Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der letzte Tanz in St. Gallen

Sie haben erst spät zum Ballett gefunden und lieben die Emotionalität des Tanzens: Robina Steyer und Thanh Pham Tri verkörpern am Theater St. Gallen viele Rollen. Doch jetzt müssen sie die Weichen neu stellen.
Julia Nehmiz
Thanh Pham Tri absolvierte seine Ausbildung in Vietnam. B (Bild: ild: PD)
Robina Steyer tanzt ihre fünfte Saison in St. Gallen.. (Bild: Ian Whalen)
2 Bilder

Der Job von Theater-Tänzern ist ständig ungewiss: Zwei Geschichten und die Menschen dahinter

So ist es halt am Theater: Die eine Chefin geht, der neue Chef kommt und bringt ein neues Team mit. Manche der Künstlerinnen und Künstler am Haus dürfen bleiben, andere müssen sich ein neues Engagement suchen. «Das ist die Voraussetzung, mit der man in den Beruf geht», sagt Robina Steyer. «Man kann jedes Jahr den Job verlieren.»

Robina Steyer tanzt ihre fünfte Saison am Theater St. Gallen. Für sie, für Thanh Phram Tri und einige andere ist nun die letzte St. Galler Spielzeit angebrochen. Tanzchefin Beate Vollack wechselt nach Graz, der neue Tanzchef Kinsun Chan übernimmt nicht das ganze St. Galler Ensemble. «Das ist ein normaler Vorgang, das weiss man auch», sagt Steyer. Trotzdem verspürt sie Wehmut. «Ich wäre gerne bis zum Umbau des Theaters geblieben.». Sie fühlt sich dem Haus verbunden, St. Gallen ist ihre Heimat geworden. Doch sie bleibt positiv: «Es ist gut so, wie es ist.»

Dass sie überhaupt Tänzerin geworden sei, war nicht geplant. Steyer wuchs auf dem Land auf, die nächste grosse Stadt war Weimar. Sie machte Geräteturnen. Über den Chor kam sie zur klassischen Musik, bei einer Frau aus dem Chor durfte sie klassische Musik hören, Tschaikowsky, Klavierkonzerte – und die zwölfjährige Robina wusste, was sie machen wollte: Musik und Bewegung verbinden. Ohne dass sie eine Ballettaufführung gesehen hatte, traf es sie wie ein Lichtschlag: «Ich werde Tänzerin.»

Das war auf dem Dorf schwierig umzusetzen. Robina Steyer fuhr nach der Schule zum Ballettunterricht in einer Klosterschule, abends umständlich mit dem Bus zurück, schlief teils bei ihrer Mutter im Krankenhaus, die dort im Schichtdienst arbeitete. «Es war ein Kampf, aber ich wusste, ich will das.» Mit 15 wurde sie an der Staatlichen Ballettakademie in Berlin aufgenommen. Nach Tanzausbildung und Abitur folgten ein Tanzstudium in Köln, Erfolge als freischaffende Tänzerin, ein Stipendium der Kunststiftung, ein Engagement in Lüneburg. Von dort kam sie vor vier Jahren nach St. Gallen. Hier unterrichtet sie auch in der Theatertanzschule, erschafft Choreografien, und liebt es nach wie vor, zu Tanzen. «Tanz ist eine Sprache mit dem Körper, diese Sprache ist so vielfältig. Mit dem Körper kann man Geschichten erzählen in aller Emotionalität.» Robina Steyer ist jetzt 34, «für eine Tänzerin bin ich alt», sagt sie. «Der Tag, an dem man nicht mehr tanzen kann, kommt sowieso.» Das könne man auch umkehren ins Positive: Jetzt schon ausloten, was will ich, was kann ich, was hat für die Zukunft Bestand .«Mal schauen, wo und wie es weitergeht.»

Seine Eltern sahen ihn nur einmal tanzen

Diese Gedanken macht sich auf Thanh Pham Tri. Der 31-Jährige tanzt seine zweite Saison in St. Gallen. Er würde gerne noch ein paar Jahre weitertanzen, er liebt es, die Emotionalität auf der Bühne zu leben. Doch freischaffend als Tänzer arbeiten, das kann er nicht: Wenn er keinen festen Job in Europa findet, muss er visabedingt zurück nach Vietnam. Dort tanzte er am Vietnam National Opera and Ballet, musste aber nebenher als Trainer und Tänzer arbeiten, um über die Runden zu kommen. Seine Eltern sind Bauern, er unterstützt sie. «Sie haben keine Vorstellung von meinem Leben.» Tanzen sahen sie ihn nur einmal, an seiner Abschlussprüfung der Staatlichen Ballettschule in Hanoi.

Dass Thanh Pham Tri zum Ballett kam, war Zufall. «Nicht ich habe den Tanz gesucht, der Tanz hat mich gewählt.» In den Sommerferien bei seiner Tante in Hanoi besuchte er als Zwölfjähriger einen Tanzkurs. Nie zuvor hatte er Ballett getanzt. Er wurde angenommen und durfte die siebenjährige Ausbildung absolvieren. «Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Tänzer in Europa werde.» Über ein Stipendium des Goethe-Instituts kam er ans Staatstheater Gärtnerplatz München, von dort zur Cinevox Junior Company. Dann tanzte Thanh Pham Tri zwei Jahre in Graz, zwei Jahre in Münster, und jetzt in St. Gallen. Wie es für ihn weitergeht? Er weiss es nicht. Er hat sich an anderen Theatern beworben, doch zwischen Proben und Vorstellungen ist es schwer, zu Auditions zu reisen. «Das Leben passiert», sagt Thanh Pham Tri. Er denke trotz der Unsicherheit positiv. «Ich hatte schon so viel Glück, den Job in St. Gallen zu bekommen», sagt er, «mal sehen, was noch kommt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.