Der Kreuzlinger Alex Nauva macht Songs, die auch im Stripclub laufen könnten

In seinem neuen Album «Yume» verbindet der 27-jährige Musiker eingängige Melodien mit textlichen Abgründen.

Stefan Böker
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Elektronischer Pop zum Träumen von Alex Nauva.

Elektronischer Pop zum Träumen von Alex Nauva.

Bild: Jessica Fuchs

«Wenn ich die Gitarren weglasse, habe ich mehr Platz für Synthesizer», lautet Alex Nauvas einleuchtende Antwort auf die Frage, warum auf seiner neuen EP «Yume» so gut wie kein Saiteninstrument mehr zu hören ist. Eigentlich ist Nauva als Frontmann, Gitarrist und Texter von OGMH bekannt. Bereits im Sound der Kreuzlinger Alternative-Rockband liess sich über die Jahre seine wachsende Faszination für elektronische Musik ausmachen, die Nauva nun solo vollständig auslebt.

Stilistisch hat sich der Kreuzlinger Songwriter dabei fokussiert. Gab es 2017 auf «China Girls» noch verzerrte Gitarren, ein treibendes Schlagzeug oder gar Ausflüge in Techno-Musik, sind seine neuen Klangwelten extravaganter, aber konzentrierter: elektronischer Pop, der zum Träumen einlädt.

«Ich lasse mich von Bands aus den 80er- und 90er-Jahren inspirieren», verrät Nauva. Besonders beeinflusst habe ihn das Doppelalbum «Hurry Up, We’re Dreaming» der französischen Band M83.

Paranoia, Angst, Abhängigkeit

Allerdings geht es in Nauvas Songs instrumental weniger opulent, inhaltlich dafür düsterer zu und her. Er verarbeite viele negative Gedanken wie Paranoia, existenzielle Angst, Abhängigkeit, sagt der 27-Jährige. Für Nauva ist Musik nicht nur Lebensmittelpunkt – er ist Musiklehrer an der Sekundarschule Tägerwilen – sondern auch Ventil für aufgestaute Gefühle und die Möglichkeit zur Selbstreflexion. Er sei eigentlich ein emotionaler Mensch, sagt der Künstler mit den blond gefärbten Haaren:

«Aber im Alltagsleben nehmen mich Menschen wahrscheinlich als unnahbar wahr, weil ich mich hinter einer Fassade verstecke. In der Musik kann ich mich ausdrücken.»

Aus diesem Gegensatz zwischen eingängigen Melodien und sanfter Produktion auf der einen und den Abgründen, die sich textlich auftun, auf der anderen Seite, gewinnen die fünf Stücke auf «Yume» an zusätzlicher Faszination. «Weak, I’m going undercover, my life could have been another (…) have you ever felt so dumb and broke?», fragt er sich selbst im Song «Power».

Eigene Fotos auf dem Cover

Ästhetisch führt Nauva den Weg in die Vergangenheit zu Ende. Für seine Cover verwendet der begeisterte Analog-Fotograf eigene Werke und verbindet so das nostalgische Flair seiner Musik optisch mit Lebensmomenten. Hier gilt ebenso: Inhalt und Form müssen nicht zusammenpassen. «Es sind im Gegenteil schöne Erinnerungen, die ich auf diese Weise verewige», erklärt er. «Ich hätte es einfach schade gefunden, wenn diese Bilder auf einer Festplatte oder in der Schublade verstauben.» Bei der Produktion seiner Videos legt der Künstler selbst Hand an. Um seine Single «Alive» visuell zu unterstützen, wurde einfach mit dem iPhone auf den Bildschirm draufgehalten, während er mit einem WG-Mitbewohner das Autorennen «Need for Speed» zockte – auch so ein Klassiker aus den 90er-Jahren.

Nostalgisches Flair in der Musik und im Bild: Alex Nauva.

Nostalgisches Flair in der Musik und im Bild: Alex Nauva.

Bild: Jessica Fuchs

Im Vergleich mit den früheren Veröffentlichungen lassen sich aber auch Übereinstimmungen finden: zum Beispiel ein Gesamteindruck, den eine Freundin einmal wie folgt bezeichnete. «Sie meinte, meine Songs hören sich an wie Musik, die in einem Stripclub läuft», sagt Nauva belustigt. «Damit kann ich leben.»

Die EP «Yume» ist auf diversen Streaming-Plattformen erhältlich.