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Der Moment führt den Pinsel

«Kultur im Bahnhof» zeigt Zeichnungen und Bilder des 40jährigen St. Galler Künstlers Jan-Piet Graf. Die Ausstellung ist eine Exkursion in die emotionale Welt des Künstlers – ornamental, filigran, eruptiv, dämonisch.
Beda Hanimann
Jan-Piet Graf vor einem seiner grossformatigen Bilder – das im Gespräch während des Einrichtens der Ausstellung den Titel «Krisengipfel» bekommt. (Bild: Michel Canonica)

Jan-Piet Graf vor einem seiner grossformatigen Bilder – das im Gespräch während des Einrichtens der Ausstellung den Titel «Krisengipfel» bekommt. (Bild: Michel Canonica)

Die Titel kommen bei Jan-Piet Graf zuletzt. Auch die grossformatige Leinwand, vor der er beim Einrichten seiner Ausstellung posiert, trägt drei Tage vor der Vernissage noch keinen Namen. Eine Reihe eher finsterer Figuren, ein flächigroter Hintergrund wie Blut. Graf steht vor dem Bild, legt im Hin- und Hergehen Assoziationsketten aus, die USA, Alkoholprobleme, Libyen. Fragt dann: «Was schlagen Sie vor?» Wie wär's mit «Krisengipfel»? Er betrachtet seine Kreation und nickt. «<Krisengipfel> – ja, das nehmen wir, das können Sie schreiben.»

Die Szene ist typisch für den 40jährigen St. Galler Künstler, für eine Seite seines Schaffens zumindest. Bei seinen Grossformaten, die eigens für die neue Ausstellung in den letzten Monaten entstanden sind, arbeitet er sehr intuitiv. Er spricht von «spontanen, schnellen Sachen», bei denen er «mit dem ganzen Körper reingehen» könne. Beim Malen inspiriere ihn seine eigene Spontaneität, er lasse sich von den Formen leiten.

Wie ein Vulkanausbruch

Die schreiende Farbigkeit (anders als beim «Krisengipfel» ist es meist eine heitere Farbenwelt) und die Fülle der Figuren, die buchstäblich um ihren Platz auf der Bildfläche zu streiten scheinen, machen den Entstehungsprozess nachvollziehbar. Graf zieht den Vergleich zu einem Vulkanausbruch: Allmählich baue sich ein Druck auf, der sich für den Künstler auch in gespannter Vorfreude äussert, dann kommt es zu einer Serie von Eruptionen. So entstehen innerhalb einer kurzen Zeitspanne mehrere Arbeiten. Oft baut er sich den Druck ganz pragmatisch selber auf mit Ausstellungsterminen. «Das ist wie eine Deadline, ein bisschen brauche ich das», sagt er.

Anders verhält es sich mit kleineren Formaten und Zeichnungen. Da sei er permanent an der Arbeit, er trägt immer Skizzenblöcke mit sich, zeichnet auf Bierdeckel. Oder setzt sich hin zum Zeichnen von feingliedrigen, ornamentalen Mustern, für die er schon mal den Begriff Konzentrationsarbeit braucht.

Verarbeitung von Erlebtem

Grafs Skizzen sind indes nicht gezielte Vorstudien zu den Leinwänden. Aber einzelne Formen und Motive hole er daraus hervor, bestimmte Archetypen tauchten eben immer wieder auf, weil sein Zeichnen und Malen Verarbeitung von Erlebtem sei – Persönlichem wie Weltumspannendem. Persönlich habe er in den letzten Jahren vieles erlebt, sagt Graf, den Tod der Eltern, die Trennung von der Partnerin. Das habe ihn offener gemacht, offener in dem Sinn, dass er Emotionen herauslasse. Seine Bilder haben oft etwas Dämonisches – und genau das schlägt einen Bogen zum Allgemeingültigen, zur traditionellen Bildsprache afrikanischer oder mexikanischer Kulturen etwa, mit denen er auf zahlreichen Reisen in Kontakt gekommen ist.

Durchdachte Präsentation

Jan-Piet Graf ist in einem künstlerischen Milieu als Sohn einer Niederländerin und eines St. Galler Architekten gross geworden. Nach dem Abbruch der Kantonsschule wandte er sich dem Zeichnen und Malen zu und absolvierte die Gerrit Rietveld Kunstakademie in Amsterdam. Zehn Jahre lebte er dort, vor rund zehn Jahren kehrte er zurück, lebte und arbeitete erst in Gais, nun wieder in seiner Vaterstadt, wo er im Krontal ein Atelier hat.

Grafs Bilder sind von betörender technischer Vielfalt. Er arbeitet auch mit Schablonen und Spraydose, appliziert Klebebänder oder integriert richtige Spielzeugautos in seine Bilder. Neben diesem Extrovertierten und Experimentellen steht das filigrane zeichnerische Werk, das auch mal aus lauter ornamental angeordneten Sätzen bestehen kann. Kuratorin Dorothee Haarer setzt diese Vielfalt durchdacht in Szene: als räumlich sichtbaren Kontrast von Feinem und Grossformatigem.

Kultur im Bahnhof, bis 18. März. Vernissage: Freitag, 24. Februar, 19 Uhr

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