Der Regisseur mit Zeichenstift

Mit zwei Filmen Anfang der 80er-Jahre hatte sich Ridley Scott in der Filmgeschichte verewigt. 1979 schuf er mit «Alien» einen Meilenstein des Science-Fiction-Genres.

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Ridley Scott wird heute 75 Jahre alt - und an den Ruhestand denkt der Erfolgsregisseur noch lange nicht. (Bild: Keystone)

Ridley Scott wird heute 75 Jahre alt - und an den Ruhestand denkt der Erfolgsregisseur noch lange nicht. (Bild: Keystone)

Mit zwei Filmen Anfang der 80er-Jahre hatte sich Ridley Scott in der Filmgeschichte verewigt. 1979 schuf er mit «Alien» einen Meilenstein des Science-Fiction-Genres. Das Set-Design, der effektvolle Schnitt und das neuartige visuelle Konzept definierten das Genre neu. «Alien» diente seither unzählige Male als Blaupause für düstere Horror-Schocker um ausserirdische Monster. Darauf folgte gleich ein weiterer Klassiker: «Blade Runner» (1982). Harrison Ford setzte mit seiner Mischung aus neonbeleuchtetem Film noir und melancholischem Science Fiction ebenfalls Massstäbe.

Erfahrung in Werbung und TV

Ridley Scott war bereits über 40, als er mit diesen Filmen seine grosse Karriere in Hollywood startete. Sein erster Spielfilm, das 1977 realisierte Kostümdrama «The Duellist», drehte er zehn Jahre, nachdem er mit seinem Bruder eine Werbefilm-Agentur gegründet hatte. Bis Mitte der 90er-Jahre produzierte er über 2000 Werbefilme. Diese Erfahrung, eine Botschaft, eine Emotion bildstark und prägnant vermitteln zu können, setzte er in seinen Kinofilmen fort. Das Kunststudium und die frühe Tätigkeit als Grafikdesigner und als Set-Designer bei der BBC begründen seinen eigenen visuellen Stil. Scott gilt als sehr guter Zeichner; in einem Interview sagte er einmal, er ziehe bei der Entwicklung von Ideen den Zeichenstift gegenüber einem Drehbuch vor. Zudem gilt er als Regisseur, der ökonomisch arbeitet – er geniesst den Ruf, Dreharbeiten eher früher als zu spät abzuschliessen.

Mit der von Sigourney Weaver gespielten Ripley in «Alien» hatte Scott einen weiblichen Kinomythos geschaffen. Als er dann 1991 mit dem Roadmovie «Thelma & Louise» erneut zwei Kino-Heldinnen inszenierte, schien er sich als Regisseur für starke Frauenfiguren zu etablieren. Er bekundete zwar einmal, er liebe das Kino von Ingmar Bergman, dennoch wurde aus ihm kein «Frauenregisseur». Scott ist einer, der die Abwechslung schätzt; obwohl sein Kino hauptsächlich von Actionfilmen geprägt ist, hat er beispielsweise mit «A Good Year» (2007) auch eine Liebeskomödie gedreht.

Dreimal nominiert

Nach der ersten Oscar-Nomination als bester Regisseur für «Thelma & Louise» dauerte es zehn Jahre bis zum nächsten Erfolg und der zweiten Nominierung: Für «Gladiator» (2001), sein bildgewaltiges Historienepos, bekam er zwar – wie ein Jahr danach für den Kriegsfilm «Black Hawk Down» – keinen Regie-Oscar. Dafür adelte ihn 2003 die Queen zum Ritter; seither darf er sich Sir Ridley Scott nennen.

Unter den über 30 Regiearbeiten finden sich einige, die künstlerisch durchschnittlich und kommerziell wenig erfolgreich waren. Sein Kreuzritter-Epos «Kingdom of Heaven» (2005) fand nicht das erwartet grosse Publikum; ebenso die Neuauflage von «Robin Hood» (2010), seine fünfte Zusammenarbeit mit Schauspieler Russell Crowe. Diesen Sommer war sein 3D-Film «Prometheus» zu sehen – eine Art Prequel zu «Alien».

Ein privates Drama war für ihn diesen August wohl der Freitod seines jüngeren Bruders Tony, der ebenfalls als Hollywood-Regisseur Karriere machte. Ridley Scott hatte darauf in London die Dreharbeiten zum Thriller «The Counselor» unterbrochen.

Obwohl Ridley Scott heute seinen 75. Geburtstag feiern kann, denkt der nahe Newcastle geborene Filmemacher nicht an Ruhestand. Neben Engagements als Produzent sind mehrere Regie-Projekte in Planung, darunter ein «Blade Runner»-Projekt. Andreas Stock

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