Der Kreuzlinger Pianist Max Petersen wird vom Kanton Thurgau gefördert: «Das Wichtigste ist der Groove»

Mit den 25 000 Fördergeld will der junge Musiker ein neues Album samt Video aufnehmen und darin Jazz und Klassik vereinen. Denn für beides schlägt sein Herz gleichermassen.

Dieter Langhart
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Förderungswürdig: Pianist Max Petersen.

Förderungswürdig: Pianist Max Petersen.

Bild: Dieter Langhart

Wie stellt man sich einen Pianisten vor, der sich im Jazz ebenso leicht bewegt wie in der Klassik? Max Petersen ist feingliedrig, gross und schlank, ernst und fröhlich zugleich, in der halben Welt daheim und noch nicht einmal dreissig. Eng ist es in seinem Musikzimmer in Winterthur, in dem er auch unterrichtet, doch hinter dem Haus liegt der grosse Garten, ennet der Strasse der weite Wald auf dem Eschenberg für die tägliche ausgleichende Joggingrunde. Doch sein Lieblingsort ist und bleibt der Bondi Beach in Sydney.

Max Petersen zu Hause in seinem Musikzimmer.

Max Petersen zu Hause in seinem Musikzimmer.

Dieter Langhart

In Australien als Sohn deutscher Eltern geboren, mit fünf nach Konstanz, erste Klavierstunden, weiter nach Kreuzlingen. Mit vierzehn reiste Max Petersen mit einem Schüleraustausch ein halbes Jahr zurück nach Australien, dann kam die Kunst- und Sportklasse an der PMS Kreuzlingen. «Wir waren ein wilder Haufen, aber alle waren fokussiert», sagt Max Petersen über die für ihn «wichtige und spannende Zeit» mit wenig Präsenzunterricht und viel kreativer Freiheit. Er wusste sehr früh, dass er Musiker werden wollte, studierte am Konservatorium Winterthur, an der ZHdK und in Lugano. Petersen gründete bald eine Band, schrieb für sie Stücke. Regelmässig reist er nach New York und Köln, vernetzt sich.

Neues Album samt Video

Die 25 000 Franken Förderbeitrag, die Max Petersen im April vom Kanton Thurgau erhalten hat, will er für die Produktion eines Albums samt Video nutzen. In diesem Brückenschlag-Projekt vereint er das klassische Klaviertrio und das Jazztrio, für einige Stücke werde eine Sängerin dazustossen. Petersen als Pianist bildet das Scharnier, denn er hat zwei Seelen. Zwar hat er direkt Jazz studiert, hat aber stets auch klassische Klaviermusik gespielt, in den letzten Jahren noch intensiver. «Beide Sparten sind gleichwertig, sind gleich wichtig.»

Im Jazz mit seinen afroamerikanischen Wurzeln schätzt er andere Elemente als in der abendländischen Musik: Groove, Soul, das Tänzerische. Während die klassische Musik sich ganz stark am Schriftbild, an den Noten orientiert, könne man Jazz nicht lernen, ohne sich Aufnahmen anzuhören. «Das Wichtigste ist der Puls, der Groove.»

Petersen sieht die Musik wie eine Sprache: Auch wenn sie bestimmten Regeln und Traditionen folge, enthalte sie Nuancen, die gerade in der Improvisation hörbar würden. In der klassischen Musik («heute fast eine Museumskultur») vermisst er die Interaktion, und ihn stört, dass ihr die Variation abhandengekommen ist – Mozart etwa habe oft über seine Kadenzen improvisiert.

Im Herbst auf Tournee nach Russland

Er schwärmt vom St.Galler Organisten Rudolf Lutz und erwähnt die klassische Pianistin Galina Vracheva aus Bulgarien und ihre Mission, die Improvisation wiederzubeleben. Ihm ist sie ebenso wichtig, und ihm sagt auch der Trend zur historischen Aufführungspraxis zu, die möglichst originalgetreue Wiedergabe früherer Musik.

Corona sei übel für die Musikszene. Während in Deutschland und der Schweiz der Staat helfe, darben die Musiker in New York. Im Herbst will Max Petersen mit einem neuen Trio auf Russlandtournee. Der Schlagzeuger lebt in Köln – ob und wann sie proben können, ist ungewiss. Wo will Max Petersen in zehn Jahren stehen? Er denkt nach und sagt:

«Gute Dinge passieren langsam, ich spüre keine Hektik.»

Er wünscht sich mehr Auftritte im Ausland und will einen Ort finden mit seinen «beiden Schienen». Langsam, Schritt für Schritt, den Superlativ, die Superkarriere strebt er nicht an. «Ich denke kollektiver, sozialer.»