Todesfall
Der Mann, der die Welt verpackte: Verhüllungskünstler Christo ist tot

Der Künstler Christo, der vor 25 Jahren auch das Reichstagsgebäude in Berlin verhüllte, ist tot. Er starb in New York im Alter von 84 Jahren, wie auf seiner Website mitgeteilt wurde und sein Büro am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

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Karl Mathis / EPA

Wer glaubte, dass Christo in seinem silbern verpackten Berliner Reichstag oder seinen leuchtend gelben, schwimmenden Stegen auf einem See in Italien irgendeine tiefere Bedeutung sah, der irrte. «Es ist total irrational und sinnlos», sagte der bulgarisch-amerikanischer Verpackungskünstler 2014 über seine Arbeiten. Doch die Schönheit seiner in abstrakte Objekte verwandelten Gebäude und Landschaften faszinierte Millionen. Nun ist Christo am Sonntag im Alter von 84 Jahren in New York gestorben.

Stets war es ein Spiel aus Form und Farbe, wenn der am 13. Juni 1935 als Christo Vladimiroff Javacheff im bulgarischen Gabrovo geborene Künstler wieder ein Stück Welt mit Kunststoffbahnen überzog.

Zu den berühmtesten seiner weltweit realisierten Projekte zählten die safranfarbenen Tore im New Yorker Central Park («The Gates»), die schwimmende, mit Nylongewebe bezogene Stege auf dem Wasser des Iseo-Sees in der Lombardei («Floating Piers») sowie der 1995 verhüllte Berliner Reichstag und die verpackte Pont Neuf in Paris.

Christo und Frau Jeanne-Claude waren ein Duo

Die teils aus vielen Kilometern Entfernung sichtbaren Installationen, etwa der «Valley Curtain» in Colorado oder gelben und blauen Riesen-Sonnenschirme in Japan und Kalifornien («The Umbrellas»), entstanden bald nur noch im Team. Mit seiner Frau Jeanne-Claude, mit der er seit den 90er Jahren stets als Duo auftrat, kämpfte Christo von ersten Plänen bis zur Realisierung eines Projekts teils mehrere Jahrzehnte. Die aus Casablanca in Marokko stammende und am selben Tag wie Christo geborene Jeanne-Claude war 2009 im Alter von 74 Jahren in New York an einer Hirnblutung gestorben.

Christo und Jeanne-Claude

Christo und Jeanne-Claude

Karl Mathis / EPA

«Jeanne-Claude und ich, wir machen diese Dinge für uns selbst», gab der Künstler mit dem weissen Kraushaar zu verstehen. «Wenn es jemand mag, ist es nur ein Bonus. Wir machen Dinge, die uns visuell gefallen.» Der Weg sei dabei das Ziel: «Diese Projekte bringen uns an Orte, die so viel reicher sind als die Kunstwelt oder die Galerie oder das Museum. Wir können mit vielen verschiedenen Menschen arbeiten. Es ist ein Abenteuer und sehr aufregend und töricht.»

Die Ehe der beiden war auch eine aus Sozialismus und Kapitalismus: Der in Bulgarien marxistisch geschulte Christo, der weder Gelder von Sponsoren noch staatliche Subventionen akzeptierte, konnte die kostenlose Kunst für Millionen erst durch den Unternehmergeist seiner Frau verwirklichen. 2005 lehnten sie das Kaufangebot eines Finanziers über 50 Millionen Dollar für die 7500 orangefarbenen Tore und Stoffe aus dem Central Park ab. Christo soll auf das Angebot gesagt haben: «Ich würde sie auch für 100 Millionen nicht verkaufen.»

Deshalb und auch wegen der über Kilometer sichtbaren, visuellen Durchschlagskraft der Werke begeisterte das Paar. Unvergessen ist in Deutschland vor allem der in silberne Stoffbahnen verhüllte, mit blauen Seilen verschnürte Berliner Reichstag. Das Spektakel über zwei Wochen im Jahr 1995 sei nicht weniger gewesen als ein nachgeholtes Sommerfest zum Mauerfall, erinnerte sich Rüdiger Schaper vom Berliner «Tagesspiegel» zum 20. Jubiläum. Mit einem als «Big Air Package» getauften Luftpaket im Gasometer Oberhausen verwirklichte Christo im Jahr 2013 ein Projekt erstmals ohne seine Frau.

