Der Kunstraum Kreuzlingen zeigt tanzende Pistenfahrzeuge im nächtlichen Schnee

Die Natur bildet die grosse Klammer der Ausstellungen von Elisabeth Strässle und Melanie Manchot.

Judith Schuck
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Ein Kranich-Aquarell von Elisabeth Strässle.

Ein Kranich-Aquarell von Elisabeth Strässle.

(Bild: Reto Martin)

Erst bei genauerem Betrachten löst sich die Statur eines Kolk­raben aus dem fast monochromen, dunklen Ölgemälde. Das Jahr 2019 widmete die Künstlerin Elisabeth Strässle ganz intensiv der Erforschung der Vogelwelt. Dazu verbrachte sie viel Zeit in Museen, zeichnete nach taxidermischen Präparaten, besuchte mehrmals die Vogelwarte in Sempach oder ornithologische Sammlungen, anknüpfend an die verschwimmenden Grenzen von Wissenschaft und Kunst in den Wunderkammern der Spätrenaissance – den Vorgängern unserer heutigen Museen.

Bei ihren Tierzeichnungen geht Elisabeth Strässle vom Skelett aus.

Bei ihren Tierzeichnungen geht Elisabeth Strässle vom Skelett aus.

(Bild: Reto Martin)

«Bei meinen Tierzeichnungen gehe ich immer vom Skelett aus», erklärt Strässle ihre Methodik. Hierauf baue die indi­viduelle Körperhaltung aller Lebewesen auf. Im Kunstraum Kreuzlingen zeigt sie eine Auswahl von 21 Werken aus ihrem «Catalogue d´oiseaux», der aus ihrer Auseinandersetzung mit dieser faszinierenden Spezies entstand. Neben grossformatigen Ölgemälden sind skizzenhafte Bleistiftzeichnungen und Aquarelle von Kolkrabe, Kranich und Amsel ausgestellt. Aber auch den Paarungsruf der Rohrdommel verbildlichte Elisabeth Strässle durch eine farbige Sonografie.

Die Tierliebe und die Auseinandersetzung mit der Natur zögen sich als roter Faden durch ihr Werk, sagt die Künstlerin, die zwanzig Jahre in New York lebte. Auch dort fertigte sie Zeichnungen von Tierskeletten im American Natural Museum of History. «In den Museen gehe ich auf Weltreise.»

Video aus der Vogelperspektive

Im Tiefparterre zeigt Melanie Manchot Pistenfahrzeuge, die Volkstänze aufführen.

Im Tiefparterre zeigt Melanie Manchot Pistenfahrzeuge, die Volkstänze aufführen.

(Bild: Reto Martin)

Einen ähnlichen Ansatz mit einem ganz anderen Medium verfolgt Melanie Manchot, die im Tiefparterre ihre beiden ­Videosequenzen «Snowdance» und «Cadence» zeigt. Mit ihrer filmischen und fotografischen Forschungsarbeit «Mountainworks» geht sie bereits seit zehn Jahren der Frage nach, wie der Mensch mit der Natur interagiert und wie er mit der Verantwortung gegenüber den Landschaften und Orten umgeht, die in seiner Obhut liegen. Dafür arbeitet sie eng mit der Gemeinde Engelberg in der Zentralschweiz zusammen.

In «Cadence» zieht ein Pferd seine Runden durch bis dahin noch unberührten Schnee. «Die Spuren, die es darin hinterlässt, bilden eine Choreografie ab oder können auch Zeit darstellen», erklärt die in London und Engelberg lebende Künstlerin. «Snowdance» ist ebenfalls eine Choreografie im Schnee, dieses Mal durchgeführt von Pistenfahrzeugen, die paarweise und synchron Volkstänze aus dem österreichischen Montafon im nächtlichen Schnee nachtanzen. Die Videos sind aus zirka 50 Metern Höhe von Drohnen, aus der Vogel­perspektive, gefilmt. Der Österreicher Christof Dienz schuf ­eigens für den «Schneepflugtanz» eine Komposition, in der er elektronische Sounds mit alpenländischen Instrumenten kombiniert.

Vernissage Freitag, 31.1., 19.30 Uhr; Ausstellung bis 5.4.