Der schwarze Rächer

Tarantino Zwischen tödlichem Ernst und Anarcho-Humor. Django Unchained ist ein erstklassiger Spaghetti-Western, der mit Gewaltszenen nicht spart.

Wolfgang Hauptmann/sda
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Jamie Foxx schiesst sich als Django den Weg ins Leben frei. (Bild: pd)

Jamie Foxx schiesst sich als Django den Weg ins Leben frei. (Bild: pd)

Wer das Schaffen von Quentin Tarantino und Spaghetti-Western wie Sergio Corbuccis «Django» (1966) kennt, kann erahnen, was ihn bei «Django Unchained» erwartet: ein opulentes Bilderwerk mit phantastischen Schauspielern und ebensolche Szenen, welche die Gewalt nicht selten ins fast Unerträgliche steigern.

Ein grandioser Waltz

Dabei dirigiert Tarantino wie immer perfekt zwischen bitterem Ernst und anarchistischem Humor. Und allen voran liefert Christoph Waltz eine grandiose Vorstellung ab. Dafür hat er am Sonntag einen Golden Globe bekommen, ebenso wie Tarantino.

Die Grauen der Sklaverei kurz vor dem US-Bürgerkrieg bilden den Hintergrund der Geschichte. Aber eigentlich ist es die Liebe zu seiner verschleppten und verkauften Frau Broomhilde (Kerry Washington), die Django Freeman (Jamie Foxx) antreibt.

Der vom Kopfgeldjäger King Schultz (Waltz) befreite und zum Partner gemachte Sklave jagt durch den Film – bis zum finalen Shoot-out auf Candyland, der Ranch des diabolischen Südstaatenbarons Calvin Candie (Leonardo DiCaprio in seiner ersten Rolle als Fiesling).

Schmutzig und gemein

Auch wenn man mitunter lachen darf und würzige Dialoge die Stimmung etwas aufhellen, so wird wohl die explizite Gewalt für Debatten sorgen. Das war 1966 nicht anders. «Django» zeigte schon damals keine typische Westernwelt, sondern war schmutzig und gemein. Tarantinos Begeisterung für dieses blutige Epos kennt man seit seinem Regiedébut «Reservoir Dogs»: Die Idee zur Szene, in der einem Mann das Ohr abgeschnitten wird, stammt aus «Django».

Viele Szenen sind eine Hommage an Spaghetti-Western allgemein – was Charaktere, Bildkompositionen, Handlungen und Worte gleichermassen betrifft. Die Story und die Figuren erweisen sich im Laufe der 165 Minuten als so komplex wie in Sergio Leones Arbeiten, was dank Darstellern wie Samuel L. Jackson und Waltz funktioniert.

Filmszenen für die Ewigkeit

Sieht man hinter die Fassade der Gewalt, entdeckt man Tarantinos gewieftes Spiel mit Farbgebung, Kostümen, Musik, Perspektiven und Schauplätzen – sowie sein unvergleichliches Talent, jedem Schauspieler einen besonderen Moment zu geben, den man noch Jahre später mit dem Film in Verbindung bringen wird.

Nur ganz am Ende ist Tarantino dann doch nicht ganz so extrem konsequent wie Corbucci bei «El Gran Silencio», wo der Böse die Oberhand behält.

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