Protest gegen Trump

Die finanzielle Unabhängigkeit verschaffte Christo viel Freiraum in seinen jahrelangen Bemühungen, ein Projekt teils gegen Widerstand von Umweltschützern und trotz Auflagen von Baubehörden umzusetzen. So gab er 2017 im offenen Protest gegen US-Präsident Donald Trump die Arbeit «Over The River» im Staat Colorado auf, in das er über 20 Jahre rund 15 Millionen Dollar investiert hatte. Das am Arkansas River hätte er von der US-Regierung unter Trump mieten müssen.

Die Vergänglichkeit der temporären Grossinstallationen erinnerte stets auch an die Flüchtigkeit des Lebens selbst. «Es ist irgendwie naiv und arrogant, zu glauben, dass dieses Ding für immer bleibt, für die Ewigkeit», bemerkte Christo zur Zeit der Reichstagsverhüllung.

Leuchtende Kunststoffflächen, Bauwerke und Landstriche, wie zu überdimensionalen Geschenken oder Paketsendungen verpackt - faszinierende Bilder werden von Christos Arbeit in Erinnerung bleiben. Das heute fast keine mehr davon zu sehen ist, dürfte ihre Pracht nur verstärkt haben. «All diese Projekte haben eine starke Dimension des Fehlens, der Zurückhaltung», sagte Christo zur Reichstagsverhüllung. «Sie werden verschwinden, wie unsere Kindheit, unser Leben.» Erst das mache die Erfahrung so intensiv.

Diese Persönlichkeiten sind 2020 verstorben:

