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Der Roboter als Sterbebegleiter

Roboter gehören längst zu unserem Alltag. Im Haushalt, als Spielzeug oder bei der Betreuung alter Menschen. Die Ausstellung «Hello, Robot» im Gewerbemuseum Winterthur zeigt derzeit die vielfältigen Formen von Robotern.
Philipp Bürkler
Der niedliche Familienhund: «Aibo» ist das japanische Wort für Kamerad oder Freund. (Bild: Andreas Sütterlin/Sony)

Der niedliche Familienhund: «Aibo» ist das japanische Wort für Kamerad oder Freund. (Bild: Andreas Sütterlin/Sony)

«Sind Sie schon einmal einem Roboter begegnet?» Diese Frage stellen die Ausstellungsmacher dem Publikum gleich zu Beginn. «Die meisten Menschen beantworten die Frage mit Nein», sagt Ausstellungskuratorin Amelie Klein. Die Antwort sei nicht wirklich verwunderlich. «In den Köpfen der meisten haftet die Vorstellung von einem menschenähnlichen Roboter, so wie wir sie aus Science-Fiction-Filmen kennen.» Entweder sei es ein böser Roboter wie der Terminator oder dann ein liebenswürdiger Kerl wie Wall-E mit Kulleraugen.

Wären sich die meisten Menschen bewusst, was Roboter wirklich sind und wo in unserer Gesellschaft sie bereits zu finden sind, würden wahrscheinlich 100 Prozent der Museumsbesucher die Frage mit einem klaren Ja beantworten. «Auch ein Bancomat und unser Smartphone sind letztlich nichts anderes als Roboter», erklärt Klein. Roboter sind also bereits heute buchstäblich überall in unserem Alltag.

Die Ausstellung «Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine» hat unter anderem den Anspruch, den Besuchern zu zeigen, in welchen Formen und Funktionen Roboter heute unsere Gesellschaft durchdringen. Im Privaten genauso wie im öffentlichen Raum oder bei der Arbeit.

Grenzenlose Liebe zu einer Maschine

Unter «Design» verstehen die Ausstellungsmacher weniger das Aussehen oder äussere Merkmale eines Roboters, sondern viel eher Zweck und Intention, die eine Maschine für den Menschen erfüllt. Beispielsweise geht es um das Thema Liebe.

Liebe mit einem Roboter? Es geht hier nicht um Sexroboter, die für reine Triebbefriedigung erfunden wurden, sondern um echte Gefühle, die ein Mensch für eine Maschine empfinden kann. Es klingt noch stark nach Science Fiction und nach einer fernen Zukunft – dennoch könnten vielleicht schon in wenigen Jahrzehnten Menschen mit Robotern eine Partnerschaft führen, ja vielleicht sogar mit einem Roboter verheiratet sein. Wie weit Liebe mit Maschinen durch den Magen geht, zeigt die Ausstellung am Beispiel des japanischen Ehepaars Sakurai. Das Paar hat mehrere Roboter-Hunde. Die Plastik-Hunde mit dem Namen «Aibo» wurden von Sony zwischen 1999 und 2006 hergestellt und konnten mit diversen Programmen bespielt werden, so dass sie sich durch künstliche Intelligenz immer mehr dem Besitzer anpassten. So wie ein echter Hund eben, der immer zutraulicher wird und sich freut, wenn Frauchen oder Herrchen nach Hause kommt.

Da Sony die Hunde nicht mehr herstellt oder repariert, müssen sich Sakurais damit abfinden, dass ein Hund nach dem anderen allmählich den «Geist» aufgibt. In der Ausstellung sieht man ein Foto, auf dem das Ehepaar eine Art Trauerfeier für die bereits «toten» Hunde abhält. Eine befremdliche und gleichzeitig surreale Vorstellung. Amelie Klein nennt noch ein weiteres Beispiel, wie ein Roboter die Herzen der Menschen gewinnt. Von einem Bekannten habe sie kürzlich erfahren, dass er für seine Tochter einen Roboter-Hund kaufen wollte. «Im Geschäft nahm er den Hund aus dem Regal, und der fing sofort an, wild mit dem Schwanz zu wedeln.» Bereits beim Kauf habe der Hund signalisiert: «Ja, du hast mich gefunden, ich möchte bei dir bleiben, ich liebe dich.» Bemerkenswert bei beiden Beispielen ist laut Klein, dass die Gefühle der Menschen echt seien, obwohl sie nur für eine Maschine gelten.

Der Roboter begleitet uns bis in den Tod

In der Ausstellung geht es auch um ethische Fragen. Einer der ausgestellten Roboter, ein Prototyp, wurde erfunden, um einsamen sterbenden Menschen Mut zu machen. Der Roboter ist so programmiert, dass er den Sterbenden oder Schwerkranken den Arm streichelt und ihnen sagt, «du bist nicht alleine, ich bin hier und deine Familie denkt an dich». Ist eine solche Maschine ethisch vertretbar? Dürfen wir Sterbebegleitung einer Maschine überlassen?

Ein weiterer Roboter reagiert auf die menschliche Stimme. Wenn laut und aggressiv gesprochen wird, fängt er an zu zittern. Die ideale Maschine für Paare mit erhöhtem Streitpotenzial? Thematisiert werden auch die möglichen Folgen der Robotisierung auf unsere Arbeitsplätze. Nehmen Roboter uns die Arbeit weg oder ersetzen sie uns letztlich ganz? Tatsächlich glauben Wissenschafter wie der Amerikaner Raymond Kurzweil, dass Maschinen schon sehr bald intelligenter sein werden als wir Menschen. Forscher sprechen von der Singularität, jenem Moment, in dem die Maschine schlauer ist als wir Menschen. Hoffen wir nicht, dass es so weit kommt.

Hinweis

Ausstellung

Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine, Gewerbemuseum Winterthur, bis 4. November. Alle Infos gibt es hier.

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