Der Mann im Mond

Eine Entdeckung gibt es im Kunstmuseum Appenzell zu machen: Erstmals sind hier Skizzenbücher von Hans Arp zu sehen. Die kleinformatigen Skizzenbücher zeigen eine neue Seite des Künstlers. Und machen Bezüge zu anderen Arbeiten erkennbar.

Florian Weiland
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Der Erdteilkopf aus dem Jahr 1962 findet sich wiederholt. (Bild: pd/Kunstmuseum Appenzell)

Der Erdteilkopf aus dem Jahr 1962 findet sich wiederholt. (Bild: pd/Kunstmuseum Appenzell)

APPENZELL. Es war ein ungehobener Schatz. Zwanzig Skizzenbücher von Hans Arp (1886–1966), dem Mitbegründer von Dada. Von einem Künstler, der kaum für Skizzen bekannt war. Vor fünf Jahren wurde mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieses Fundes, der im Besitz der Fondazione Marguerite Arp in Locarno ist, begonnen. Ein erstes Resultat – Museumsdirektor und Kurator Roland Scotti spricht von einem «visuellen Zwischenbericht» – ist nun in Appenzell zu besichtigen. Und der Arp-Kenner dürfte staunen: Die Skizzenbücher, die aus den Jahren 1950 bis 1966 stammen, zeigen eine ganz neue Seite des Künstlers.

Eine der vielen Überraschungen ist, dass sich auch realistische Zeichnungen, insbesondere Porträts, finden. Arp, der sich erst sehr spät der Malerei zugewendet hat, ist nicht mehr der Jüngste, als er beginnt, die Skizzenbücher zu füllen. Er ist ein renommierter Künstler, Mitte 60, der auf seine Erfahrungen zurückgreifen kann. Alle Formen, die irgendwann in seinem Werk aufgetreten sind, tauchen in den Skizzenbüchern wieder auf. Am faszinierendsten aber ist es fraglos, wie verspielt Arp ans Werk geht. Es begegnen uns humorvolle Gestalten wie der Mann im Mond oder der Erdteilkopf.

Dass in der Ausstellung neben den Skizzenbüchern auch Skulpturen und Gemälde von Arp gezeigt werden, dient nicht nur der Auflockerung. Im Gegenteil, erst so wird der enge Bezug zwischen den Skizzenbüchern und den anderen, bekannten Werken nachvollziehbar. Besonders gut zeigt sich das beim Motiv der drei Grazien. Während die kleinformatigen Skizzenbücher in Vitrinen ausgestellt sind, hängen die eingescannten Seiten als Prints an den Wänden. Rund 450 sind es. Die Seiten hängen dicht an dicht und erlauben auf einen Blick, den Inhalt eines Skizzenbuchs zu erfassen. Das hat Vorteile, denn zumeist verfolgt Arp ein Motiv über mehrere Seiten.

Durch die Gesamtschau lässt sich nun ablesen, wie ein Motiv variiert wird. Die Formen entwickeln sich auf dem Papier: Aus Krickelkrakel wächst eine Figur – und umgekehrt. Eine zunächst realistische, menschliche Figur wird in einen Torso verwandelt und schliesslich zu abstrakten Formen reduziert. Am Ende steht eine reine Silhouette, bei der, wie bei Arps Skulpturen, der Kopf durch eine Leerstelle ersetzt wird.

Bis 8. März, Kunstmuseum Appenzell; kunstmuseumappenzell.ch

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