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Er hält als letzter Mohikaner die Stellung

Seit 25 Jahren führt Paul Hafners seine Kunstgalerie in St.Gallen. Er ist einer der letzten in einer sich radikal veränderten Szene. Denn die Ostschweizer kaufen immer weniger Kunst.
Christina Genova
Gut bezahlt, wie das Werk von Hadrien Dussoix (rechts oben) vermuten liesse, ist Paul Hafners Job als Galerist beileibe nicht. (Bild: Ralph Ribi)

Gut bezahlt, wie das Werk von Hadrien Dussoix (rechts oben) vermuten liesse, ist Paul Hafners Job als Galerist beileibe nicht. (Bild: Ralph Ribi)

Vernissagen, an welchen sich niemand blicken lässt. Ausstellungen, aus denen er kein einziges Werk verkauft. Paul Hafner hat alles erlebt. Der zurückhaltend, ja verschlossen wirkende Mann mit dem schlohweissen Haar führt in St. Gallen seit 25 Jahren eine Kunstgalerie. Illusionen macht er sich keine mehr: «Würde ich schliessen, krähte kein Hahn danach.»

Angefangen hat alles an der Hinteren Poststrasse 25. Dort führte Paul Hafner sein Grafikatelier. Weil es im Gebäude Platz gab, er sich für Kunst interessierte und es unter seinen Freunden und Bekannten viele Künstler gab, entschloss er sich, Ausstellungen zu organisieren: «Mein Ziel war es, junge Künstler zu zeigen.» Besonders die Wiener Kunstszene hatte es ihm angetan. Dort lernte er 1993 auch Tobias Pils kennen – seine grösste Entdeckung. Stolz erzählt Paul Hafner, dass er dem österreichischen Künstler seine erste Einzelausstellung ausrichtete. Fünf weitere sollten folgen.

Dann wurde Pils von der international agierenden Zürcher Galeristin Eva Presen­huber abgeworben. Das Los einer Provinzgalerie? «Eindeutig.» Ist Paul Hafner enttäuscht? «Es schmerzt mich schon ein bisschen.» Er habe viel in den Künstler investiert und Aufbauarbeit geleistet.

Lieber zwei Autos als Kunst kaufen

Anfänglich betrieb Paul Hafner die Galerie nebenbei. Spätestens mit dem Umzug im Jahr 2000 ins Lagerhaus an der Davidstrasse 40, wo sich die Galerie noch heute befindet, drehte sich das Verhältnis: Das Grafikatelier mit Ausstellungsraum wandelte sich zur Galerie mit integriertem Grafikbüro. Mittlerweile läuft das ­Geschäft mit der Kunst besser als jenes mit der Grafik.

«Radikal» ist ein Wort, das Paul Hafner mehrfach verwendet, wenn er Rückschau auf ein Vierteljahrhundert Ausstellungstätigkeit hält. Radikal wandelte sich in den letzten Jahren die Galerielandschaft in St. Gallen: Die Galerie Wilma Lock schloss vor bald zehn Jahren. Die Galerie Susanna Kulli, Paul Hafners ehemalige Nachbarin im Lagerhaus, zog schon 2004 nach Zürich, und die Galerie Christian Röllin stellte ihre Ausstellungstätigkeit vor einem Jahr ein. Paul Hafner hält als letzter Mohikaner die Stellung. Die übrigen in St. Gallen verbliebenen Galerien besetzen Nischen.

Radikal verändert hat sich auch der Kunstmarkt. Vor allem seit der Finanzkrise vor zehn Jahren sitzt das Geld den Leuten nicht mehr so locker in der Tasche: «Früher kauften Banker auch mal spontan ein Bild. Das ist jetzt vorbei.» Die Käuferschaft im mittleren Preissegment sei richtiggehend weggebrochen.

«Würde ich meine Galerie schliessen, krähte kein Hahn danach.»

Schliesslich spürt Paul Hafner auch die Folgen der digitalen Revolution. Die Flut an Bildern, die übers Smartphone und den Computer abgerufen werden können, führe zu einer Übersättigung, und die Neugierde gehe verloren: «Heute gehen die Leute lieber fünfmal in die Ferien und kaufen sich zwei Autos, als dass sie ihr Geld in Kunst investieren.»

Mittlerweile ist Paul Hafner 66 Jahre alt und im Pensionsalter. Ans Aufhören denkt er zwar noch lange nicht. Trotzdem macht er sich Gedanken über die Zukunft. ­Vorstellen könnte er sich eine ­Zusammenarbeit mit jungen ­Kuratoren. Auch der Verkauf der Galerie an einen Investor oder die Unterstützung durch Gönner sieht er als Möglichkeit. Einzig der Übergabe an einen Verein kann Paul Hafner nichts abgewinnen. Doch vorerst gilt: «Jede Ausstellung, die ich mache, freut mich. Und ich freue mich immer schon auf die nächste.»

Hinweis
Do, 7.6., 19 Uhr: Paul Hafner erzählt über die Galerie und die Kunst. Ausstellung «Twenty_Five», bis 7.7.

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