Der Mist kann warten

Wo Schaf und Kuh saugut ausspannen, verrät die neue Eigenproduktion «Bauer Beck fährt weg» im Figurentheater. Das Stück ab vier erzählt vom Ferienglück auf Umwegen und weckt zur rechten Zeit die Vorfreude auf den Sommer.

Bettina Kugler
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Wohin führt die Ferienreise? Routenhilfe im Stück «Bauer Beck fährt weg» im Figurentheater. (Bild: Urs Jaudas)

Wohin führt die Ferienreise? Routenhilfe im Stück «Bauer Beck fährt weg» im Figurentheater. (Bild: Urs Jaudas)

Den Floh hat ihm die Toni, seine Magd, ins Ohr gesetzt: Ferien! Mal Sandburgen bauen statt Mist fahren; mittags in der Sonne fläzen statt in aller Herrgottsfrühe Kühe melken. Mal einfach nichts tun, dolce far niente! Dem Bauer Beck bleibt schlicht die Spucke weg, auf die Idee ist er wirklich noch nie gekommen. Was geht schon über einen gut aufgeräumten Hof? Und wer bitte schön füttert derweil die Tiere, schert das Schaf, stellt der Sau das Radio im Stall an? Die Toni jedenfalls nicht. Die braust gerade schon wie vom Aff gebissen auf der Vespa davon.

Gen Süden, wo die Sonne so sagenhaft rot im Meer versinkt.

Da steht er jetzt wie ein begossener Hofhund, der Bauer Beck, mit Kuh, Schwein, Schaf und Bläss, in Schaffhosen und Gummistiefeln – und denkt sich: Warum eigentlich nicht? Noch keinen Tag lang war er weg von seinem Hof; punkto Verreisen dürften die meisten kleinen Zuschauer im Figurentheater da einen beachtlichen Erfahrungsvorsprung haben. Den sie am Premierennachmittag hörbar geniessen.

Ebenso wie das gute Gefühl, mit der Geschichte vom Bauer Beck nicht ganz die Fahrt ins Blaue gebucht zu haben.

Raus aus dem Trott

Denn «Bauer Beck fährt weg» ist unter Vier- bis Sechsjährigen derzeit so etwas wie Stephenie Meyers Vampirromane oder noch vor kurzem «Harry Potter» bei Teenagern. Wer gute Vorleser zu Hause hat, weiss Bescheid.

Das Buch ist clever erzählt und wunderbar lebensklug in seiner Moral: Braucht man noch mehr? Unter den Händen von Janine Brühwiler, Marilu Celiksap und Rosette Scherer, unter der Regie von Theaterleiter Tobias Ryser entsteht überraschend Neues, wird aus Papier ein greifbar nahes, in die Ferne schweifendes Spiel. Und die Figuren von Priska Boos würden wir am liebsten im Kinderzimmer haben, zum Weiterspielen. Der Dieselmotor tuckert an, raus sind wir aus dem Trott. Auch aus der eingefahrenen Spur eines rundum gelungenen und vielgelesenen Bilderbuchs.

Reisen für Anfänger

Die kleine Bühne dreht sich, schon ist der Koffer gepackt, den Bauer Beck beim Preisjassen im Dorf gewonnen hat und der bislang nutzlos herumstand. Mit liebevollen Details hat Autorin Alexandra Schubiger-Akeret die Buchvorlage von Christian Thielmann und Daniel Napp für ihre Spielfassung angereichert und im Alpenvorland beheimatet; es wechseln Puppenspiel und Erzählsequenzen, deren Figuren und Kulissen vor unseren Augen in die zunächst leere schwarze Szene gesteckt werden.

Statt aus dem holsteinischen Flachland an den Nordseestrand geht es per Traktor und Anhänger über Pässe nach Bella Italia, in Pizzerien und Museen, natürlich auch ans Meer; und wirklich willkommen sind die etwas trampeligen Landeier da ebenso wenig wie an norddeutschen Stränden und auf den angrenzenden Campingplätzen und Hotels. Doch Bauer Beck lässt sich zum Glück nicht aus der Ruhe bringen.

Was manchem Stressgeplagten noch den Rest geben könnte – hupende Fahrzeuglenker auf dem Gotthard, ein kräftig abkassierender Tankwart, endloses Magenknurren im Restaurant und hysterische Blondinen im Liegestuhl –, das trägt der brave Mann mit Fassung und wundert sich im Stillen darüber, warum das bloss entspannender sein soll als das Geraniengiessen daheim.

Reisen bildet

Das Stück erinnert kleine und ausgewachsene Reisevögel daran, was sich verändert, wenn man die Haustür hinter sich zuzieht und in die Fremde zieht: die Landschaft. Die Leute. Die Namen der Dinge, die Speisen, die auf den Tisch kommen. Es zeigt schon kleinen Theaterbesuchern, was anders ist, wenn eine geschriebene, gezeichnete Geschichte auf die Bühne auswandert – auch diese Reise bildet.

Das Allerschönste: Die wechselnden Schauplätze mit ihrem charakteristischen Mobiliar wecken bei Klein und Gross die Lust aufs Reisen. Ohne uns den Mist zu Hause madig zu machen.

Weitere Aufführungen im Figurentheater: Morgen Sa und So 10.1., je 14.30 Uhr sowie am 13., 16. und 17.1., 24., 27. und 28.2., je 14.30

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