29. Dezember: Der Schweizer Architekt Luigi Snozzi stirbt im Alter von 88 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion. Er zählte zu den Erneuerern der Tessiner Architektur.
62 Bilder
29. Dezember: Der französische Modeschöpfer Pierre Cardin stirbt im Alter von 98 Jahren in Frankreich.
16. Dezember: Alt Bundesrat Flavio Cotti stirbt im Alter von 81 Jahren. Als CVP-Mitglied gehörte er dem Bundesrat von 1987 bis 1999 an.
12. Dezember: John Le Carré, der durch seine Spionageromane weltbekannte Schriftsteller, stirbt im Alter von 89 Jahren an einer Lungenentzündung.
11. Dezember: Der Schweizer Bildhauer Erwin Rehmann stirbt im Alter von 99 Jahren in Laufenburg.
3. Dezember: Die deutsche Schauspielerin Jutta Lampe stirbt im Alter von 82 Jahren in Berlin.
2. Dezember: Valéry Giscard d’Estaing, französischer Politiker und ehemaliger Staatspräsident stirbt an den Folgen einer Corona-Infektion.
28. November: Der britische Schauspieler und« Darth-Vader»-Darsteller David Prowse stirbt im Alter von 85 Jahren nach kurzer Krankheit.
25. November: Fussballgott Diego Maradona erliegt im Alter von 60 Jahren einem Herzinfarkt.
23. November: Karl Dall, deutscher Fernsehmoderator, Sänger und Komiker stirbt im Alter von 79 Jahren in Lüneburg an den Folgen eines Schlaganfalls.
20. November: Der deutsche Star-Friseur Udo Walz stirbt im Alter von 76 Jahren an den Folgen eines Diabetes Schocks.
31. Oktober: Bond-Legende Sean Connery stirbt im Alter von 90 Jahren auf den Bahamas.
25. Oktober: Der deutsche Bundestags-Vizepräsident Thomas Oppermann bricht kurz vor einem Interview zusammen und stirbt dann später mit nur 66 Jahren im Krankenhaus.
19. Oktober 2020: Spencer Davis (links), der britische Rockmusiker und Mitbegründer der Band «Spencer Davis Group» stirbt im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes.
12. Oktober: Die US-amerikanische «Two and a Half Men»-Darstellerin Conchata Ferrell stirbt im Alter von 77 Jahren.
6. Oktober 2020: Der niederländisch US-amerikanische Rockmusiker Edward Van Halen stirbt mit 65 Jahren an Kehlkopfkrebs. Das Ausnahmetalent auf der E-Gitarre war Mitbegründer der Rockband "Van Halen".
6. Oktober: Der US-Musiker Johnny Nash, (Hit: «I Can See Clearly Now»), stirbt im Alter von 80 Jahren.
6. Oktober: Der deutsche Journalist, Kabarettist und Entertainer Herbert Feuerstein stirbt im Alter von 83 Jahren. Feuerstein war 20 Jahre lang Chef des Satire-Magazins «MAD».
27. September: Der ehemalige deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement stirbt im Alter von 80 Jahren an Lungenkrebs.
23. September: Die französische Chansonsängerin und Ikone Juliette Greco stirbt im Alter von 93 Jahren.
21. September: Der französische Schauspieler Michael Lonsdale stirbt im Alter von 89 Jahren.
28. August: Uli Stein, einer der bekanntesten Cartoonisten Deutschlands, stirbt im Alter von 73 Jahren.
15. August: Robert Trump (links), der Bruder von Donald Trump, stirbt im Alter von 71 Jahren.
11. August: Der US-amerikanische Popsänger Trini López stirbt im Alter von 83 Jahren an der Folgen einer Covid-19-Erkrankung.
25. Juli: Die amerikanische Filmlegende Olivia de Havilland stirbt im Alter von 104 Jahren in Frankreich.
25. Juli: Gitarrengott Peter Green stirbt ist im Alter von 73 Jahren. Er war Mitbegründer der legendären Band «Fleetwood Mac».
13. Juli: Der US-amerikanische Schauspieler und Modellbauer Grant Imahara stirbt im Alter von 49 Jahren an den Folgen eines Aneurysmas.
13. Juli: Benjamin Keough, Enkel des «King of Rock'n' Roll» Elvis Presley nimmt sich mit 27 Jahren das Leben.
6. Juli: Film-Komponist Ennio Morricone ("Spiel mir das Lied vom Tod") stirbt 91-jährig.
19. Juni: Der britische Schauspieler, der vor allem als Bilbo Beutlin in «Herr der Ringe» bekannt wurde, stirbt im Alter von 88 Jahren.
12. Juni: Nationalrat Albert Vitali (FDP/LU) erliegt kurz vor seinem 65. Geburtstag einem Krebsleiden.
31. Mai: Der Künstler Christo, der vor 25 Jahren auch das Reichstagsgebäude in Berlin verhüllte, ist tot. Er starb in New York im Alter von 84 Jahren.
26. Mai: Der ehemalige Berner SVP-National- und Regierungsrat Bernhard Müller stirbt 89-jährig.
24. Mai: Die amerikanische Schlagzeug-Legende Jimmy Cobb stirbt in New York.
19. Mai: Bauunternehmer Walter Beller stirbt zuhause mit 71 Jahren. Bild: Mit Ehefrau Irina Beller.
