Der Moderator im Sinkflug

Happige Vorwürfe gegen Deutschlands beliebtesten Showmaster. Der «Spiegel» berichtete am Montag, dass Thomas Gottschalk in einen Schleichwerbung-Skandal verwickelt sei.

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Thomas Gottschalk muss sich wegen Schleichwerbung rechtfertigen. (Bild: dapd/Jan Woitas)

Thomas Gottschalk muss sich wegen Schleichwerbung rechtfertigen. (Bild: dapd/Jan Woitas)

Happige Vorwürfe gegen Deutschlands beliebtesten Showmaster. Der «Spiegel» berichtete am Montag, dass Thomas Gottschalk in einen Schleichwerbung-Skandal verwickelt sei. Gottschalk habe zusammen mit der Firma Dolce Media seines jüngeren Bruders Christoph gegen Millionensummen verbotene Werbung im ZDF-Fernsehklassiker «Wetten, dass...» plaziert. Seitdem reissen die Enthüllungen nicht ab. Es geht um Autos von Daimler Chrysler und Audi, die Solarenergie-Firma Solar World sowie den mittlerweile insolventen Stromanbieter Teldafax, alle soll Gottschalk unlauter angepriesen haben. Es geht um widerrechtliche redaktionelle Eingriffe, konkrete Regieanweisungen, die Dolce Media mit den Unternehmen für die Fernsehsendung abgeschlossen habe.

Nun will sogar das Schweizer Bundesamt für Kommunikation den Vorwürfen nachgehen. Schliesslich war das Schweizer Fernsehen bis vor einem Jahr Co-Produzent von «Wetten, das...». Und laut Art. 10 Abs. 3 des Bundesgesetzes ist Schleichwerbung in Radio und Fernsehen verboten.

Charmeur für Millionen

Als Zuschauer reibt man sich verwundert die Augen. Sie sassen doch alle bei ihm auf der Couch. Stars, Sternchen, Sportlegenden. Fast ein Vierteljahrhundert lang dominierte er den deutschen Fernseh-Samstagabend. In gewagten Outfits wickelte er charmant ein Millionenpublikum um den Finger. Und sein Millionenpublikum hat ihn dafür geliebt. Wurde mit ihm gross – die einen erwachsen, die anderen alt. Mochte die Welt da draussen im Chaos versinken, die eine Konstante war gewiss: «Wetten, dass...» mit Thomas Gottschalk.

Als in seiner Live-Sendung am 4.Dezember 2010 Wettkandidat Samuel Koch beim Versuch, ein fahrendes Auto zu überspringen, gegen dieses knallte, bewusstlos liegen blieb und gelähmt aufwachte, da gab Gottschalk seinen Rücktritt bekannt. Eine Nation war betrübt. Und rätselte monatelang, wer denn bitte schön in diese unermesslich grossen Fussstapfen treten könnte. Gottschalk gab eine Abschiedsvorstellung nach der anderen, erreichte traumhafte Einschaltquoten und die gewohnten Feuilleton-Verrisse. Dann begann sein Abstieg.

Tele 5 sucht Sendeformat

Seine Talksendung im ARD-Vorabendprogramm dümpelte im mageren Prozentbereich, bis sie nach nur sechs Monaten im Juni 2012 eingestellt wurde. Anschliessend sass Gottschalk neben Dieter Bohlen in der RTL- Casting-Show «Das Supertalent». Jetzt steht er in Verhandlungen mit dem unscheinbaren Privatsender Tele 5, Geschäftsführer Kai Blasberg sucht nach einer Idee für Gottschalks Spätphase: Der brauche endlich eine Sendung, mit der er zeigen könne, «wie geil er eigentlich ist».

Der 62-Jährige hat derweil andere Sorgen. Über seinen Anwalt lässt Gottschalk ausrichten, es treffe ihn schwer, dass der «Spiegel» den Eindruck erwecke, er habe aufgrund von Verträgen oder Gewinnstreben den verunglückten Samuel Koch bei der Auswahl des Autos für die Wette beeinflusst. Die Firma seines Bruders betont, zu keinem Zeitpunkt Rechtsvorschriften verletzt zu haben. Auf den Fernsehrat des ZDF wartet viel Arbeit. Julia Nehmiz

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