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Orgelsommer: Der Organist als Schöpfer und Interpret zugleich

Zum zweiten Mal stürmen «Originale» aus der halben Welt die Orgel in der Hofkirche, Luzern. Zur Eröffnung zieht der Luzerner Wolfgang Sieber einen Bogen von Bach bis Patent Ochsner.
Roman Kühne
Wolfgang Sieber, Organist an der Hofkirche. Bild: Dominik Wunderli

Wolfgang Sieber, Organist an der Hofkirche. Bild: Dominik Wunderli

Ein Organist ist auch immer ein Stück weit Komponist. Gilt es doch zu entscheiden, welche Pfeifen dem Werke möglichst viel Pracht und Charakter schenken, der Komposition Spannung, Romantik oder gar Schalk verleihen. Dies trifft ganz besonders auf Wolfgang Sieber zu. Der Stifts­organist der Luzerner Hofkirche überspringt die Latte des reinen Interpretierens mit hohem Abstand, ja trickst sie zuweilen gar mit einem Bogen aus.

Einerseits arrangiert er die Stücke oft selber, macht sich Linien aus Jazz und Pop zu eigen. Andererseits setzt er die Werke teils frisch zusammen, schafft neue Verbindungen und Einsichten. Und wo diese nicht natürlicherweise vorhanden sind, da biegt er sich einen Weg. An diesem Dienstagabend in der Hofkirche Luzern zur Eröffnung des Orgelsommers «Characters – Originale» führt Wolfgang Sieber im ersten Teil verschiedene Kompositionen der Grundtonart G zu einer Einheit. «La Poule» aus den Nouvelles Suites von Jean-Phi­lippe Rameau mischt sich direkt mit Stücken von Johann Sebastian Bach. Passt die Tonart nicht, wie in «Badinerie», so wird das Arrangement flugs transkribiert.

Die eigenwillige Liniengestaltung paart der Organist mit seiner ausgreifenden Klangwahl. «La Poule» wird in die typischen französischen Farben getaucht. Das technisch fordernde Stück wirkt auf der Orgel jedoch etwas schwerfällig. Es ist an diesem Abend nicht das einzige Mal, dass die akrobatischen Schwierigkeiten die Grenze ritzen. Wolfgang Sieber meistert sie meist mit Bravour. Die praktisch nahtlos anschliessenden Bach-Stücke interpretiert er mit «klassischem» Orgelkolorit, bricht ansatzlos wuchtig in die Kirche, um am Schluss die fröhlichen Klänge eines «Rössligeschirrs» auszu­packen. Mit Lust, Spass und viel Entdeckungskraft zelebriert der Musiker sein Instrument.

Die Orgel als Kinoersatz

Dies ist kein Abend für Puristen. Denn nicht nur der Organist wird auf eine Leinwand übertragen. Wie einen Film lässt er auch seinen zweiten Block ablaufen. Klar perlt das begleitende Wasser, in welchem «Die Forelle» (Franz Schubert) durch die Register wandert. Sehnende Romantik prägt die «Fantasie» von Anton Bruckner. Einem Sinfonieorchester gleich greifen die vier Tastaturbretter, die ihnen zugeordneten Farben, ineinander. Als dann die Fusspedale noch den Sound eines Schlagwerks liefern, führt die Vielfalt der Klänge endgültig in das verwunschene Kabinett eines Dr. Parnassus.

In diesem «Spielfilm» finden sich auch witzige Stücke wie das «Allegro Barbaro», wo sich Béla Bartók über seine Kritiker, die ihn den Barbaren nennen, lustig macht. Wolfgang Sieber attackiert die Dissonanzen, die harten Schläge, die einander zuwiderlaufenden Tonarten von Melodie und Begleitung in einem wilden Furor. Gefolgt von einem zärtlichsten «Prélude et fugue» des Franzosen Marcel Dupré. Die Orgel als Fernsehersatz. Von dieser Lust an den Kontrasten, der Verknüpfung von Stilen und Elementen aus allen Richtungen und Zeiten lebt auch der letzte Teil. «Three Preludes» von George Gershwin treffen auf ein «Praeludium» von Bach, «The Wedding» des Jazzers Dollar Brand und – krönender Abschluss und mitsingverdächtig – «W. Nuss vo Bümpliz» von Patent Ochsner. Und es ist endgültig klar: Dieser Organist lässt sich in keine Schublade, ja nicht einmal in ein einzelnes Zimmer pressen. Genauso wenig wie die – oder das – bis heute geheimnisvolle W. Nuss.

Solisten spielen am Orgelsommer jeden Dienstag bis am 18. September jeweils um 20 Uhr in der Hofkirche, Luzern.

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