Der Mann des «Weniger ist mehr»

Fast der ganze Bichsel steht in meinem Bücherregal – der Prosa-Bichsel ist überblickbar. Wie oft habe ich den ersten Geschichtenband gelesen, in dem Frau Blum eigentlich den Milchmann kennenlernen wollte. 1964 hat das Buch den unbekannten, 29jährigen Autor auf einen Schlag berühmt gemacht.

Dieter Langhart
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book (Bild: Dieter Langhart)

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Fast der ganze Bichsel steht in meinem Bücherregal – der Prosa-Bichsel ist überblickbar. Wie oft habe ich den ersten Geschichtenband gelesen, in dem Frau Blum eigentlich den Milchmann kennenlernen wollte. 1964 hat das Buch den unbekannten, 29jährigen Autor auf einen Schlag berühmt gemacht.

Die liebste der 21 Geschichten war mir stets «Salvador». Paul schreibt mit seiner neuen Füllfeder «Mir ist es hier zu kalt, ich gehe nach Südamerika» auf ein Blatt Papier und überlegt sich, was seine Frau Hildegard täte, wenn er nicht mehr da wäre. Dann liest er die Gebrauchsanweisung für den Füller nochmals, dann kommt Hildegard heim und fragt: «Schlafen die Kinder?»

Salvador: Synonym für Fernweh, Abhauenwollen, Dableiben. Wie Ouagadougou oder Feuerland oder Atlantis. Peter Bichsel hat kein Fernweh, und wenn er reist, dann mit der Bahn, mit Halt in den aussterbenden Bahnhofbuffets. Als ihm Eric Bergkraut vorschlug, für ein Filmporträt nach Paris zu fahren, war Bichsel schockiert – er hatte sich geschworen, nie nach Paris zu reisen. Er liess sich überreden, bis in den Gare de l'Est zu fahren. «Zimmer 202» zeigt einen Menschen, der die Welt auf sich zukommen lässt, sie sich einfach ansieht. Und dann schlichte Geschichten über die kleinen Leute erzählt.

Wenngleich Peter Bichsels Werk schmal ist – zahlreich sind seine Anhänger. Auch weil Bichsel die Wenig-Leser mit seinen Kolumnen erreicht, etwa jenen für die «Schweizer Illustrierte». Eine freundliche Auswahl davon hat Insel vergangenes Jahr als «Mit freundlichen Grüssen» herausgegeben.

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