburtstag – eine gültige Retrospektive widmete, war Robert Frank auch in den Köpfen des breiten Publikums und in der populären Presse der Schweiz angekommen.

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