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Der nette rassistische Hipster von nebenan

Vertreter der sogenannt Neuen Rechten - früher Neonazis - sind im Aufwind und eine ernsthafte Bedrohung für Demokratien. Der «Zeit»-Journalist Christian Fuchs hat in diesem Milieu recherchiert. Morgen stellt er sein Buch im Palace St. Gallen vor.
Philipp Bürkler
Neue Rechte: Antidemokratisch und gefährlich. (Bild: David Goldman/AP)

Neue Rechte: Antidemokratisch und gefährlich. (Bild: David Goldman/AP)

Seit dem Sommer 2015, als viele Geflüchtete nach Europa gekommen sind, erlebt rechtes oder sogar rechtsextremes Gedankengut sowie Rassismus eine Renaissance. Ansichten die seit dem Ende des Nationalsozialismus 1945 als Tabu galten, sind wieder salonfähig geworden und rücken gesellschaftlich in die Mitte und in den Bereich des Sagbaren.

Auslöser dieser gefährlichen Entwicklung sind rechtspopulistische Parteien wie die AfD, FPÖ und in der Schwiz Teile der SVP. Aber vor allem die rechtsextreme Identitäre Bewegung und auch einzelne Demagogen und Akteure die auf rechten Internetseiten, Hass, Hetze und Verschwörungstheorien verbreiten. Sie sind Teil der sogenannten Neuen Rechten.

Die beiden «Zeit»-Journalisten Christian Fuchs und Paul Middelhof haben drei Jahre in diesem Milieu für ihr Buch «Das Netzwerk der neuen Rechten» recherchiert.

Die neuen Rechten sind keine Nazis

Während der typische Neonazi bis vor einigen Jahren durch seine Glatze und Springerstiefel, an der kameradschaftlichen Organisation und einem eher niedrigen Bildungsniveau erkennbar war, geben sich Vertreter der Neuen Rechten urban, «intellektuell» und äusserlich unauffällig.

Unter ihnen gibt es «Hipster» oder Veganer, die durch ihr «cooles» Auftreten gerade auch junge Menschen für ihre Ziele gewinnen wollen. Dabei adaptieren sie sogar linke 68er-Ideen und schaffen so eine angebliche «progressive» Gegenkultur. Die Neue Rechte stösst zunehmend in neue Bereiche vor: Mittlerweile gibt es neu Rechte Stiftungen, PR-Organisationen, Blogs, und sogar eine Gewerkschaft. Von Hitler distanzieren sie sich oder bezeichnen den Nationalsozialismus wie Alexander Gauland von der AfD revisionistisch als «Vogelschiss der deutschen Geschichte». «Die haben es geschafft, sich so darzustellen, dass sie eine friedliche Bewegung seien, die gewaltfrei und lediglich das politische Spektrum erweitern wollten», erklärt Fuchs.

Medien haben die Stimmung zusätzlich angefeuert

Die Ziele der Neuen Rechten sind jedoch beängstigend. Der rechtsextreme und einflussreiche deutsche Publizist Götz Kubitschek ist der «intellektuelle» Kopf der neuen Rechten. Bereits vor Jahren hat er klar gemacht, was die tatsächlichen Absichten sind. Neue Rechte wollen demnach nicht bloss ein weiterer Akteur in der demokratischen Arena sein, sondern die pluralistische Gesellschaft und mit ihr den Diskurs zerstören oder «die Party beenden», wie es Kubitschek einst formulierte. «Sie wollen die pluralistische Demokratie zu Gunsten autoritärer Strukturen auflösen», sagt Fuchs.

Mitgeholfen beim Aufkommen dieser antidemokartischen Ideologie sowie rassistischer Positionen in der Gesellschaft haben die etablierten Medien. «Rechte Demagogen brechen bewusst Tabus. Das ist eine Strategie. Journalisten springen über jedes Stöckchen, das ihnen hingehalten wird und machen daraus eine grosse Geschichte», so Fuchs. Da müsse bei Journalisten ein Umdenken stattfinden, wollten sie nicht die Demokratie gefährden.

Hinweis
Mi, 15.5. 20 Uhr, Palace St. Gallen, Christian Fuchs und «Das Netzwerk der neuen Rechten».

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