12. Mai: Die deutsche Fotografin und Künstlerin Astrid Kirchherr fotografierte die Beatles – und wurde mit ihnen berühmt: Sie stirbt im Alter 81 Jahren.
12. Mai: Die französische Schauspiel-Legende Michel Piccoli stirbt im Alter von 94 Jahren.
9. Mai: Der US-Amerikaner Little Richard, der Pionier des Rock'n Roll, stirbt mit 87 Jahren.
8. Mai: Roy Horn (links), ein deutsch-US-amerikanischer Zauberkünstler, stirbt im Alter von 75 Jahren in Las Vegas an einer Corona-Infektion.
25. April: Der schwedische Schriftsteller Per Olov Enquist stirbt mit 85 Jahren.
23. April: Der ehemaliger deutsche Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm stirbt im Alter von 84 Jahren.
14. April: Der renommierte Berner Gegenwartskünstler Markus Raetz stirbt mit fast 79 Jahren. Der Maler, Zeichner und Objektkünstler hat in seinem umfangreichen Werk immer wieder die gewohnte Wahrnehmung unterlaufen.
12. April: Formel 1-Legende Stirling Moss stirbt im Alter von 90 Jahren in London.
1. April: Der amerikanische Musiker Adam Schlesinger (52) stirbt an den Folgen einer Corona-Infektion. Der Emmy- und Grammy-Preisträger wurde 52 Jahre alt.
1. April: Der amerikanische Jazz-Pianist Ellis Marsalis aus New Orleans stirbt an den Folgen einer Coronavirus-Infektion.
30. März: Die US-amerikanische Soul-Legende Bill Withers («Ain't No Sunshine»), stirbt im Alter von 81 Jahren in Kalifornien.
25. März: US-Schauspieler Mark Blum (hier mit Schauspielerin Sharon Lawrence) stirbt mit 69 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Infektion. Blum wurde mit Filmen wie "Desperately Seeking Susan" und "Crocodile Dundee" bekannt.
24. März: Der Asterix-Zeichner Albert Uderzo stirbt mit 92 Jahren an einem Herzinfarkt.
20. März: Kenny Rogers stirbt mit 81 Jahren. Der Country- und Popmusiker schuf Hits wie «Island In The Stream» und «Lucille».
8. März: Der schwedische Schauspieler Max von Sydow stirbt mit 90 Jahren in Paris. Er wurde in den 1950er Jahren durch seine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Regisseur Ingmar Bergman bekannt, später war er auch in Blockbustern wie «Star Wars» zu sehen.
6. März: Der Us-Amerikaner McCoy Tyner, einer der einflussreichsten und bedeutendsten Pianisten des Jazz, stirbt im Alter von 81 Jahren.
25. Februar: Ägyptens Langzeitmachthaber Husni Mubarak stirbt im Alter von 91 Jahren. Mubarak stand fast 30 Jahre an der Spitze des bevölkerungsreichsten Landes der arabischen Welt.
17. Februar: Die Tastenkombination «Copy and Paste» spart Zeit und sorgt für Ärger. Nun ist ihr Erfinder Larry Tesler 74-jährig gestorben.
15. Februar: Die britische Fernsehmoderatorin Caroline Flack wird tot in ihrer Wohnung gefunden. Die 40-Jährige soll Suizid begangen haben. Sie hätte sich Anfang März 2020 vor Gericht verantworten sollen, weil sie im Dezember 2019 ihren Freund Lewis Burton attackiert hatte.
5. Februar: Die Hollywood-Legende Kirk Douglas stirbt im Alter von 103 Jahren.
1. Februar: Die Zürcher Radiolegende Elisabeth Schnell - hier 2005 im Berner Oberland - stirbt im Alter von 90 Jahren an den Folgen einer Erkrankung.
31. Januar: Eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der Welt, die US-Amerikanerin Mary Higgins Clark, stirbt im Alter von 92 Jahren.
26. Januar: Der ehemalige Basketball-Superstar Kobe Bryant verunglückt bei einem Helikopterabsturz in Kalifornien und stirbt mit nur 41 Jahren.
21. Januar: Terry Jones, Mitglied der berühmten Komikergruppe Monty Python, stirbt im Alter von 77 Jahren in England. Jones litt während der letzten Jahre an starker Demenz und war in der Öffentlichkeit nur noch selten zu sehen.
20. Januar: Der deutsche Schauspieler Joseph Hannesschläger, hier mit seiner Ehefrau, verliert den Kampf gegen den Krebs im Alter von 57 Jahren. Seit 2002 war Hannesschläger als Kommissar in der ZDF-Kultserie "Die Rosenheim-Cops" zu sehen.
5. Januar: John Baldessari, amerikanische Künstler, wird 88 Jahre alt.
1. Januar: Martin Bundi, der frühere Bündner SP-Nationalrat setzte sich für die Natur und die rätoromanische Sprache ein. Er stirbt im Alter von 87 Jahren.

29. Dezember: Der Schweizer Architekt Luigi Snozzi stirbt im Alter von 88 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion. Er zählte zu den Erneuerern der Tessiner Architektur.

Foto: Keystone