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Der Mann auf dem Sockel kommt zu Wort

Joachim von Watt alias Vadian hat die Religionspädagogin Bettina Schawalder Frei zwei Jahre lang auf Schritt und Tritt begleitet. Entstanden ist ein prägnantes Zeit- und Lebensbild – nicht nur für Primarschüler.
Bettina Schawalder Frei am Lieblingstreffpunkt Vadian. (Bild: PD)

Bettina Schawalder Frei am Lieblingstreffpunkt Vadian. (Bild: PD)

Einheimische lassen ihn meist im Vorbeigehen am St. Galler Marktplatz links liegen respektive stehen: den überlebensgrossen Reformator auf dem Sockel. Oder sie machen mit Freunden dort ab, Treffpunkt «beim Vadian»; im Sommer sitzen sie dem Arzt und Bürgermeister Glace schleckend zu Füssen. Bettina Schawalder Frei, evangelische Religionslehrerin auf der Primar- und Oberstufe, hat in den vergangenen zwei Jahren oft im Stillen Zwiesprache mit ihm gehalten, wenn er auf sie herabschaute, die Hand einladend ausgestreckt. «Da hast du mir etwas eingebrockt!», dachte sie ab und zu.

Dabei war es doch ihre eigene Idee gewesen: in einem Kinderbuch das Leben und Wirken ­Vadians zu erzählen, den historischen Kontext, die theologischen Streitpunkte der Reformation kindgerecht zu vermitteln. Mit einem verständlichen, lebendigen und gleichwohl sachlich fundierten Text und mit prägnanten Bildern, die Emotionen wecken und im Gedächtnis haften bleiben. Als 2015 eine Arbeitsgruppe zum bevorstehenden Reformationsjubiläum gebildet wurde, schlug sie das Buchprojekt vor und begann zu recherchieren. Von diesem Moment an liess Joachim von Watt alias Vadian die gebürtige St. Gallerin nicht mehr los. Sie las vorhandene Biografien, beschaffte sich Fachliteratur zur Reformationszeit, fotografierte, nahm Material und Lektüre mit in die Ferien. Viel Unterstützung bekam sie zudem von Pfarrer Holger Brenneisen, Leiter des Religionspädagogischen ­Instituts. In den Abendstunden, wenn ihr inzwischen siebenjähriger Sohn im Bett war, entstanden die ersten Bilder, noch vor dem Text: Skizzen, Vorzeichnungen, die sie mit Filzstift konturierte und dann mit Wasserfarben kolorierte. Für die gelernte Möbelschreinerin, die auch im Religionsunterricht gern kreativ arbeitet, war das Projekt ein willkommener Anstoss, das Zeichnen wieder aufzunehmen. Doch gleich für ein Buch – «das war vielleicht schon etwas frech von mir», sagt sie.

Vadian, Supertalent in Wien und St. Gallen

Ermutigt hat sie die Tatsache, dass bislang nichts Vergleichbares zum Thema vorlag und sich das Buch sowohl für den Unterricht als auch zum Lesen und Betrachten in der Familie eignet. Ihr Sohn war mit wachem Interesse am Entstehen des Buchs beteiligt; er stellte anregende Fragen. «An seinen Reaktionen konnte ich die Wirkungen der Bilder testen», sagt Bettina Schawalder. Sie zeigen etwa den Furor des Bildersturms, Vadian in Wien (wo ihm Kaiser Maximilian die Dichterkrone aufsetzt) und Orte, die man beim Stadtrundgang wiedererkennt. Doch hat sie sich auch Freiheiten erlaubt. Das Abendmahl in St. Laurenzen ist eine gestellte Szene, und Vadian spricht in wörtlicher Rede. So wird der vielseitig begabte Reformator als Mensch lebendig greifbar – ein «Supertalent» seiner Zeit. Bettina Schawalders Sohn findet nun längst, man solle das auch den Tauben mal erklären.

Bettina Kugler

bettina.kugler

@tagblatt.ch

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